AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 27
 
Die Funktion des inneren Atems
in der Musik


 
 
Die­ser un­end­lich sub­ti­le in­ne­re Atem ist da­für ver­ant­wort­lich, daß der Geist den Cha­rak­ter des Le­ben­di­gen an­nimmt und daß da­mit auch die Kom­po­si­tion den Cha­rak­ter des Le­ben­di­gen an­nimmt und daß eben­so die mu­si­ka­li­sche Dar­bie­tung den Cha­rak­ter des Le­ben­di­gen an­nimmt und zum Kunst­werk er­blüht.

 
Der Zeugungsprozeß in der Tonschöpfung
 
Ist die­ser in­ne­re Atem auf der Ebe­ne des Geis­tes nur schwach wirk­sam – was be­deu­tet, daß die Ko­or­di­na­tion von in­ne­rem Atem und Geist nur schwach aus­ge­bil­det ist –, so rich­ten sich die geis­ti­gen In­te­res­sen des Men­schen ganz au­to­ma­tisch und wie selbst­ver­ständ­lich mehr auf die ir­di­sche Sphä­re des Leb­lo­sen und be­schäf­ti­gen sich vor­wie­gend mit dem As­pekt des Ma­te­riel­len.

 
Prozeß der Vergröberung in der Musik
 
Ist je­doch der in­ne­re Atem im Geis­te stark wirk­sam, das be­deu­tet, sind Geist und in­ne­rer Atem voll­en­det in­te­griert und auf der Ebe­ne des Ichs zur Ein­heit ver­schmol­zen, so be­schäf­tigt sich die­ser hoch­ent­wi­ckel­te spi­ri­tu­el­le Mensch über­wie­gend mit dem Le­ben­di­gen selbst.
Er er­kennt die gan­ze Na­tur als Aus­druck des Le­ben­di­gen selbst und drückt in sei­ner äu­ße­ren Hand­lung, in sei­ner Dar­bie­tung der Mu­sik, auch nur das Le­ben­di­ge aus.

 
Integration von innerem Atem und musikalischem Gedanken
 
Es ist der in­ne­re Atem, wel­cher sub­stan­ti­ell die Le­ben­dig­keit der Kom­po­si­tion aus­macht.
Von die­ser Le­ben­dig­keit hängt es ab, wie­weit und wie um­fas­send ei­ne Kom­po­si­tion den Hö­rer be­wußt an­zu­spre­chen ver­mag.

 
Die Machtausübung des inneren Atems in der Musik
 
Die­se vom in­ne­ren Atem mit­ge­ge­be­ne Le­ben­dig­keit ist es, die ein Mu­sik­werk zu ei­ner ganz per­sön­li­chen Aus­sa­ge der See­le wer­den läßt – im Un­ter­schied zu ei­ner äu­ßer­lich in­tel­lek­tu­el­len Über­le­gung.

 
Das Musikwerk als die persönliche Aussage der Seele
 
Und der in­ne­re Atem ist es auch, der uns al­len die Mu­sik so un­end­lich viel ver­trau­ter er­schei­nen läßt als al­le äu­ßer­li­chen, in­tel­lek­tu­el­len Aus­sa­gen.

 
 
Nur durch den be­wuß­ten An­teil an in­ne­rem Atem ent­steht in der er­leb­ten Mu­sik ih­re für den Ver­stand so be­frie­di­gen­de und für das Ge­fühl so er­fül­len­de Wir­kung – nicht durch ir­gend et­was an­de­res.
Des­halb ist der in­ne­re Atem die Grund­la­ge der Mu­sik.

 
Der bewußte Anteil an innerem Atem in der Musik
 
Der in­ne­re Atem der Mu­sik ist die To­ta­li­tät von Raum und Zeit, von Kau­sa­li­tät und Zweck­frei­heit.
Er ist die To­ta­li­tät der Frei­heit al­ler Mo­ti­ve jen­seits von Raum und Zeit und jen­seits kau­sa­ler Über­le­gun­gen, und er ist die To­ta­li­tät der Frei­heit al­ler Se­quen­zen jen­seits von Raum und Zeit – und doch er­faßt er Raum und Zeit in ih­rer Sub­stanz.

 
Die Dimension des inneren Atems in der Musik
 
Die­ser in­ne­re Atem ist jen­seits von Ge­burt und Ver­ge­hen der Mu­sik, und er ist die un­end­lich ver­dich­te­te viel­fäl­ti­ge Schön­heit der Kom­po­si­ti­on.

 
Das Kontinuum der Komposition
 
Ge­gen­über die­sem ur­le­ben­di­gen Kon­ti­nuum er­scheint je­de tö­nen­de Kom­po­si­tion auf der Ebe­ne des Geis­tes nur wie ein Schat­ten­bild ge­gen­über der tat­säch­li­chen Wirk­lich­keit.

 
 
Hier liegt das an­fangs- und end­lo­se Feld der Mu­sik, wel­ches über die Kre­a­ti­vi­tät des Künst­lers sein Licht hi­naus­wirft in die Welt der Tö­ne und des­sen Glanz wie­der­um in der mu­si­ka­li­schen Auf­füh­rung das Ohr des Hö­rers er­reicht.

 
Die unsterbliche Musik jenseits der vergänglichen Musik
 
Die­ser Licht­schein des Le­bens­lich­tes wur­de in der bis­he­ri­gen Mu­sik­the­o­rie nur wie schat­ten­haft er­faßt.

 
 
Aber zu al­len Zei­ten ging die Mu­sik­pra­xis wei­ter in die Tie­fe als die The­o­rie.

 
 
Und die­sem Um­stand ver­dan­ken wir es auch, daß die Lie­be zur Mu­sik bis heu­te er­hal­ten ge­blie­ben ist.