PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil I
Teil I
DER PROZESS DES MUSIKSCHAFFENS
    
    
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MUSIK

 

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Unverständnis gegenüber den
Symbolen der
inneren Anregung

 



"Musik" ohne
Bedeutung

 

 

Zeitgebundene Einsicht

 

 

Erkennen der
kompositorischen Idee

 

 

 

 

 

 

 

Bild der
Musikszene


Irrtum des Interpretentum



Doch un­ter­liegt der heu­ti­ge In­ter­pret ei­nem gro­ßen, ent­schei­den­den Irr­tum, und an die­sem Irr­tum krankt die ge­sam­te her­kömm­li­che Auf­füh­rungsund Re­pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne­rie.

Der Mu­si­ker be­trach­tet die Sym­bo­le der in­ne­ren An­re­gung, die der Kom­po­nist ihm über­lie­fert hat, als ex­ak­te An­ga­ben für das äu­ße­re Mu­sik­ge­sche­hen.

Der Irr­tum ist ge­nau der glei­che, als wür­de man das sym­bol­haf­te Schrift­bild ei­ner un­be­kann­ten Spra­che als Land­schafts­bild deu­ten und es in fälsch­li­cher Wei­se als Land­schaft zu be­schrei­ben ver­su­chen – wo­bei ei­ne Spra­che doch Be­deu­tung be­sitzt und ge­ra­de die Be­deu­tung den ei­gent­li­chen Wert der Spra­che aus­macht.

Auf­grund ganz zeit­ge­bun­de­ner Ein­sich­ten in das We­sen der Mu­sik, in die Mög­lich­kei­ten des In­stru­men­ta­ri­ums und be­son­ders in die Spiel­pra­xis war bei­spiels­wei­se das in­ne­re Ver­ständ­nis ei­ner Beet­ho­ven­par­ti­tur zur Zeit Beethovens ein völ­lig an­de­res, als es der heu­ti­ge von un­se­rer Zeit ge­präg­te Mu­si­ker mit­bringt.

So ging die Sys­te­ma­tik des Nie­der­schrei­bens ei­ner Par­ti­tur da­mals von ei­nem ganz an­de­ren An­gel­punkt aus, als es aus dem Blick­feld un­se­res heu­ti­gen wis­sen­schaft­lich-ana­ly­ti­schen Den­kens ge­sche­hen wür­de.

In­so­fern ent­spricht ei­ne Par­ti­tur Beethovens heu­te ei­nem Schrift­bild aus ei­ner völ­lig an­de­ren Zeit.

Und wer die­se Schrift nicht zu le­sen ver­steht, ein­fach weil er ein Kind un­se­rer Zeit ist, der wird ei­ne Beet­ho­ven­par­ti­tur nicht aus dem glei­chen An­satz her­aus er­fas­sen, aus dem Beethoven sie nie­der­schrieb.

Ein sol­cher heu­ti­ger Le­ser ist na­tür­li­cher­wei­se nicht in der La­ge, die kom­po­si­to­ri­sche Idee Beethovens er­le­send zu er­ken­nen, ge­schwei­ge denn in der Or­ches­ter­pra­xis zu ver­wirk­li­chen.

Des­halb ent­spricht das Ver­fah­ren der heu­te üb­li­chen Mu­sik­über­mitt­lung der Sze­ne, in der ein Ame­ri­ka­ner von ei­nem In­di­a­ner chi­ne­si­sche Ver­se aus­wen­dig­lernt und die­se Ver­se, ohne de­ren Be­deu­tung zu ver­ste­hen, an Tür­ken wei­ter­gibt mit dem Ziel, Wohl­klang zu ver­brei­ten.


 

                                                                                

 


© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

NATÜRLICHES
MUSIK SCHAFFEN
I.
DER PROZESS DES
MUSIKSCHAFFENS
Die Welt
der belebten Stille
Ursprung der Tonkunst
Verantwortungsbewußte Autorenschaft
Die Gestirne der Musik
Das kreative Musikhören
Niederschrift der Partitur
Herkömmliche
Notationspraxis
Irrtum
des Interpretentums
Die Sprache
der Wahrheit
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