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Musik & Gesundheit –
Medizinische Wertungen


Markuspassion

PETER HÜBNER
MARKUS PASSION


Solisten, Chöre
Großes Philharmonisches Orchester
Großes Perkussions-Orchester
Elektronische Instrumente, Orgel

Label: Dissonance in Excellence
Gesamtspielzeit: 73’56”



Für weitere Informationen und wenn Sie
in das Werk hineinhören möchten,
besuchen Sie bitte:


Classical Music Group

JOURNALIST: In der Zu­kunft wird al­so auf CDs ein Hin­weis zu fin­den sein, ob die Mu­sik ge­sund­heits­för­dernd, ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich oder ge­sund­heitsschäd­lich ist?

PETER HÜBNER: Das ist für mich nur ei­ne Fra­ge der Zeit und der Hö­he der de­mo­kra­ti­schen Ent­wick­lung ei­ner Ge­sell­schaft. Die hö­her ent­wi­ckel­ten Ge­sell­schaf­ten wer­den hier Vor­rei­ter sein, und die an­de­ren wer­den ih­nen fol­gen. Kei­ne Ge­sell­schaft will ja zu­grun­dege­hen. Und der Kern der Tä­tig­keit, so et­was zu ver­hin­dern, ist zwei­fel­los die För­de­rung der Ge­sund­heit so­wie die Ver­hin­de­rung ge­sell­schaft­li­chen Scha­dens – al­so die För­de­rung von ob­jek­tiv wis­sen­schaft­lich ve­ri­fi­zier­ba­ren me­di­zi­ni­schen Heil­me­tho­den und die Ver­hin­de­rung ge­sund­heits­schä­di­gen­der Ein­flüs­se – wie wir dies ja heu­te auch schon von der Be­kämp­fung des Ko­kain­han­dels und ähn­li­chem her ken­nen.

Ih­re ur­sprüng­li­che Fra­ge war vor­her ein­mal: war­um ich der dis­har­mo­ni­schen Mu­sik heu­te so to­le­rant ge­gen­über­ste­he, ob­wohl ich mich der har­mo­ni­schen Mu­sik ver­schrie­ben ha­be. Die Ant­wort ist, daß ich mir die­se Hal­tung gut leis­ten kann, weil die Pro­ble­ma­tik von har­mo­ni­scher und dis­har­mo­ni­scher Mu­sik – wie ich ja aus­ge­führt ha­be – we­ni­ger ei­ne mu­si­ka­li­sche oder künst­le­ri­sche Fra­ge ist, son­dern vor­ran­gig ei­ne me­di­zi­ni­sche. Und so­mit ge­hört die­se Pro­ble­ma­tik ja erst ein­mal in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich von Me­di­zin und Ge­setz­ge­bung, und sie kann und wird auch nur dort ge­klärt wer­den. Ich muß hier als Mu­sik­wis­sen­schaft­ler, Mu­sik­schöp­fer oder Künst­ler über­haupt kei­ne en­ga­gier­te Mei­nung ha­ben.

Aber ge­nau­so se­he ich dies nicht als ei­ne Fra­ge der Pro­du­zen­ten dis­so­nan­ter Mu­sik, die ja auch gar nicht die Ver­ant­wort­li­chen in den Kin­der­gär­ten, in den Schu­len und in den Me­dien sind. Sie bie­ten die dis­har­mo­ni­schen mu­si­ka­li­schen Pro­duk­te ih­rer Über­zeu­gung ge­nau­so an, wie ich die har­mo­ni­ka­len mu­si­ka­li­schen Pro­duk­te mei­ner Über­zeu­gung an­bie­te, und vom mu­sik­wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Stand­punkt aus kön­nen wir uns hier mit mu­si­ka­li­scher Ach­tung be­geg­nen.

Und wenn ih­re künst­le­ri­schen Pro­duk­te auch dreist aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den aus dem Un­ter­richt ent­fernt wer­den und mei­ne aus den­sel­ben Grün­den in den Kin­der­gär­ten und Schu­len Ein­zug hal­ten, so wür­de ich mir nicht ein­bil­den wol­len, daß ich ein bes­se­rer Künst­ler wä­re, ein bes­se­rer Kom­po­nist oder ein bes­se­rer Ge­schäfts­mann.

