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Die Zukunft der Musik


Modern Times Symphony No. 1 - 2nd Movement

Peter HÜBNER
Modern Times Symphony

2. Satz


Archaische Solisten
Großes Philharmonisches Orchester
Großes Perkussions-Orchester
Archaische & Elektronische Instrumente

Label: Dissonance in Excellence
Gesamtspielzeit: 55’05”




Für weitere Informationen und wenn Sie
in das Werk hineinhören möchten,
besuchen Sie bitte:


Classical Music Group

JOURNALIST: Wie se­hen Sie die Zu­kunft der Mu­sik?

PETER HÜBNER: An ers­ter Stel­le bin ich na­tür­lich für die Frei­heit des Künst­lers und für die Frei­heit der Kunst. Aber ich fürch­te, hier kom­men ein­schnei­den­de Ver­än­de­run­gen auf uns zu.

Ich rech­ne erst ein­mal mit ei­ner gan­zen Rei­he von ge­richt­li­chen Pro­zes­sen, wel­che ver­schie­dens­te Scha­dens­er­satz­an­sprü­che be­trä­fen für Schä­den im Be­reich der Ge­sund­heit. Mei­nes Er­ach­tens kön­nen heu­te sehr vie­le Mu­si­ker bzw. ih­re An­ge­hö­ri­gen sol­che Pro­zes­se mit Er­folg füh­ren.

Die­se Pro­zes­se wür­den sich wohl über­wie­gend ge­gen den Staat rich­ten. Der Mu­si­ker hat ja in­ner­halb die­ses Or­ches­ter-Auf­füh­rungs­ap­pa­ra­tes kei­ner­lei ei­ge­ne Rech­te und Mög­lich­kei­ten, sei­ne Ge­sund­heit ab­zu­si­chern oder Scha­den an sei­ner Ge­sund­heit zu ver­hin­dern. Die Ver­ant­wor­tung läßt sich voll­stän­dig auf den Dienst­herrn ab­wäl­zen.

Das Ent­spre­chen­de se­he ich bei den Stu­den­ten bzw. Schü­lern der Mu­sik­hoch­schu­len und der Schu­len – wo auch bei­de kei­nen Ein­fluß auf den Lehr­plan ha­ben und so­mit in der Rol­le der ohn­mäch­ti­gen Op­fer ste­hen.
Auch hier se­he ich über die El­tern er­folg­rei­che Scha­den­er­satz­kla­gen auf die ver­ant­wort­li­chen staat­li­chen Or­ga­ne zu­kom­men.

Auf die Me­dien und Kon­zert­ver­an­stal­ter mö­gen zwar auch sol­che Kla­gen zu­kom­men, aber ich glau­be hier we­ni­ger an den Er­folg der Klä­ger und der Ge­schä­dig­ten, denn nie­mand ist ver­pflich­tet, Ra­dio oder Fern­se­hen zu kon­su­mie­ren oder ins Kon­zert zu ge­hen.

Aber auch in den Fäl­len, wo gan­ze Schul­klas­sen im Lehr­auf­trag der Schu­le ins Kon­zert ge­schickt wer­den oder sich ge­schlos­sen ir­gend­wel­che Sen­dun­gen an­hö­ren und an­se­hen müs­sen, liegt die al­lei­ni­ge Ver­ant­wor­tung bei den Schu­len bzw. bei de­ren vor­ge­setz­ten Be­hör­den.

Es gibt ja gu­te Grün­de, war­um in den Schu­len nicht Dro­gen ver­kauft wer­den dür­fen oder kein Al­ko­hol aus­ge­schenkt wer­den darf. Die glei­chen Grün­de gel­ten auch für die Mu­sik – nur daß dies den Ver­ant­wort­li­chen noch nicht aus­rei­chend klar­ge­wor­den ist.

