AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 31
 
Der geisteswissenschaftliche Aspekt
der Musik


 
 
Der geis­tes­wis­sen­schaft­li­che As­pekt der Mu­sik be­trifft das Geis­ti­ge an der Mu­sik und die Prin­zi­pien der sys­te­ma­ti­schen Er­ken­nung und Dar­stel­lung von Wahr­hei­ten durch den mensch­li­chen Ver­stand.

 
Prin­zi­pien der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Mu­sik­ana­ly­se
 
Der mensch­li­che Geist stellt das Ma­te­ri­al dar, mit dem vom Mu­sik­schaf­fen­den die Mu­sik zum ers­ten Mal zum Klin­gen ge­bracht wird.

 
Die Physik des Musikinstrumentes Geist
 
Und hier ist der Geist be­zie­hungs­wei­se die Phy­sik des Geis­tes das Mu­sik­in­stru­ment, mit dem der Ton er­zeugt wird.

 
 
Gleich­zei­tig ist der Geist aber auch der Ton selbst, die schwin­gen­de Ton­sub­stanz in der Form der Wel­len­be­we­gung auf der Geis­tes­ober­flä­che, und die klin­gen­de Kom­po­si­tion ist die Ver­än­de­rung der Geis­tes­ober­flä­che des Ton­künst­lers un­ter dem As­pekt der Schwin­gung.

 
 
Die Er­kennt­nis­ge­win­nung, wie wir sie sonst in der Geis­tes­wis­sen­schaft ken­nen, ist ent­spre­chend den Aus­füh­run­gen in die­sem Buch ei­ne Leis­tung des Ich­be­wußt­seins und ge­schieht mit­tels sei­nes Haupt­or­gans, des In­tel­lekts.

 
Der Prozeß der musikalischen Erkenntnisgewinnung
 
Durch den In­tel­lekt er­langt das Ich­be­wußt­sein über die Qua­li­tä­ten des Ge­fühls und des Ver­stan­des die Er­kennt­nis­se über den Sinn der mu­si­ka­li­schen Aus­sa­ge.

 
 
Dar­über hin­aus über­trägt das Ich­be­wußt­sein durch die Kräf­te des Ge­fühls und des Ver­stan­des die ihm in­ne­woh­nen­den Er­kennt­nis­se in die Spra­che der Mu­sik.

 
Analyse und Synthese der musikalischen Erkenntnisgewinnung
 
Und den Aus­druck die­ser Mu­sik „der Stil­le“ – tief im Ge­wis­sen des Ton­künst­lers – pro­ji­ziert das kre­a­ti­ve Ich des Mu­sik­schaf­fen­den auf die Ober­flä­che sei­nes Geis­tes, an wel­cher sich der Ge­hör­sinn des Ton­dich­ters nährt.

 
 
„Nicht die Willenskraft,
sondern die Phantasie,
die Vorstellungsgabe wird schöpferisch.“

Richard Wagner


 
 
In­so­fern ist Mu­sik ei­ner­seits ei­ne „Apri­o­ri­wis­sen­schaft“, denn auf der Ebe­ne des Ich­be­wußt­seins wird durch die schöp­fe­ri­sche Kraft sys­te­ma­tisch Wis­sen in Sa­men­form er­kannt und – von die­ser in­tui­ti­ven Er­kennt­nis aus­ge­hend – auf die Ebe­ne des Geis­tes pro­ji­ziert und als künst­le­ri­sches Mu­sik­er­eig­nis an die Um­welt ab­ge­ge­ben.

 
Die schöpferische Kraft der musikalischen Erkenntnis
 
In der aus­ge­führ­ten Be­trach­tens­wei­se ist die Mu­sik aber auch als ei­ne em­pi­ri­sche Wis­sen­schaft be­schrie­ben; denn über den In­tel­lekt tas­tet das Ich mit dem Ge­hör­sinn auf der Ebe­ne des Geis­tes das dort ge­schaf­fe­ne Mu­sik­er­eig­nis sys­te­ma­tisch ab, er­fährt so – wie von au­ßen – den Wahr­heits­ge­halt in der mu­si­ka­li­schen Struk­tur der Kom­po­si­tion und er­mit­telt den Grad der mu­si­ka­li­schen Meis­ter­schaft.

 
Die empirische Erkenntnisgewinnung in der Musik
 
Man könn­te die­ses em­pi­ri­sche Er­fas­sen von Mu­sik auch „das na­tur­wis­sen­schaft­li­che Er­fas­sen der Mu­sik“ nen­nen, und man könn­te das Apri­o­rier­fas­sen von Mu­sik die „geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­me­tho­de der Mu­sik“ nen­nen – im Sin­ne des Fun­da­men­tes der mu­si­ka­li­schen Kre­a­ti­vi­tät; denn a priori ent­steht die Mu­sik – vom Ich aus­ge­hend –, und em­pi­risch wird sie – wie­der­um vom Ich aus­ge­hend – ge­hört.

 
Die na­tur­wis­sen­schaft­li­che und die geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­me­tho­de der Mu­sik
 
In voll­stän­di­gem Kreis­lauf bei­der wis­sen­schaft­li­cher Be­trach­tens­wei­sen geht die In­for­ma­tion des mu­si­ka­li­schen Er­eig­nis­ses vom schaf­fen­den Ich aus, dringt über den In­tel­lekt in die Ebe­ne des Geis­tes vor, wird dort vom Ge­hör­sinn er­faßt und über den In­tel­lekt wie­der zum hö­ren­den Ich zu­rück­ge­lei­tet.

 
Der Kreis­lauf der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen und der na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­me­tho­de in der Mu­sik