Ich wür­de die Ur­sa­che hier­für nur dar­in se­hen, daß die heu­ti­ge Zeit lei­der so vie­le krank­heits­an­fäl­li­ge Men­schen hat, so vie­le ge­sund­heits- und ver­hal­tens­ge­stör­te Kin­der und Ju­gend­li­che – ein Tat­be­stand, auf den die Ge­sell­schaft na­tür­lich be­son­de­re Rück­sicht neh­men muß.

Aber wenn es uns ge­lingt, die Ge­sund­heit in un­se­rer Ge­sell­schaft so zu stär­ken, daß al­le Kin­der und Ju­gend­li­chen ge­sund sind, dann wird mög­li­cher­wei­se die Not­wen­dig­keit für den Ein­satz har­mo­ni­ka­ler Mu­sik vor­bei sein, und es wird wie­der mehr Raum ent­ste­hen für die im po­si­ti­ven Sin­ne in­te­res­san­ten Streß­at­ta­cken dis­so­nan­ter Mu­sik – als ei­ne Art po­si­ti­ver Be­las­tungs­pro­ben für das Im­mun­sys­tem.

Man kann sa­gen, ich ge­he heu­te mit dem ge­sund­heit­li­chen Trend un­se­rer Zeit, mit dem all­ge­mei­nen Be­dürf­nis nach in­di­vi­du­el­ler, so­zia­ler und öko­lo­gi­scher Har­mo­nie – wäh­rend mei­ne Kol­le­gen, die sich der dis­so­nan­ten Mu­sik ver­schrie­ben ha­ben, sehr in­te­res­san­te We­ge neu­er mu­si­ka­li­scher Kon­zep­te und Ent­wick­lun­gen ver­fol­gen, für die ich sehr viel Sinn ha­be und an de­nen ich als Künst­ler auch stär­ker teil­neh­me, als dies sich so man­cher von ih­nen träu­men läßt.

Ich kom­me ja auch von dort und galt ei­ni­ge Zeit als ein Ex­per­te auf die­sem Ge­biet. Ich ver­ur­tei­le die­se Ent­wick­lun­gen auch nicht, son­dern ich ge­he auch ih­nen wei­ter­hin künst­le­risch nach – wo­bei ich mich dann al­ler­dings auch sehr be­wußt und ge­zielt zwecks Streß­be­kämp­fung mei­ner Me­di­zi­ni­schen Re­so­nanz The­ra­pie Mu­sik® aus­set­zen muß.

Aber es läge mir fern, heu­te per­sön­lich die Öf­fent­lich­keit und in ihr Kin­der, Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne mit mu­sik­wis­sen­schaft­lich in­te­res­san­ten Er­güs­sen ver­schie­dens­ter As­pek­te der Dis­har­mo­nie zu über­flu­ten – in ei­ner Zeit, wo die Men­schen aus rein me­di­zi­ni­schen Grün­den des Ge­gen­teils be­dür­fen.
So ha­be ich wohl mei­ne Pri­vats­phä­re mit mei­nen mu­sik­wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen und Ent­wick­lun­gen, aber gleich­zei­tig ein kla­res Aus­wahl­ver­fah­ren für das, was ich der Öf­fent­lich­keit zu­mu­ten kann.

Ich to­le­rie­re je­den, der hier ei­ne an­de­re Mei­nung hat oder auch ei­ne ge­gen­tei­li­ge Mei­nung, und ich bin froh, daß ich mir die­se To­le­ranz leis­ten kann, denn die ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung hier­für liegt al­lein in den Hän­den der me­di­zi­ni­schen Fach­welt und in der Ge­setz­ge­bung so­wie der El­tern, die ja über ih­re ge­wähl­ten Ver­tre­ter auf die Ge­setz­ge­bung ein­wir­ken kön­nen.



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