AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 26
 
Der innere Atem der Musik


 
 
Sei­nem We­sen nach ist der in­ne­re Atem die Es­senz der Mu­sik.
Der in­ne­re Atem dringt in den Geist ein und be­lebt ihn von in­nen her.
Da­durch er­hält der Geist Uni­ver­sa­li­tät – un­end­lich viel­fäl­ti­ge Form.

 
Die Essenz der musikalischen Leistung
 
Das fei­ne Vi­brie­ren des in­ne­ren Atems be­wirkt im Geis­te die Ver­bin­dung al­ler Pa­ra­me­ter der Mu­sik, und die­se voll­en­de­te Ko­or­di­na­tion führt zur na­tür­li­chen In­te­gra­tion der Kom­po­si­ti­on.

 
Der Pro­zeß der Ver­bin­dung al­ler mu­si­ka­li­schen Pa­ra­me­ter
 
Der Atem, der von in­nen in den Geist ein­dringt, ist nicht mit un­se­rem äu­ße­ren Atem zu ver­wech­seln, ge­nau­so wie der Ge­dan­ke an ein Haus nicht mit dem ma­te­riel­len Ge­bäu­de iden­tisch ist.

 
Der Sitz des inneren Atems der Musik
 
Un­ser in­ne­rer Atem liegt un­se­rem Den­ken zu­grun­de und be­wirkt von der Tie­fe un­se­res Geis­tes her die Be­we­gung der Geis­tes­ober­flä­che; er ruft sei­ne Wel­len­struk­tur her­vor.

 
 
Stel­len wir uns vor, daß die glat­te Was­ser­ober­flä­che ei­nes Sees von au­ßen her durch den Wind zur Wel­len­be­we­gung an­ge­regt wird, so ent­spricht dies im geis­ti­gen Be­reich ei­ner äu­ße­ren An­re­gung, zum Bei­spiel über die Sin­ne der Wahr­neh­mung oder über die Er­in­ne­rung – was auch zu ei­ner Art Kom­po­si­tion füh­ren mag.

 
Das unkreative Musikschaffen
 
Ganz an­ders ge­schieht die wirk­lich kre­a­ti­ve geis­ti­ge An­re­gung durch den in­ne­ren Atem; der in­ne­re Atem, der jen­seits des Ein- und Aus­at­mens ent­springt und der un­se­rem Ein- und Aus­at­men zu­grun­de­liegt, be­wirkt durch den Pro­zeß der Selbst­er­kennt­nis in sich selbst ei­ne uni­ver­sa­le, un­end­lich fei­ne Vi­bra­ti­on.

 
Die Verwirklichung der lebendigen Komposition
 
Die­se sub­ti­le Vi­bra­tion durch­dringt die Sub­stanz un­se­res Geis­tes und regt die­sen zur Form­ge­stal­tung an, und so ent­steht – auf der Grund­la­ge des na­tür­li­chen in­ne­ren Atems, aus der in­ne­ren Frei­heit der Selbst­er­kennt­nis her­aus – im Geis­te des Ton­künst­lers die le­ben­di­ge Kom­po­si­ti­on.

 
 
Mit dem in­ne­ren Atem wird die um­fas­sends­te Mensch­lich­keit, die Cha­rak­te­ri­stik der See­le, in die Mu­sik hi­nein­ge­tra­gen, und durch den in­ne­ren Atem wird im Klang­er­eig­nis die Mu­sik auch we­sen­haft er­hal­ten.
Der in­ne­re Atem ist das feins­te Werk­zeug des Mu­sik­schaf­fens und das Ur­ma­te­ri­al der Mu­sik selbst.

 
Die Charakteristik der Seele in der Musik
 
Er ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes die See­le der Kom­po­si­ti­on, und er ist die tiefs­te Stel­le, zu wel­cher der Mu­sik­lieb­ha­ber geis­tig vor­drin­gen kann.
Und nur an die­ser Stel­le ge­lingt es dem Hö­rer, sich mit der mu­si­ka­lisch aus­ge­drück­ten Wahr­heit wirk­lich zu ver­ei­nen.

 
 
Und hier emp­fin­det der Hö­rer sich als iden­tisch mit dem Kom­po­nis­ten selbst.
Hier er­kennt sich der Hö­rer als den Kom­po­nis­ten al­ler Kom­po­si­tio­nen – als den Ur­he­ber al­ler Mu­sik.

 
Identifikationsprozeß des Musikhörers mit dem Musikschöpfer
 
Hier, auf der Ebe­ne sei­nes in­ne­ren Atems, er­lebt der er­ken­nen­de Hö­rer das höchs­te mu­si­ka­lisch-schöp­fe­ri­sche Macht­ge­fühl und da­mit das größ­te Glück im Be­reich der Mu­sik.

 
 
Wer selbst schon das Ma­te­ri­al des Geis­tes so deut­lich als Sub­stanz er­fährt, wie er das Was­ser­ma­te­rial ei­ner ihn um­spü­len­den Was­ser­wo­ge wahr­nimmt, der er­kennt trotz­dem noch nicht die le­ben­di­ge Sub­stanz je­nes in­ne­ren Atems, wel­che die schöp­fe­risch­freie geis­ti­ge Wel­len­funk­tion von in­nen her­aus be­wirkt und da­bei selbst wie im Ver­bor­ge­nen bleibt.

 
Das Urmaterial der Tonkunst
 
Das Mit­tel zum Er­ken­nen die­ses in­ne­ren Atems liegt in der voll­stän­di­gen In­te­gra­tion des drei­fach ge­glie­der­ten In­tel­lekts mit dem Ich­be­wußt­sein – und ist ein Ge­schenk des in­ne­ren Atems an das Ich­be­wußt­sein.

 
Das Mittel der Erkenntnis des inneren Atems