AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 22
 
Das natürliche Potential
des wirklichen Künstlers


 
 
Der mu­si­ka­lisch-künst­le­ri­sche Zweck ent­springt aus dem na­tür­li­chen Po­ten­ti­al des Künst­lers,
  1. ei­ne Wahr­heit zu er­ken­nen,
  2. ei­ne Wahr­heit in die dich­te­ri­sche Form des künst­le­ri­schen Aus­drucks zu brin­gen,
  3. ei­ner Wahr­heit in der dich­te­ri­schen Form des künst­le­ri­schen Aus­drucks das At­tri­but der all­ge­mei­nen Ver­ständ­lich­keit zu ver­lei­hen,
  4. ei­ne Wahr­heit nur dann mu­si­ka­lisch aus­zu­spre­chen, wenn ih­re Of­fen­ba­rung von der Na­tur ge­wollt ist, das heißt, wenn sie tief men­schen­ge­wünscht ist.

 
 
Der prak­ti­zie­ren­de Mu­si­ker muß al­so nicht nur über tie­fe Er­kennt­nis ver­fü­gen und die­se sei­nen Mit­men­schen zu­gäng­lich ma­chen, son­dern er muß auch sehr ge­nau wis­sen, was sein Nächs­ter wirk­lich braucht – nicht, was die­ser ober­fläch­lich will –, und da­bei muß er zu­nächst wis­sen, wo sein Nächs­ter geis­tig be­hei­ma­tet ist.

 
Allgemeinmenschliche Einsicht des praktizierenden Musikers
 
Lebt sein Nächs­ter mit Ge­fühl und Ver­stand nicht in der Un­end­lich­keit, so muß der Künst­ler ihm erst ein­mal ei­nen Ge­schmack von die­ser Wirk­lich­keit ge­ben und ihn zum si­che­ren Er­lan­gen un­be­grenz­ter Be­wußt­heit in­spi­rie­ren.

 
Die Begegnung des Hörers mit der Unendlichkeit
 
Ist der Mu­sik­hö­rer be­reits im Un­end­li­chen ge­grün­det, so muß der Künst­ler ihm die Viel­falt ei­nes Le­bens in Un­be­grenzt­heit ver­herr­li­chen.

 
Der vollkommene Musikhörer
 
Im ers­ten Fal­le – das heißt, wenn der Künst­ler ver­pflich­tet ist, den be­grenzt den­ken­den Hö­rer zum Un­be­grenz­ten zu in­spi­rie­ren – muß die her­vor­ge­brach­te Kom­po­si­tion ei­nen dau­ern­den Fluß vom Be­grenz­ten zum Un­be­grenz­ten dar­stel­len.

 
Die unendliche Leistung in der Tonkunst
 
In ei­ner sol­chen Kom­po­si­tion wer­den sich die Mo­ti­ve lau­fend zu Me­lo­dien ent­fal­ten und da­bei von der un­end­li­chen Me­lo­die­füh­rung sys­te­ma­tisch in die un­be­grenz­te le­ben­di­ge Stil­le hin­ein­ge­lei­tet.

 
Der un­end­li­che Pro­zeß der voll­kom­me­nen mu­si­ka­li­schen In­te­gra­ti­on
 
Auf ih­rem Le­bens­weg wer­den sich die Me­lo­dien des­halb zu Se­quen­zen um­wan­deln, und die Se­quen­zen wer­den schließ­lich die un­end­lich viel­fäl­ti­ge Ge­stalt der Har­mo­nie selbst an­neh­men.

 
Der musikalische Weg der menschlichen Selbsterkenntnis
 
So wird sich der kon­kre­te mu­si­ka­li­sche Ton­raum, wie wir ihn mit dem in­ne­ren Ge­hör er­fas­sen, in ei­ner sol­chen Kom­po­si­tion flie­ßend ver­fei­nern, und da­bei wird er schritt­wei­se um­ge­wan­delt in das Er­schei­nungs­bild un­se­res mensch­li­chen Ge­wis­sens.

 
Die kulturelle Leistung der Musik
 
Von hier aus erst ver­mag die Kom­po­si­tion im Mu­sik­lieb­ha­ber die Welt der Stil­le zu be­le­ben, und der Hö­rer er­kennt sei­ne ei­ge­ne in­ners­te Viel­falt, sei­ne in­ners­te viel­fäl­ti­ge Ge­stalt: er er­kennt die Har­mo­nie selbst.