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Avant Garde Musik
Fortsetzung 17

Warum Micro Music Laboratories?

Peter Hübner

JOURNALIST: War­um spie­len Sie Ih­re Mu­sik in den Mic­ro­Mu­sic­La­bo­ra­to­ries mit mo­der­nen di­gi­ta­len Tech­no­lo­gien ein und nicht mit ei­nem kon­ven­tio­nel­len Or­ches­ter?

PETER HÜBNER: Vor ei­ni­gen Jah­ren hat­te ein rus­si­scher Di­ri­gent – noch zur Zeit der Exis­tenz der Sow­jet­uni­on – mei­ne Son­nen-Sin­fo­nie ein­stu­diert. Ob­wohl er der mu­si­ka­li­sche Lei­ter ei­nes gro­ßen Opern­hau­ses war so­wie der Lei­ter ei­nes gro­ßen phil­har­mo­ni­schen Or­ches­ters und Cho­res, hat­te er hier­für aus wei­ten Tei­len des Lan­des wie aus sei­nen bei­den Or­ches­tern die bes­ten Mu­si­ker und Sän­ger für die Auf­füh­rung die­ser Sin­fo­nie zu­sam­men­ge­sucht. Auch gab es un­ter den Mu­si­kern ei­ni­ge Preis­trä­ger.

Sie al­le hat­ten über 4 Mo­na­te an der Sym­pho­nie geprobt, und ich war dar­auf vor­be­rei­tet, mit ei­nem Team von Tech­ni­kern in die Sow­jet­uni­on zu rei­sen, um das Werk auf­zu­neh­men.

Der Ter­min stand fest, die Flü­ge wa­ren gebucht, al­les war be­reit, aber an dem Mor­gen, als wir ab­flie­gen woll­ten, wur­de der da­ma­li­ge Prä­si­dent der Sow­jet­uni­on, Gorbatschow, in ei­nem Staats­streich ge­fan­gen ge­nom­men, und uns wur­de nach An­fra­ge vom Aus­wär­ti­gen Amt ge­ra­ten, die Rei­se aus Si­cher­heits­grün­den erst ein­mal nicht an­zu­tre­ten – was wir dann auch ta­ten.

Nach­dem sich die po­li­ti­sche Sze­ne in der Sow­jet­uni­on wie­der et­was be­ru­higt hat­te, Gorbatschow zu­rück an der Macht war und wie­der „nor­ma­le“ Ver­hält­nis­se ein­ge­tre­ten wa­ren, lud ich das Or­ches­ter, den Chor und den Di­ri­gen­ten zu uns in die Mic­ro­Mu­sic­La­bo­ra­to­ries ein, um hier die Sym­pho­nie ein­zu­spie­len. Wir ver­fü­gen glück­li­cher­wei­se über die Räum­lich­kei­ten für ei­ne sol­che Un­ter­neh­mung und na­tür­lich auch über die not­wen­di­ge Tech­nik, und so schien al­les erst ein­mal ganz ein­fach zu sein.

Gleich­zei­tig hat­te ich noch den Di­rek­tor der dor­ti­gen gro­ßen Mu­sik­hoch­schu­le, der selbst ein her­vor­ra­gen­der Or­ga­nist ist, und sei­nen Vi­ze­di­rek­tor ein­ge­la­den. Eini­ge Mu­si­ker und Chor­mit­glie­der, die bei der Ein­spie­lung mit­wirk­ten, ge­hör­ten als Pro­fes­so­ren zum Lehr­stab der Hoch­schu­le.

Aber es stell­te sich her­aus, daß es den Mu­si­kern und dem Di­ri­gen­ten wie auch den Sän­gern und dem Chor nicht so ohne wei­te­res mög­lich war, die Son­nen-Sin­fo­nie in har­mo­ni­ka­ler Wei­se zu spie­len.
Es lag nicht da­ran, daß es sich hier et­wa nicht um her­vor­ra­gen­de Mu­si­ker ge­han­delt hät­te, son­dern es stell­te sich her­aus, daß das Ein­spie­len har­mo­ni­kal struk­tu­rier­ter Mu­sik ei­ner ganz an­ders ge­ar­te­ten Mu­sik- und In­stru­men­ten­aus­bil­dung be­darf, als wir sie heu­te über­all in der Welt im Be­reich der klas­si­schen Mu­sik vor­fin­den.

Wenn wir des­halb die Ein­spie­lung der Son­nen-Sin­fo­nie mit die­sem im kon­ven­tio­nel­len Sin­ne ganz her­vor­ra­gen­den Or­ches­ter und dem ent­spre­chend aus­ge­zeich­ne­ten Chor und den im üb­li­chen Sin­ne über­ra­gen­den So­lis­ten schließ­lich auch nicht durch­führ­ten, so wur­den wir uns in je­ner Zeit – wir leb­ten al­le zu­sam­men un­ter ei­nem Dach, aßen und tran­ken zu­sam­men, hat­ten Schwimm­bad, Sau­na und vie­le an­de­re An­nehm­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung – doch in recht ein­dring­li­cher Wei­se über die Un­zu­läng­lich­kei­ten klar, die die ge­gen­wär­ti­ge klas­si­sche Mu­sik­aus­bil­dung zwangs­läu­fig mit sich bringt.
Und wir be­schlos­sen spon­tan, ei­ne in­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­tion zu grün­den, die den Mu­si­ker im Spie­len na­tür­lich struk­tu­rier­ter Mu­sik aus­bil­den kann.

So grün­de­ten wir nach et­wa 3 Mo­na­ten eif­ri­ger Pro­ben und Über­le­gun­gen die „In­ter­na­tio­na­le Phil­har­mo­nie für na­tür­li­ches Le­ben und tra­ten al­le­samt als die ers­ten Mit­glie­der ein – der Di­rek­tor der Mu­sik­hoch­schu­le ge­nau­so wie die Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren und die Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker, die Sän­ge­rin­nen und Sän­ger und die Mit­glie­der un­se­rer Mic­ro­Mu­sic­La­bo­ra­to­ries.

In die­ser Zeit hat­ten al­le die­se Gäs­te auch Ge­le­gen­heit, die Mög­lich­kei­ten un­se­rer Mic­ro Mu­sic La­bo­ra­to­ries ken­nen­zu­ler­nen und fest­zu­stel­len, in­wie­weit die kon­ven­tio­nel­le In­stru­men­ten­be­herr­schung hin­ter den Mög­lich­kei­ten die­ser di­gi­ta­len Tech­no­lo­gien her­hinkt.



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