AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 3
 
Verschiedenheiten der Erkenntnis
im Spiegel der Sprache


 
 
Die Völ­ker ken­nen so man­che Le­bens­ge­wohn­hei­ten und Le­bens­er­fah­run­gen an­de­rer Völ­ker nicht und drü­cken des­halb in ih­rer Spra­che – in ih­ren Mit­tei­lun­gen – auch nur ih­re ei­ge­nen Le­bens­ge­wohn­hei­ten und Le­bens­er­fah­run­gen aus.

 
Lebensgewohn heiten und Lebenserfahrungen der Völker
 
So kennt der Ur­ein­woh­ner im au­stra­li­schen Busch nicht die abend­li­chen Groß­stadt­lich­ter. Da­für aber er­schließt sich ihm die Viel­falt des Ge­san­ges im nächt­li­chen Dschun­gel, und so wie der Groß­stadt­mensch in sei­ner Spra­che den All­tag sei­ner Stadt wie selbst­ver­ständ­lich aus­drückt, so drückt auf ganz na­tür­li­che Wei­se der im Busch Le­ben­de die viel­fäl­ti­ge Welt des Dschun­gels aus.

 
Die Welten der Völker
 
Auf fei­ne­ren Ebe­nen, in ei­nem fei­ne­ren Le­bens­be­reich, ken­nen wir in un­se­rem Kul­tur­raum zum Bei­spiel in Deutsch­land das Phä­no­men der Ge­müt­lich­keit, et­wa des ge­müt­li­chen Bei­sam­men­seins am Ka­min: es herrscht ei­ne ge­wis­se Stil­le, nur un­ter­bro­chen durch das lei­se Kna­cken des Hol­zes im Feu­er, und es ent­steht ei­ne geis­tig-see­li­sche Ver­traut­heit der Mit­glie­der am Feu­er.

 
Der unterschiedliche Gebrauch der inneren Menschenkräfte
 
Die Er­fah­rung ei­nes sol­chen von der Stil­le ge­präg­ten Ge­mein­schafts­be­wußt­seins kön­nen wir in un­se­rer Spra­che in un­se­rem Kul­tur­be­reich be­griff­lich mit­tei­len, und wir fin­den bei den An­ge­hö­ri­gen un­se­rer Hei­mat ein na­tür­li­ches Ver­ständ­nis und in­ne­res Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in die­se vom Ge­müt be­herrsch­te Si­tu­a­ti­on.

 
Kulturraum und Sprache
 
Na­tür­lich ist es nicht die äu­ße­re Sze­ne des Ka­min­feu­ers, die den uns ver­trau­ten Ein­druck des Ge­müt­li­chen er­faßt, son­dern ei­ne vie­le Jahr­hun­der­te al­te Kul­tur des Ge­mein­schafts­sinns.

 
 
Wir wis­sen, daß bei­spiels­wei­se ein Ame­ri­ka­ner dem Be­griff „Ge­müt­lich­keit“ fast ver­ständ­nis­los ge­gen­über­steht.

 
 
Uns da­ge­gen be­frem­det die Sze­ne sei­ner per­fek­ten Cock­tail­par­ty.

 
 
Rein äu­ßer­lich er­ken­nen wir die­ses Aus­ein­an­der­klaf­fen von Er­fah­run­gen un­ter­schied­li­cher Kul­tur­räu­me schon da­ran, daß die ent­spre­chen­den – mit ei­nem je­wei­li­gen Le­bens­ge­fühl ver­knüpf­ten – Wor­te von der ei­nen Spra­che un­ver­än­dert in die an­de­re Spra­che über­nom­men wer­den.

 
Auseinanderklaffen der Erfahrungen unterschiedlicher Kulturräume
 
So be­nutzt der Ame­ri­ka­ner mit ge­rin­gem Er­folg in sei­nem Lan­de un­ser Wort „ge­müt­lich“, und wir ge­brau­chen in un­se­rem Lan­de mit eben­so ge­rin­gem Er­folg den ame­ri­ka­ni­schen Be­griff der „Cock­tail­par­ty“.

 
 
Die Auf­ga­be der To­na­li­tät liegt in der Be­schrei­bung un­ter­schied­li­cher Le­bens­at­mos­phä­ren.

 
Aufgabe der Tonalität
 
Wie sich für uns per­sön­lich die ver­schie­de­nen Le­bens­räu­me der Mensch­heit sehr we­sent­lich und ganz le­ben­dig von­ein­an­der un­ter­schei­den, so un­ter­schei­den sich die To­na­li­tä­ten von­ein­an­der.

 
 
Und wie der Mensch in un­ter­schied­li­chen Le­bens­räu­men na­tür­li­cher­wei­se ganz ver­schie­de­ne von­ein­an­der ab­weich­en­de Le­bens­we­ge be­schrei­tet, so ent­fal­tet sich in un­ter­schied­li­chen To­na­li­tä­ten das Mo­tiv ganz ver­schie­den und be­schreibt die­se un­ter­schied­li­chen Ent­fal­tungs­we­ge in ganz un­ter­schied­li­chen Me­lo­dien.

 
Beschreibung unterschiedlicher Lebensatmosphären