AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 44
 
Das Sprachorgan


 
 
Das Sprach­or­gan ist un­ser na­tür­li­ches Werk­zeug zur Ge­stal­tung der Spra­che.
Un­ser At­mungs­or­gan ist sub­stan­ti­ell das Mit­tel zur Er­zeu­gung der Spra­che.
Das la­ten­te Struk­tur­po­ten­tial un­se­res in­ne­ren Atems drückt sich in der Form un­se­rer Spra­che aus.

 
Das latente Strukturpotential unseres inneren Atems
 
Nur we­ni­ge Men­schen den­ken dar­über nach, wo­mit sie denn ei­gent­lich spre­chen, und die we­nigs­ten be­fas­sen sich mit der Per­fek­tio­nie­rung ih­rer Ar­ti­ku­la­tion und der da­ran be­tei­lig­ten Or­ga­ne.

 
 
Aus die­ser Träg­heit ent­springt die Mas­se der ver­ba­len Miß­ver­ständ­nis­se wie ei­ne rie­si­ge Flut aus ei­ner nur we­nig be­kann­ten Quel­le.

 
 
Der Spre­chen­de ar­ti­ku­liert das zu Spre­chen­de erst ein­mal in sei­nem In­nern.
Wir sa­gen da­zu: er denkt das ge­spro­che­ne Wort als ei­nen Ge­dan­ken.

 
Sprachschöpfung
 
Da­bei mei­nen wir, daß es sich – wie wir schon im­mer an­nah­men – haupt­säch­lich um die Be­deu­tung des Wor­tes han­delt – nicht aber, daß die­ses ge­dach­te Wort auch mit ganz an­de­ren, über­aus le­ben­di­gen At­tri­bu­ten be­haf­tet ist.

 
 
Hier emp­fiehlt sich ein klei­ner er­klä­ren­der Aus­flug in das tat­säch­li­che Po­ten­ti­al der Spra­che:

 
Das tatsächliche Potential der Sprache
 
Wenn wir träu­men, so ist das, was den Traum cha­rak­te­ri­siert, die Welt un­se­res Den­kens – das Po­ten­ti­al un­se­rer Ge­dan­ken.
Der Ge­dan­ke bringt das her­vor, wo­von wir träu­men. Aber wie träu­men wir denn?

 
 
Im Traum se­hen wir den Ge­gen­stand, von dem wir träu­men, zum Bei­spiel ei­ne Erd­bee­re.
Und wenn wir im Trau­me an die­ser Erd­bee­re rie­chen, so strömt uns der ty­pi­sche Erd­beer­ge­ruch ent­ge­gen.

 
Die Dimension des gedachten Wortes
 
Und wenn wir im Trau­me in die­se Frucht hin­ein­bei­ßen, so schme­cken wir wie­der die Erd­bee­re.

 
 
Und das, was wir mit der ei­ge­nen Hand er­faßt ha­ben, um hin­ein­zu­bei­ßen, was wir mit un­se­ren Fin­gern er­tas­tet hat­ten, war wie­der un­se­re Erd­bee­re.

 
 
Und die Per­son, die uns im Trau­me die Erd­bee­re gab, übe­reich­te sie uns mit ei­ner sehr freund­li­chen Ges­te.

 
 
Und so­wohl die Per­son mit ih­rer po­si­ti­ven Emp­fin­dung als auch un­se­re Hand, wel­che die Erd­bee­re ent­ge­gen­nahm, wa­ren Teil ei­nes in kom­ple­xer Wei­se ab­ge­wan­del­ten Ge­dan­kens an die Erd­bee­re in un­se­rem Traum.

 
Vielfalt der sinnlichen Wahrnehmung
 
Da der Mensch von der Me­cha­nik sei­nes Geis­tes her zu ei­ner Zeit nur ei­nen Ge­dan­ken den­ken kann, ist es of­fen­sicht­lich, daß die­ser ei­ne Ge­dan­ke an die Erd­bee­re al­le die At­tri­bu­te des be­schrie­be­nen Trau­mes in vol­ler Le­ben­dig­keit und für al­le un­se­re Sin­ne er­faß­bar be­in­hal­te­te und dar­über hin­aus un­ser Ge­fühl und un­se­ren Ver­stand an­zu­spre­chen in der La­ge war.

 
Die Mechanik des Geistes in Funktion
 
Die­ser Art mit In­halt ge­füllt ist je­der ei­nem ge­spro­che­nen Wort zu­grun­de­lie­gen­de Ge­dan­ke, und wie wir al­le aus un­se­rer ei­ge­nen Er­fah­rung des Träu­mens wis­sen, ist ein Traum im all­ge­mei­nen sehr, sehr viel le­ben­di­ger als ir­gend­ein ein­fach ge­dach­tes Wort.

 
Der dem gesprochenen Wort zugrundeliegende Gedanke
 
Die­se Leb­lo­sig­keit des Wor­tes im Zu­stand des Wach­be­wußt­seins er­scheint uns auf der Bild­flä­che un­se­rer Er­fah­run­gen nur des­halb so schat­ten­haft, weil wir, wäh­rend wir au­ßen wahr­neh­men, in un­se­rer in­ne­ren Er­leb­nis­welt stark ein­ge­schränkt sind.

 
 
Trotz­dem kön­nen wir un­ter Um­stän­den auch am Ta­ge ein­mal den Ge­dan­ken ei­nes ge­spro­che­nen Wor­tes in der be­schrie­be­nen Voll­stän­dig­keit und Le­ben­dig­keit er­fah­ren und viel­leicht so­gar die­se Er­fah­rung durch un­ser ge­spro­che­nes Wort auch un­mit­tel­bar und voll­stän­dig wei­ter­tra­gen.

 
Er­fah­rungs­mög­lich­kei­ten beim ge­dach­ten Wort
 
Die Er­fah­rung ei­ner sol­chen plas­ti­schen In­for­ma­ti­ons­über­mitt­lung wür­de dann höchst­wahr­schein­lich erst ein­mal als ei­ne „Of­fen­ba­rung“ an­ge­se­hen, da ei­ne sol­che un­er­war­tet le­bens­ech­te Er­fah­rung dem heu­ti­gen Men­schen zu­nächst wie ein Wun­der vor­kä­me.

 
Das Wunder der „Offenbarung“
 
Dort et­wa, wo der Kehl­kopf sei­nen Sitz hat, ent­steht auch auf der Ebe­ne un­se­res Geis­tes das ge­spro­che­ne Wort, und auf der Bild­flä­che un­se­res Geis­tes neh­men wir die­ses ge­spro­che­ne Wort mit dem Ge­hör­sinn wahr, wir hö­ren es al­so in­wen­dig.

 
Entstehungsort der Sprache
 
Erst dann spre­chen wir es mit dem Mun­de nach au­ßen aus.

 
 
Die­ser sys­te­ma­ti­sche, von in­nen nach au­ßen ge­rich­te­te Vor­gang ist uns al­len ge­läu­fig, und wir kön­nen ihn zu je­der Zeit nach­voll­zie­hen.

 
 
Den­noch birgt die­ser uns so ver­trau­te Me­cha­nis­mus ein we­sent­lich grö­ße­res prak­ti­sches Po­ten­ti­al, als man all­ge­mein an­nimmt.

 
Das ruhende Potential