AAR EDITION INTERNATIONAL

Ent­ge­gen den Vor­stel­lun­gen ei­nes gro­ßen Teils der Fach­welt han­delt es sich bei den Wer­ken un­se­rer gro­ßen klas­si­schen Ton­schöp­fer – so­weit sie dem Be­reich der Ab­so­lu­ten Mu­sik zu­zu­zäh­len sind – kei­nes­falls um ei­ne von der mensch­li­chen Evo­lu­tion los­ge­lös­te Mu­sik, wel­che viel­leicht auch noch um ih­rer selbst wil­len be­trie­ben wird, son­dern wir ha­ben hier ei­ne ide­a­le Spra­che vor uns, das Le­bens­feld der in­ne­ren Men­schen­kräf­te ge­fühls- und ver­stan­des­mä­ßig zu be­schrei­ben bzw. dar­zu­stel­len.

So­mit ge­hört die­se Mu­sik we­sens­mä­ßig in den Be­reich der Phi­lo­so­phie oder der Le­bens­kunst – wo sie sich dann auch mit der re­li­gi­ö­sen Mu­sik ver­bin­det.

Ih­ren bis­her höchs­ten Aus­druck fin­det die­se Art Ab­so­lu­ter Mu­sik, wel­che die Men­schen­wür­de zum al­lei­ni­gen The­ma hat, in der Sin­fo­nie, und hier be­son­ders bei Haydn, Mozart und Beethoven, wel­che sich ja be­kannt­lich nicht vor­ran­gig der Mu­sik, son­dern der Wahr­heit ver­pflich­tet fühl­ten und in­so­fern die Mu­sik nur als das bes­te ih­nen be­kann­te Mit­tel an­sa­hen, die Wahr­heit auf der Ebe­ne des Ge­fühls und des Ver­stan­des aus­zu­drü­cken.

So be­steht al­so der ers­te Satz der klas­si­schen Sin­fo­nie, de­ren Haupt­satz, aus zwei The­men – ei­nem männ­li­chen und ei­nem weib­li­chen The­ma –, wel­che die in­ne­ren Men­schen­kräf­te Ge­fühl und Ver­stand cha­rak­te­ri­sie­ren und den Hö­rer im spie­le­ri­schen Um­gang mit die­sen sei­nen Men­schen­kräf­ten aus­bil­den.

"Nur der Komponist
drang wahrhaft in die
Geheimnisse der
Harmonie ein, der durch
sie auf das Gemüt des
Menschen zu wirken
vermag."

E.T.A. Hoffmann

Und die­se bei­den Haupt­men­schen­kräf­te Ge­fühl und Ver­stand sind dann auch die Eck­pfei­ler des sin­fo­ni­schen Schaf­fens un­se­rer gro­ßen Ton­schöp­fer für ih­re mu­si­ka­li­sche Evo­lu­tion der Men­schen­wür­de.
Da­bei wer­den im Rah­men der Sin­fo­nie be­son­ders in der So­na­ten­satz­form Ge­fühl und Ver­stand in viel­fäl­ti­ger Wei­se ak­ti­viert und dar­ge­stellt.

" Alle Musik
ist eigentlich innere Musik
und muß wieder
zur inneren Musik
werden."

G. Hauptmann

Wäh­rend sich die Uni­ver­si­tä­ten, Schu­len und of­fi­zi­el­len Bil­dungs­ein­rich­tun­gen dem Er­ler­nen äu­ße­rer Fer­tig­kei­ten wid­men, sa­hen es die gro­ßen klas­si­schen Ton­schöp­fer als ih­re hei­li­ge Pflicht an, den Men­schen im Ge­brauch sei­ner in­ne­ren Fä­hig­kei­ten aus­zu­bil­den – ihm sei­ne in­ne­ren Men­schen­kräf­te als sol­che vor­zu­stel­len, ihn in der Un­ter­schei­dung sei­ner in­ne­ren Men­schen­kräf­te zu un­ter­rich­ten und ihn im aus­ge­wo­ge­nen er­folg­rei­chen Ge­brauch sei­ner in­ne­ren Fä­hig­kei­ten zu schulen.



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Sinfonische Musik
Fortsetzung 6
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