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Johannespassion

PETER HÜBNER
JOHANNES PASSION


Solisten, Chöre
Großes Philharmonisches Orchester
Großes Perkussions-Orchester
Elektronische Instrumente, Orgel

Label: Dissonance in Excellence
Gesamtspielzeit: 66’57”



Für weitere Informationen und wenn Sie
in das Werk hineinhören möchten,
besuchen Sie bitte:


Classical Music Group

JOUR­NA­LIST: Und das Ent­spre­chen­de läßt sich auf die Mu­sik be­zie­hen?

PETER HÜBNER: Ich den­ke schon. In ei­ner Zeit, wo die Zi­ga­ret­te nicht ge­ne­rell ver­bo­ten wird, gibt es si­cher­lich auch kei­nen Sinn, Mu­sik zu ver­bie­ten, wel­che der Ge­sund­heit scha­den kann. Es ist aber doch von den Ver­ant­wort­li­chen zu über­le­gen, in­wie­weit ei­ne sol­che Mu­sik von Kin­dern und Ju­gend­li­chen kon­su­miert wer­den oder in öf­fent­li­chen Räu­men zum Er­klin­gen ge­bracht wer­den darf – zu­min­dest, wenn sich in die­sen Räu­men auch Kin­der und Ju­gend­li­che auf­hal­ten. Und in­so­fern stellt sich dann auch die Fra­ge, in­wie­weit ei­ne Mu­sik, die der Ge­sund­heit scha­den kann, im Bil­dungs­sys­tem ver­wen­det wer­den darf; denn bei der Vor­füh­rung von Mu­sik ge­rät der Hö­ren­de in die Rol­le der Test­per­son, denn hier tritt der As­pekt der Ver­in­ner­li­chung in Kraft.

Da­bei wird al­so dem Kon­su­men­ten mög­li­cher­wei­se ein Scha­den zu­ge­fügt – zu­min­dest dort, wo sein Im­mun­sys­tem schon ge­schwächt ist – was sich ja bei­spiels­wei­se in Hy­per­ak­ti­vi­tät, in Al­ler­gien und in Sucht­an­fäl­lig­keit äu­ßert, in Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, in Ag­gres­si­on und in Angst­ge­füh­len.

Ei­ne Schul­klas­se, die von all die­sen Pro­ble­men nicht be­rührt ist, dürf­te si­cher­lich kaum ge­fähr­det sein, wenn sie ei­nen Kas­ten Bier ver­zehrt und da­bei Mu­sik kon­su­miert, die der Ge­sund­heit scha­den kann. Aber in ei­ner Zeit und Ge­sell­schaft, wo die ge­ra­de ge­nann­ten Pro­ble­me bei jun­gen Men­schen und Leh­rern an der Ta­ges­ord­nung sind, bringt der Kon­sum ei­ner Mu­sik, die der Ge­sund­heit scha­den kann, ganz neue un­be­re­chen­ba­re Ge­fah­ren­zo­nen mit sich.

Die Ein­flüs­se sum­mie­ren sich ja ge­gen­sei­tig. In Kom­bi­na­tion mit Dro­gen bei­spiels­wei­se wirkt sich ei­ne Mu­sik, die der Ge­sund­heit scha­den kann, dann auch sehr viel leich­ter schä­di­gend aus. Wenn man je­des Ri­si­ko ver­mei­den will, dann ver­mei­det man al­les, was den jun­gen Men­schen in ih­rer Ge­sund­heit scha­den kann. Dies ist nicht ei­ne künst­le­ri­sche oder phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, son­dern ei­ne rein me­di­zi­ni­sche.

JOUR­NA­LIST: Hö­ren Sie per­sön­lich al­so nur noch ge­sund­heits­för­dern­de Mu­sik?

PETER HÜBNER: Nein, ich set­ze mich ja auch mit dis­so­nan­ter Mu­sik prak­tisch aus­ein­an­der. Aber ich be­nut­ze mei­ne Me­di­zi­ni­sche Re­so­nanz The­ra­pie Mu­sik als ein ganz na­tür­li­ches Ge­gen­ge­wicht für die Re­ge­ne­rie­rung der Ein­flüs­se der dis­har­mo­ni­schen Mu­sik.

Es er­schie­ne mir tö­richt, woll­te man Streß grund­sätz­lich ver­mei­den. Aber je mehr man sich dem Streß aus­setzt, um so mehr muß man auf der Ge­gen­sei­te tun, um den Streß ab­zu­bau­en. Ei­ne star­ke Ak­ti­vi­tät muß von star­ken Ru­he­pha­sen be­glei­tet sein.

Ge­ra­de auch für die Er­for­schung der Stär­ke bio­lo­gi­scher Sys­te­me ist der Ein­satz von Be­las­tungs­pro­ben üb­lich, und auch hier kann die dis­har­mo­ni­sche Mu­sik viel­leicht ei­ne Rol­le spie­len. Aber das be­trifft Test­an­ord­nun­gen un­ter wis­sen­schaft­li­cher Auf­sicht von Me­di­zi­nern und nicht Tests in Kin­der­gär­ten, Schu­len und öf­fent­li­chen Räu­men.
Auf der wis­sen­schaft­li­chen Sei­te sind sie zu recht­fer­ti­gen, auf der an­de­ren Sei­te – im Fal­le des Ein­sat­zes von dis­har­mo­ni­scher Mu­sik in Kin­der­gär­ten, Schu­len und öf­fent­li­chen Räu­men oder bei den Me­dien – sind sie ge­ra­de­zu als tö­richt zu be­zeich­nen, denn hier ist der Ein­satz un­wis­sen­schaft­lich und me­di­zi­nisch leicht­fer­tig.

Um es noch ein­mal zu be­to­nen, es geht hier nicht um Ge­schmack, um Kul­tur, um Kunst oder Ge­nie, es geht hier um Krank­heit oder Ge­sund­heit. Un­se­re Ge­sell­schaft mißt der Ge­sund­heit ei­nen hö­he­ren Stel­len­wert zu als der Kunst. Des­halb wer­den in der Me­di­zin die Per­so­nen in Aus­bil­dung und Tä­tig­keit un­ver­gleich­lich mehr zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen als in der Kunst.

Wenn auch nach dem Grund­ge­setz die Kunst, die Wis­sen­schaft und die Leh­re glei­cher­ma­ßen als frei gel­ten, so hat doch der Schutz der Ge­sund­heit ei­nen un­ver­gleich­lich hö­he­ren Stel­len­wert als die Be­ach­tung ei­nes Ge­schmacks oder ei­ner äs­the­ti­schen Ein­stel­lung. Aus die­sem Grun­de wird mei­nes Er­ach­tens die mo­der­ne Ge­sell­schaft über kurz oder lang auch die Mu­sik je­nen wich­ti­gen Prin­zi­pien der Ge­sund­er­hal­tung un­ter­ord­nen und sie wie Nah­rungs­mit­tel oder Sucht­mit­tel oder Heil­mit­tel an­se­hen und ein­ord­nen. Und die­se Ein­ord­nung wird sich auf zwei­er­lei Din­ge be­grün­den: auf ob­jek­ti­ve wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se im Be­reich der Me­di­zin und auf fun­dier­te mu­sik­wis­sen­schaft­li­che For­schun­gen.



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