AAR EDITION INTERNATIONAL
 
 
 
 
 
 
 
Ethnische Musik
Fortsetzung 46
 
Herrschaft über
gebundene und freie Schaffenskraft


 
 
Die­se gan­ze viel­fäl­ti­ge in­ne­re Men­schen­welt kennt bis­lang fast nur der träu­men­de Mensch, und hier im Trau­me ist er der schöp­fe­ri­sche Kö­nig sei­ner ei­ge­nen le­ben­di­gen geis­ti­gen Phan­ta­sie­welt.
Und ei­ne ge­wis­se Herr­schaft über sein ei­ge­nes viel­fäl­ti­ges geis­ti­ges Er­le­ben übt er bis­lang lei­der nur in sei­nem Traum aus.

 
Macht über Traum- und Wachbewußtsein
 
Aber für den kre­a­ti­ven Men­schen ist es auch in sei­nem Wach­be­wußt­sein völ­lig na­tür­lich, ei­ne äu­ßerst viel­ge­stal­ti­ge er­leb­nis­rei­che in­ne­re Ge­dan­ken­welt wil­lent­lich her­vor­zu­zau­bern und in ihr als ihr gro­ßer Herr­scher zu le­ben.

 
Die Welt der schöpferischen Phantasie
 
Wir nen­nen die­se Sphä­re der in­ne­ren Ge­stal­tungs­kraft die Welt der schöp­fe­ri­schen Phan­ta­sie.
In­ner­lich-phy­si­ka­lisch – von der in­ne­ren Me­cha­nik des Sprach­or­gans, von der Me­cha­nik der Sin­ne und von der Me­cha­nik des Geis­tes her, von der Me­cha­nik des Atems und von der Me­cha­nik des Un­ter­schei­dens her – be­steht kein Un­ter­schied zwi­schen der Welt des Trau­mes und der Welt der Phan­ta­sie ei­nes Dich­ters oder Mu­si­kers.
Doch liegt ein gro­ßer Un­ter­schied in der tat­säch­li­chen Herr­schaft über Traum- und Wach­be­wußt­sein – im Ein­fluß des Ich­be­wußt­seins auf die Ent­wick­lung der Ge­dan­ken­gän­ge.

 
Jenseits der mechanistischen Schaffensprozesse
 
Der Träu­men­de kann auf den Her­gang sei­nes Träu­mens kaum Ein­fluß neh­men.
Der schöp­fe­risch Be­gab­te je­doch ent­schei­det in je­dem Mo­ment frei über den Fort­gang sei­ner Phan­ta­sie­welt.

 
Ent­schei­dungs­frei­heit in der Phan­ta­sie­welt
 
Im Traum­be­wußt­sein läßt sich das Ich von den geis­ti­gen Ver­än­de­run­gen be­rie­seln wie ein Ki­no­gän­ger, denn im Traum­be­wußt­sein hat sich das Ent­schei­dungs­or­gan – der In­tel­lekt – über­wie­gend zum Aus­ru­hen ent­schie­den und wirkt des­halb nur äu­ßerst ge­ring­fü­gig auf den Fort­gang des Traum­ge­sche­hens ein.

 
Die Ent­schei­dungs­ohn­macht im Traum­be­wußt­sein
 
Ganz an­ders im Wach­be­wußt­sein des schöp­fe­risch ent­wi­ckel­ten Men­schen: hier herrscht das Ich­be­wußt­sein durch den aus­ge­ruh­ten In­tel­lekt voll­stän­dig über die sze­na­ri­schen Ver­än­de­run­gen in der Welt des Geis­tes.
Des­halb hat die har­mo­nisch ord­nen­de Kraft in der be­wuß­ten Phan­ta­sie des wa­chen kre­a­ti­ven Künst­lers den größ­ten Wert.

 
Ent­schei­dungs­macht im Wach­be­wußt­sein
 
Das Ich des Träu­men­den übt nur ei­nen ge­rin­gen Ein­fluß auf sei­ne Traum­er­leb­nis­se aus, denn im Trau­me büßt es das Wis­sen über sei­ne ei­ge­ne geis­ti­ge Ge­stal­tungs­macht ein.

 
Gefesselte Kreativität
 
Im Ver­lau­fe des Trau­mes weiß das Ich nicht, daß es träumt und daß es ja sel­ber der Ver­an­stal­ter ist und zu je­der Zeit die Traum­hand­lung än­dern oder durch wil­lent­li­ches Auf­wa­chen un­ter­bre­chen könn­te.

 
 
Gin­ge ihm die­ses Wis­sen über die ei­ge­ne Macht der Traum­ge­stal­tung nicht ver­lo­ren, so wä­re bei­spiels­wei­se das Phä­no­men der Furcht im Traum aus­ge­schlos­sen.

 
 
Der schöp­fe­risch ent­wi­ckel­te Mensch er­kennt sich als der phan­ta­sie­ge­la­de­ne Schaf­fen­de, als der gro­ße Macht­ha­ber des Rei­ches sei­ner ei­ge­nen Phan­ta­sie, als der gro­ßer Herr­scher sei­ner in­ne­ren Wel­ten, als der furcht­lo­se mäch­ti­ge Ge­stal­ter all sei­nes Er­le­bens, als der, wel­cher die Zü­gel sei­nes geis­ti­gen Er­le­bens in der Hand hält und das Ge­sche­hen zu je­der Zeit be­stimmt.

 
Der phantasiegeladene Schaffende