AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 4
 
Anfänge der Musikgeschichte


 
 
In den An­fän­gen un­se­rer be­kann­ten Mu­sik­ge­schich­te wur­de ein­stim­mig ge­sun­gen und ge­spielt.
Dann ging mit dem Ver­lust des geis­ti­gen Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gens in­ner­halb des Tons der Mi­kro­kos­mos der Mu­sik ver­lo­ren.
Was üb­rig­blieb, war der un­dif­fe­ren­zier­te, in­dif­fe­ren­te Ton.

 
Verlust des Mikrokosmos der Musik
 
So­dann ver­such­te man, auf die­sen ei­nen Ton im Mak­ro­kos­mos der Mu­sik die Tö­ne des Ober­wel­len­spek­trums als wei­te­re, äu­ße­re Be­gleit­tö­ne nach­ein­an­der auf­zu­bau­en, und die­ser künst­li­che Auf­bau be­ein­fluß­te als der un­be­wuß­te äu­ße­re Er­satz für den in­ne­ren Ver­lust des Tons die ge­sam­te mu­sik­ge­schicht­li­che Ent­wick­lung, so­weit wir sie ken­nen.

 
Schaffung des Makrokosmos der Musik
 
His­to­risch über­bli­cken wir des­halb in den letz­ten Jahr­tau­sen­den fol­gen­de to­na­le Ent­wick­lung: Mit dem An­wach­sen ei­nes äu­ße­ren Dif­fer­en­zie­rungs­be­dürf­nisses im Mak­ro­kos­mos der Mu­sik streb­te man von der Ein­stim­mig­keit aus­ge­hend die Mehr­stim­mig­keit an.

 
Tonale Entwicklung der letzten Jahrtausende
 
Des­halb er­wei­ter­te man die „Ein­tö­nig­keit“ erst ein­mal zur „Zwei­tö­nig­keit“, und bei die­sem an­geb­li­chen Fort­schritt bau­te man in ei­ner lan­gen Ent­wick­lung – in Er­man­ge­lung der in­ne­ren Struk­tur­ge­stal­tung des na­tur­ge­ge­be­nen Ober­wel­len­spek­trums – als Er­satz äu­ße­re Mehr­stim­mig­keit auf.

 
 
So sang und mu­si­zier­te man zu­nächst zwei­stim­mig in der Ok­ta­ve. Die Ok­ta­ve ist der Ab­stand vom Grund­ton zum ers­ten Ober­ton.
Hier läßt sich beim Sin­gen und Spie­len in den Ok­ta­ven auf ein dif­fe­ren­zie­ren­des Hör­ver­mö­gen zwi­schen dem Grund­ton und dem ers­ten Ober­ton schlie­ßen. Nach Pythagoras steht die Ok­ta­ve im Ver­hält­nis 1:2.

 
Die Oktave
 
Spä­ter – ver­bun­den mit gro­ßen Auf­re­gungen in der Mu­sik­fach­welt – sang und spiel­te man ganz „zeit­ge­mäß“ mo­dern in Quint­pa­ral­le­len. Die Quin­te ist der Ab­stand vom ers­ten zum zwei­ten Ober­ton.

 
Quintparallelen
 
Hier läßt sich beim Sin­gen und Spie­len in Quin­ten auf ein dif­fe­ren­zie­ren­des Hör­ver­mö­gen zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Ober­ton schlie­ßen. Die Quin­te steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 2:3.

 
 
So­dann sang und spiel­te man ganz „zeit­ge­mäß mo­dern“ im Ab­stand der Quar­te, dem Ab­stand zwi­schen zwei­tem und drit­tem Ober­ton.

 
Von der Quarte bis zur kleinen Terz
 
Hier läßt sich bei den in Quar­ten Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem zwei­ten und drit­ten Ober­ton schlie­ßen. Die Quar­te steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 3:4.

 
 
Viel spä­ter – und ver­bun­den mit gro­ßen Re­vol­ten in der Mu­sik­fach­welt – mu­si­zier­te man im Ab­stand der gro­ßen Terz, dem Ab­stand vom drit­ten zum vier­ten Ober­ton.

 
 
Hier läßt sich bei den in Ter­zen Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem drit­ten und vier­ten Ober­ton schlie­ßen. Die gro­ße Terz steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 4:5.

 
 
Da­nach mu­si­zier­te man im Ab­stand der klei­nen Terz, dem Ab­stand des vier­ten und fünf­ten be­zie­hungs­wei­se des fünf­ten und sechs­ten Ober­tons.

 
 
Hier läßt sich bei den in klei­nen Ter­zen Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem vier­ten und fünf­ten Ober­ton (und dem 6. Ober­ton) schlie­ßen. Die klei­ne Terz steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 5:6 be­zie­hungs­wei­se 6:7.

 
 
Et­wa zu Bachs Zei­ten wur­den die Ter­zen fest eta­bliert, und bis in die Spät­zeit der Ro­man­tik wa­ren sie die be­vor­zug­ten In­ter­val­le.

 
Die Intervalldominanzen zwischen Klassik und Romantik
 
Nur der Tat­sa­che, daß Ok­ta­ve, Quin­te und Quar­te als do­mi­nie­ren­de In­ter­val­le in der Na­tur­ton­rei­he der Blech­blas­in­stru­men­te auf die­sen so leicht und na­tür­lich zu spie­len sind, ist es zu ver­dan­ken, daß uns auch die­se gro­ßen In­ter­val­le über die Beet­ho­ven­sche Mu­sik bis hin zur Mu­sik Wagners so le­ben­dig er­hal­ten blie­ben.