Avant Garde Musik
Fortsetzung 5
Musik & Gesundheit
Die Verantwortung der Gesellschaft
PETER HÜBNER
LUKAS PASSION
Solisten, Chöre
Großes Philharmonisches Orchester
Großes Perkussions-Orchester
Elektronische Instrumente, Orgel
Label: Dissonance in Excellence
Gesamtspielzeit: 6714
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JOURNALIST: In der Zukunft wird also auf CDs ein Hinweis zu finden sein, ob die Musik gesundheitsfördernd, gesundheitlich unbedenklich oder gesundheitsschädlich ist?
PETER HÜBNER: Das ist für mich nur eine Frage der Zeit und der Höhe der demokratischen Entwicklung einer Gesellschaft. Die höher entwickelten Gesellschaften werden hier Vorreiter sein, und die anderen werden ihnen folgen. Keine Gesellschaft will ja zugrundegehen. Und der Kern der Tätigkeit, so etwas zu verhindern, ist zweifellos die Förderung der Gesundheit sowie die Verhinderung gesellschaftlichen Schadens also die Förderung von objektiv wissenschaftlich verifizierbaren medizinischen Heilmethoden und die Verhinderung gesundheitsschädigender Einflüsse wie wir dies ja heute auch schon von der Bekämpfung des Kokainhandels und ähnlichem her kennen.
Ihre ursprüngliche Frage war vorher einmal: warum ich der disharmonischen Musik heute so tolerant gegenüberstehe, obwohl ich mich der harmonischen Musik verschrieben habe. Die Antwort ist, daß ich mir diese Haltung gut leisten kann, weil die Problematik von harmonischer und disharmonischer Musik wie ich ja ausgeführt habe weniger eine musikalische oder künstlerische Frage ist, sondern vorrangig eine medizinische.
Und somit gehört diese Problematik ja erst einmal in den Verantwortungsbereich von Medizin und Gesetzgebung, und sie kann und wird auch nur dort geklärt werden. Ich muß hier als Musikwissenschaftler, Musikschöpfer oder Künstler überhaupt keine engagierte Meinung haben.
Aber genauso sehe ich dies nicht als eine Frage der Produzenten dissonanter Musik, die ja auch gar nicht die Verantwortlichen in den Kindergärten, in den Schulen und in den Medien sind. Sie bieten die disharmonischen musikalischen Produkte ihrer Überzeugung genauso an, wie ich die harmonikalen musikalischen Produkte meiner Überzeugung anbiete, und vom musikwissenschaftlichen und künstlerischen Standpunkt aus können wir uns hier mit musikalischer Achtung begegnen.
Und wenn ihre künstlerischen Produkte auch dreist aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unterricht entfernt werden und meine aus denselben Gründen in den Kindergärten und Schulen Einzug halten, so würde ich mir nicht einbilden wollen, daß ich ein besserer Künstler wäre, ein besserer Komponist oder ein besserer Geschäftsmann. Ich würde die Ursache hierfür nur darin sehen, daß die heutige Zeit leider so viele krankheitsanfällige Menschen hat, so viele gesundheits- und verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche ein Tatbestand, auf den die Gesellschaft natürlich besondere Rücksicht nehmen muß.
© A A R E D I T I O N I N T E R N A T I O N A L 2001