AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 2
 
Tonalität


 
 
To­na­li­tät ist das Ord­nungs­sys­tem der Tö­ne, ist die­je­ni­ge cha­rak­te­ris­ti­sche Ord­nung der Tö­ne, in der ein Mo­tiv sich zur Me­lo­die hin ent­fal­tet. Da­bei gibt es To­na­li­täts­ord­nun­gen ganz un­ter­schied­li­cher Grö­ße.

 
Das Ordnungssystem der Töne
 
Die Mu­sik­ge­schich­te der Völ­ker kennt ganz ver­schie­de­ne To­na­li­tä­ten, wel­che man heu­te noch irr­tüm­lich als Ton­lei­tern hin­stellt, sie aber den­noch mit „To­na­li­tät“ be­zeich­net.

 
Tonalitäten der Völker
 
To­na­li­tät ist ur­sprüng­lich die Ver­kör­pe­rung ei­nes Prin­zips in­ner­to­na­ler Ge­stal­tung des mu­si­ka­li­schen Ton­raums.
In­dem sich das Mo­tiv in ganz un­ter­schied­lich struk­tu­rier­ten mu­si­ka­li­schen Ge­stal­tungs­räu­men zu ganz ver­schie­de­nen Me­lo­dien ent­fal­tet, be­hält je­de Me­lo­die die von ihr zu­grun­de­ge­leg­te To­na­li­tät als ih­ren ur­ei­ge­nen Le­bens­raum, und die­se ver­leiht der Me­lo­die bei ih­rer schöp­fe­ri­schen Ent­fal­tung in­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit.

 
Die Lebensatmosphäre der Melodie
 
Der Ur­sprung der To­na­li­tät liegt in der Me­lo­dik, so wie der Ur­sprung der Me­lo­dik in der To­na­li­tät liegt, und die Wir­kung der To­na­li­tät strahlt in die Welt des mu­si­ka­li­schen Ton­raums und schafft des­sen „At­mos­phä­re“.

 
Der Ursprung der Tonalität
 
Die To­na­li­tät of­fen­bart sich in der künst­le­risch be­herrsch­ten Ober­wel­len­me­cha­nik des Tons – im le­ben­di­gen si­che­ren Ge­brauch je­ner na­tür­li­chen phy­si­ka­li­schen in­ne­ren Struk­tur des Tons, wel­che durch das heutzeit­ge­mä­ße fal­sche Par­ti­tur­le­sen völ­lig in Ver­ges­sen­heit ge­riet.

 
Die künstlerische Gestaltung der Tonalität
 
Das Ober­wel­len­spek­trum läßt sich auf ganz un­ter­schied­li­che Wei­se er­zeu­gen und erhö­ren und ruft je nach der Ord­nung der ge­hör­ten Ober­tö­ne, je nach ih­rer To­na­li­tät, auch ganz ver­schie­de­ne Emp­fin­dun­gen und geis­ti­ge Ein­drü­cke, ganz un­ter­schied­li­che Stim­mun­gen bei uns Hö­rern her­vor.

 
Empfindungen, geistige Eindrücke und Stimmungen durch Tonalitäten
 
Da ein Ober­wel­len­spek­trum sei­ner na­tür­li­chen An­la­ge ge­mäß ei­ne un­end­li­che Viel­zahl ver­schie­de­ner Ein­zel­tö­ne ent­hält, die als ein­zel­ne Ober­wel­len auf­leuch­ten, so er­gibt sich aus de­ren un­ter­schied­li­chen Kom­bi­na­tio­nen ei­ne un­end­li­che Viel­falt mu­si­ka­li­scher Ton­raum­ord­nun­gen – ei­ne un­end­li­che Viel­falt von To­na­li­tä­ten.

 
 
Das be­wuß­te Wahr­neh­men der Ober­wel­len in un­se­rem in­ne­ren Ge­hör ist von der Fein­heit un­se­rer Ge­hörs­emp­fin­dung ab­hän­gig, und je wei­ter die Ober­wel­len vom Grund­ton ent­fernt sind, um so fei­ner sind sie in ih­rer ei­ge­nen Struk­tur – um so lei­ser klin­gen sie und um so schwe­rer sind sie des­halb hör­bar; auch um so dich­ter lie­gen sie bei­ein­an­der und um so schwie­ri­ger sind sie des­halb von­ein­an­der zu un­ter­schei­den.

 
 
So kommt der in­ner­lich Hö­ren­de ir­gend­wo an ei­ne Gren­ze, an wel­cher er zwei be­nach­bar­te Ober­wel­len in ih­ren Ton­hö­hen nicht mehr von­ein­an­der un­ter­schei­den kann und wo sein geis­ti­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen, sein in­tel­lek­tu­el­les Un­ter­schei­dungs­ver­mö­gen – an­ge­wandt auf den Ton – nicht mehr wei­ter leis­tungs­fä­hig ist und wo er al­le noch fei­ner dif­fe­ren­zier­ten Ober­wel­len al­len­falls als ein Ge­räusch­er­eig­nis wahr­nimmt.

 
Die Grenzen des Erkennens der Tonalität
 
Wird das geis­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen sys­te­ma­tisch ge­schult, so dringt der Mu­si­ker be­zie­hungs­wei­se der Hö­rer in sei­nem in­ne­ren Ohr im­mer tie­fer in die na­tur­ge­ge­be­ne Welt der mu­si­ka­li­schen Ton­räu­me ein – und er hört und er­kennt ge­mäß sei­nem ver­fei­ner­ten Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen auf der Ebe­ne sei­nes Ge­fühls in den tie­fen Wel­ten der Mu­sik die ver­schie­de­nen To­na­li­tä­ten: je­ne viel­fäl­ti­gen „Pla­ne­ten­bah­nen des mu­si­ka­li­schen Ton­raums“.

 
Schulung des geis­ti­gen Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gens