Die
musikalische
Uraufführung
Natürlichkeit des
kreativen Hörens
Der
erkennende
Musikschöpfer
Jenseits des
Experiments
Die Brücke
vom Musikschöpfer
zum Interpreten
Bevor der berufene Tondichter die Partitur niederschreibt, hört er innerlich sein Musikwerk in dessen ganzer Vielfalt.
Dann erst bestimmt er das Instrumentarium, welches das innerlich Gehörte äußerlich reproduzieren soll.
Die inwendig gehörte Musik erfährt der Komponist als etwas von der Partitur vollständig Getrenntes.
Die Entwicklung einer Partitur, des Entwurfes zur äußeren Realisierung, ist später ein geistiger Willensakt des Musikschaffenden im Gegensatz zu seinem ursprünglichen inneren Hören.
Eine Komposition entsteht ohne spezielle Willensanstrengung des Komponisten.
In seinem Geiste wächst sie empor als natürlicher Ausdruck seiner belebten Phantasie.
Die Musik, die der Komponist innerlich hört, ist die ursprüngliche Sprache seines eigenen Fühlens und Denkens, und so entfaltet sich die Musik seiner inneren Sphäre auch nur innerhalb seiner eigenen Gefühlsund Geisteswelt.
So ist der Komponist der erste Hörer seiner Musik, bevor er sie niederschreibt oder aufführt.
Und bei ihrer Niederschrift fühlt er sich nicht mehr als schaffend, sondern er findet sich dabei als „hörend“ und „erkennend“.
Das Feld des Komponierens ist keineswegs ein Feld des äußeren instrumentellen Probierens, sondern ist fundamental der Erfahrungsbereich eines klaren und deutlichen inneren Hörens.
Und erst wenn der innerlich hörende Tonschöpfer die Absicht hat, das Gehörte auch anderen mitzuteilen, dann erfordert das Komponieren von ihm auch konkretes Wissen über die praktische Aufführungstechnik seiner Musik.
Erst jetzt benötigt der Tondichter eine klare Kenntnis der Notation, um mit vollständiger Sicherheit die Partitur niederzuschreiben und mit ihr eine Brücke zu schaffen, auf welcher sich sein innerer ursprünglicher musikalischer Eindruck in möglichst reiner Form zum Interpreten vortasten kann.
© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982