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Avant Garde Musik
Fortsetzung 2

Die Neutöner des 20. Jahrhunderts
im Intervallbereich

 
Mit der Kon­struk­tion der Ven­til­in­stru­men­te er­starb bei den Neu­tö­nern des 20. Jahr­hun­derts schließ­lich auch das In­te­res­se an die­sen gro­ßen na­tür­li­chen Haupt­in­ter­val­len, und sie wand­ten sich den noch dif­fe­ren­zier­te­ren In­ter­val­len der gro­ßen und der klei­nen Se­kun­de zu – das heißt dem Raum zwi­schen sieb­tem und ach­tem Ober­ton, ach­tem und neun­tem Ober­ton oder zwi­schen neun­tem und zehn­tem Ober­ton be­zie­hungs­wei­se dem Raum zwi­schen zehn­tem und elf­tem Ober­ton.

 
Mechanistisches Differenzieren im Makrokosmos der Musik
 
Hier be­gan­nen sie al­ler­dings, den Mu­sik­lieb­ha­ber zu er­schre­cken; denn hier zeig­te sich selbst dem un­ge­schul­ten Ohr ei­nes Hö­rers die Dis­kre­panz ei­ner „er­zwun­ge­nen Ehe“ von Mak­ro­kos­mos und Mi­kro­kos­mos der Mu­sik, bei wel­cher der Mi­kro­kos­mos durch die man­geln­de Sen­si­bi­li­tät des Mak­ro­kos­mos schril­le Dis­so­nan­zen er­zeugt.

 
Die erzwungene Ehe von Makrokosmos und Mikrokosmos der Musik
 
Das Sich­be­drän­gen von eng be­nach­bar­ten Ober­wel­len durch das kon­stan­te Spie­len von zu eng bei­ein­an­der­lie­gen­den Tö­nen mit Ober­wel­len­ge­halt be­wirkt durch das An­ein­an­der­rei­ben der ho­hen Ober­tö­ne ei­ne be­frem­den­de klang­li­che Schär­fe und zer­stört da­durch das Er­fas­sen des in­ne­ren Ge­hal­tes ei­ner Kom­po­si­ti­on; denn die­se schril­len Dis­so­nan­zen len­ken die Auf­merk­sam­keit des Hö­rers, aber auch selbst die­je­ni­ge des Mu­si­kers von der in­ne­ren Lo­gik der Kom­po­si­tion mit Pe­ne­tranz auf das äu­ße­re Ober­wel­len­ge­fecht.

 
Aneinanderreiben der hohen Obertöne
 
So kämpft je­de Ober­wel­le um den Vor­rang ge­gen­über der Nach­bar­wel­le, was wir als schrill emp­fin­den und als un­an­ge­nehm ver­ur­tei­len.

 
 
Und hier sind wir schon mit­ten in der Zwölf­ton­mu­sik und in der se­riel­len Kom­po­si­ti­ons­tech­nik des 20. Jahr­hun­derts – bei der so­ge­nann­ten Avant­gar­de.

 
Zwölftonmusik und serielle Kompositionstechnik
 
Nicht, daß die gro­ßen Klas­si­ker un­fä­hig ge­we­sen wä­ren, auch in Se­kun­den zu schrei­ben oder Dis­so­nan­zen her­vor­zu­brin­gen.

 
 
Aber sie kann­ten in dem Ge­misch aus äu­ßer­lich-mu­si­ka­li­schem Mak­ro­kos­mos und in­ner­lich-to­na­lem Mi­kro­kos­mos die na­tür­li­chen Gren­zen, wel­che so­lan­ge be­ste­hen, wie der Mi­kro­kos­mos der Mu­sik vom Mu­si­ker nicht be­herrscht wird.

 
 
Die gro­ßen Ton­dich­ter der Klas­sik von Bach bis hin zu Wagner gin­gen des­halb nur bis zu die­ser Gren­ze der Dis­har­mo­nie vor und ge­stal­te­ten so über­wie­gend har­mo­ni­sche Mu­sik.

 
Tonale Orientierung der großen Tondichter der Klassik
 
Die­se Tat­sa­che zeigt, daß sie sich am na­tür­li­chen in­ne­ren Hö­ren ori­en­tier­ten und daß für sie ein Blatt Pa­pier mit No­ten­li­nien nicht ein Zei­chen­brett mu­si­ka­li­scher Kon­struk­tio­nen war.

 
Jenseits musikalischer Konstruktionen am Zeichenbrett
 
Mit voll­stän­di­ger Si­cher­heit ver­zeich­ne­ten die gro­ßen Klas­si­ker, was sie in­ner­lich hör­ten.

 




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