AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 37
 
Die Ökonomie der Musik


 
 
Die Öko­no­mie der Mu­sik be­trifft den wirt­schaft­li­chen Um­gang mit den mu­si­ka­li­schen Pa­ra­me­tern.
Und hier gilt der Grund­satz: Was man mit ei­nem Mo­tiv sa­gen kann, da­zu soll man nicht ei­ne Me­lo­die oder gar ei­ne Se­quenz be­mü­hen, und was man mit ei­nem Ton sa­gen kann, da­zu soll man kein Mo­tiv ein­set­zen.

 
Der ökonomische Umgang mit den musikalischen Parametern
 
Der ge­nau do­sier­te Um­gang mit den Ele­men­ten der Mu­sik ist der ent­schei­den­de Fak­tor für die Klar­heit der mu­si­ka­li­schen Aus­sa­ge.

 
Die Klarheit der musikalischen Aussage
 
So wie die höchs­te Kon­zen­tra­tion des Koh­len­stoffs die Klar­heit des Di­a­man­ten her­vor­bringt, wäh­rend die man­geln­de Dich­te des Koh­len­stoffs die un­durch­sich­ti­ge Schwär­ze der Koh­le be­wirkt, eben­so macht die gro­ße Ver­dich­tung der mu­si­ka­li­schen Ele­men­te in der Form mu­si­ka­li­scher Schlicht­heit die Kom­po­si­tion „durch­sich­tig“: macht sie zu voll­en­de­ter Mu­sik.

 
Verdichtung der musikalischen Elemente
 
Die Wich­tig­keit der Pro­por­tio­nie­rung der Pa­ra­me­ter von Raum und Zeit wur­de be­reits be­schrie­ben, und die glei­che Wich­tig­keit kommt der Pro­por­tio­nie­rung al­ler an­de­ren Pa­ra­me­ter zu – wo­bei „Pro­por­tio­nie­rung“ nicht Gleich­heit oder Gleich­set­zung be­deu­tet wie zum Bei­spiel in der Zwölf­ton­mu­sik.

 
Proportionierung der musikalischen Parameter
 
So wie der Kopf ei­ne an­de­re Grö­ßen­ord­nung der Auf­ga­ben­stel­lung be­sitzt als der Fuß, so ge­hö­ren auch Mo­tiv und Ton ei­ner un­ter­schied­li­chen Di­men­si­on an, und so ist auch die Se­quenz von ganz an­de­rer Grö­ßen­ord­nung als das Mo­tiv.

 
Größenordnungen in der Musik
 
Was ei­ne Pro­por­tio­nie­rung be­wirkt, in der al­le Kom­po­nen­ten gleich­ge­stellt sind, zeigt uns die Zwölf­ton­mu­sik und die dar­aus re­kru­tier­te se­riel­le Kom­po­si­ti­ons­tech­nik.

 
Gleichschaltung der Parameter in der Zwölftonmusik
 
Und was pas­siert, wenn ver­gleichs­wei­se in der Mu­sik der Fuß ei­ne grö­ße­re Be­deu­tung er­hält als der Kopf und so­gar die Herr­schaft über den Kopf an­tritt, das führt uns die ge­sam­te Un­ter­hal­tungs­mu­sik vor.

 
Umkehrung der natürlichen musikalischen Ordnung
 
Die Öko­no­mie der Mu­sik um­faßt den gan­zen wich­ti­gen Be­reich der ge­rech­ten Pro­por­tio­nie­rung von Ton, Mo­tiv, Me­lo­die, Se­quenz und Har­mo­nie – aber auch die Pro­por­tio­nie­rung der Mo­ti­ve un­ter­ein­an­der, der To­na­li­tä­ten un­ter­ein­an­der, der Se­quen­zen un­ter­ein­an­der – schon der Tö­ne un­ter­ein­an­der.

 
Der Gesamtbereich der Ökonomie in der Musik
 
Da­ne­ben be­trifft die Öko­no­mie der Mu­sik auch den Ener­gie­auf­wand des Hö­rers beim Hör­pro­zeß.
Muß der Hö­rer sich bei­spiels­wei­se ge­gen Dis­so­nan­zen stel­len, so ist für ihn das gan­ze Kon­zert von in­nen her un­öko­no­misch, und er hat geis­tig-see­lisch ein „schlech­tes Ge­schäft ge­macht“. Nur wenn er nach dem An­hö­ren von Mu­sik be­glückt, ge­stärkt und ener­gie­ge­la­den ist, hat er geis­tigsee­lisch ei­nen gu­ten Han­del ge­tä­tigt.

 
Der Energieaufwand des Hörers beim Hörprozeß
 
Ob der Hö­rer al­so beim Mu­sik­hö­ren ge­winnt oder ver­liert, hängt ab von der na­tür­li­chen Or­ga­ni­sa­tion der kom­po­si­to­ri­schen Pa­ra­me­ter im Mu­sik­werk – von der In­te­gra­tion der Kom­po­si­tion und von der Über­zeu­gungs­kraft des Mu­sik­wer­kes: es hängt ab von der ge­sam­ten Öko­no­mie der Mu­sik selbst.

 
Ökonomie des musikalischen Hörens
 
„Wo die Sprache aufhört
fängt die Musik an.“

E.T.A. Hoffmann