AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 20
 
Analyse des
musikalischen Schaffensprozesses


 
 
Der Vor­gang des Den­kens läßt sich durch­aus mit dem Wachs­tum ei­nes Bau­mes ver­glei­chen.

 
Der konzentrierte Fluß der Kreativität in der Musik
 
Nach­dem der Kom­po­nist näm­lich in sei­nem Geis­te ei­ne voll­kom­me­ne mu­si­ka­li­sche Grund­idee wie die in­ne­re Struk­tur ei­nes Sa­men­korns auf der Ebe­ne der Har­mo­nie er­kennt, schafft er in le­ben­di­gem Ge­dan­ken­fluß von der Ebe­ne die­ser rei­nen, äu­ßerst ver­dich­te­ten Er­kennt­nis her lü­cken­los den le­ben­di­gen Baum sei­ner mu­si­ka­li­schen Kom­po­si­tion – bis hin zu den Blät­tern und Blü­ten –, und er ach­tet mit gro­ßer Selbst­dis­zip­lin dar­auf, daß der na­tür­li­che kon­zen­trier­te Fluß sei­ner Kre­a­ti­vi­tät nicht un­ter­bro­chen wird; denn sonst müß­te die Kom­po­si­tion au­gen­blick­lich aus­ein­an­der­fal­len – so wie ein Baum au­gen­blick­lich zu ver­trock­nen an­fängt, wenn ihm kei­ne Nah­rung mehr zu­ge­führt wird.

 
 
„Auch in meiner Instrumentalmusik
habe ich immer das Ganze vor Augen.“

Ludwig van Beethoven


 
 
Der Be­griff „kom­po­nie­ren“ er­klärt vom Wor­te her ge­ra­de­zu das äu­ße­re Zu­sam­men­fü­gen von Ele­men­ten zu ei­nem ver­meint­li­chen Gan­zen und steht der schöp­fe­ri­schen Wirk­lich­keit di­rekt ent­ge­gen.

 
Der Begriff „komponieren“
 
Der wirk­li­che Ton­künst­ler schafft aus der Ein­heit sei­ner in­ne­ren le­ben­di­gen Er­kennt­nis die be­leb­te Viel­falt sei­ner mu­si­ka­li­schen Aus­sa­ge.

 
Der Schaffensprozeß aus der Einheit
 
Die voll­stän­di­ge Wahr­heit über die Ent­ste­hung von Mu­sik im In­nern des Ton­dich­ters er­weist sich so bei nä­he­rer Be­trach­tung als sehr viel um­fas­sen­der als bis­her an­ge­nom­men, und die Me­lo­die ist kei­nes­wegs das ers­te, was in sei­nem Geis­te ent­steht, son­dern ge­ra­de­wegs das letz­te.

 
 
Das En­de der in­ne­ren mu­si­ka­li­schen Tat wur­de bis­lang als der Be­ginn des Mu­sik­schaf­fens an­ge­se­hen.
Und an die schwach im in­ne­ren Ohr ver­nom­me­nen Tei­le des un­be­kann­ten Gan­zen soll­te ei­ne ge­wis­se to­le­rier­te Kom­po­si­ti­ons­struk­tur „an­ge­hängt“ wer­den, die dann den Ein­druck ei­ner Ge­samt­heit zu si­mu­lie­ren hat­te.

 
Beginn und Ende der musikalischen Tat
 
„Die Kunst ist eine Vermittlerin
des Unaussprechlichen.“

Goethe