Aber in dem Ma­ße, wie die ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­me bei den Schü­lern und Ju­gend­li­chen sich wei­ter stei­gern wer­den, wird auch die Mu­sik als ei­ne sehr wich­ti­ge Kom­po­nen­te ei­nes ge­sund­heit­li­chen Nut­zens oder ei­ner ge­sund­heit­li­chen Schä­di­gung lo­ka­li­siert wer­den. Und die Bür­ger wer­den über ih­re ge­wähl­ten Ver­tre­ter bzw. po­li­ti­schen Par­tei­en und so­mit über die Ge­setz­ge­ber und Ver­ant­wort­li­chen hier ge­nau­so die ent­spre­chen­den Rie­gel vor­schie­ben oder Tü­ren öff­nen, wie dies bis­her mit Dro­gen und Schutz­imp­fun­gen ge­schieht.

Imp­fun­gen zu­guns­ten der Ge­sund­heit fin­den ja un­ter der Schirm­herr­schaft der Schul­be­hör­den statt, weil sie der Ge­sund­heit dien­lich sind. Aber der Kon­sum von Ko­kain durch Schü­ler wird von den­sel­ben Ver­ant­wort­li­chen ver­hin­dert. Milch­ge­trän­ke, etc. wer­den an die Schü­ler aus­ge­schenkt, aber der Aus­schank von Al­ko­hol ist an den Schu­len ver­bo­ten.
Mit dem Ent­spre­chen­den wer­den wir in Zu­kunft auch auf dem Ge­biet der Mu­sik rech­nen müs­sen – ob es den da­von be­trof­fe­nen Mu­si­kern bzw. Mu­sik­bran­chen paßt oder nicht. Dies liegt ein­fach nur da­ran, daß in der mo­der­nen Ge­sell­schaft der As­pekt der Ge­sund­heit über den­je­ni­gen der Kunst do­mi­niert – zu­min­dest spä­tes­tens dann, wenn die Kunst die Ge­sund­heit ge­fähr­det oder gar schä­digt.

Ich bin üb­ri­gens der Mei­nung – und wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen be­stä­ti­gen dies – daß die Mu­sik im po­si­ti­ven wie im ne­ga­ti­ven Sin­ne ei­nen we­sent­lich stär­ke­ren Ein­fluß auf die Ge­sund­heit aus­übt als die vor­her ge­nann­ten an­de­ren Mit­tel, die man es­sen oder trin­ken kann, und daß die Mu­sik auf der an­de­ren Sei­te den Men­schen aus­bil­den und in­spi­rie­ren kann, sich selbst auf na­tür­li­che Wei­se ge­sund und fit zu er­hal­ten – daß sie ihn aber an­de­rer­seits auch ge­ra­de­wegs der Dro­ge und dem Al­ko­hol aus­zu­lie­fern ver­mag. Man kann Mu­sik in­so­fern als die bes­te Pub­lic Re­la­ti­ons Ab­tei­lung für Al­ko­hol und Dro­gen an­se­hen.

Nach den bis­he­ri­gen Un­ter­su­chun­gen möch­te ich so­gar so­weit ge­hen, zu sa­gen: so­lan­ge die ge­setz­li­chen Re­geln zum Schut­ze der Ge­sund­heit nicht auch in be­zug auf Mu­sik ge­trof­fen wer­den, so­lan­ge ist es ge­ra­de­zu tö­richt, Dro­gen- und Al­ko­hol­miß­brauch bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen be­kämp­fen zu wol­len – oder auch Al­ler­gien, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, Hy­per­ak­ti­vi­tät und Ag­gres­si­vi­tät. Ich bin heil­froh, daß ich hier kei­ne per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung tra­ge, denn ich bin nicht Be­am­ter und ich bin auch nicht Ab­ge­ord­ne­ter. Und ich bin auch nicht als Ver­ant­wort­li­cher in die Gre­mien oder Auf­sichts­rä­te der Me­dien ge­wählt, und ich möch­te nicht in der Haut de­rer ste­cken, die die­se Pos­ten in­ne­ha­ben und ih­rer Ver­ant­wor­tung nicht ge­recht wer­den.



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