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Die Beherrschung der kompositorischen Elemente Motiv, Melodie, Sequenz und Harmonie und darauf aufbauend die integrierte instrumentelle Beherrschung des Oberwellenspektrums eines Tons entspricht in der Mathematik der spielerischen Beherrschung der irrationalen Zahlen; denn bei einer lebendig gestalteten Musik bewegen sich alle kompositorischen Gestaltungskomponenten im Verhältnis irrationaler Zahlen.
Nichts ist hier fixiert, und doch ahnt man ein ordnendes Wissen ohne es an einem bestimmten Punkte greifen zu können.
Man kann versuchen, eine solche lebendige musikalische Ordnung analytisch zu ergründen, aber man wird sie von außen allein nicht erfassen; denn gemäß einem eingebauten lebensnahen Bildungsmechanismus solcher Tondichtung ersetzt der Hörer irgendwann das äußere beschränkte analytische Erfassen durch sein inneres umfassendes synthetisierendes Verstehen und gelangt in die Tiefe seiner eigenen Persönlichkeit, zum inneren Erkennen er gelangt zur Selbsterkenntnis.
Hier, bei sich selbst angelangt, ist klingende Musik ihm das äußere Mittel, in der Tiefe seiner inneren Stille des Selbstbewußtseins die eigene Glücksempfindung vielfältig schöpferisch anzuregen.
Damit hat die Tonkunst eine zentrale Aufgabe erfüllt: sie hat den Musikliebhaber zur systematischen Selbsterkenntnis inspiriert und hat die mit der Selbsterkenntnis verbundene beglückende Erfahrungswelt vorweggenommen.
In der Verherrlichung der unendlich vielfältigen Selbsterkenntnis liegt der wahre Sinn urklassischer Musik.
PETER
HÜBNER Natürliches Musikschaffen
DIE
ORDNUNGSSYSTEME IN DER MUSIK |