"Interpretation"
Inspiration zum
Unbegrenzten
Subjektive
und
objektive Sphäre
der Musik
Die
objektive
Sphäre
Die subjektive
Sphäre
Die
wahre Welt
der Musik
Alle großen Tondichter erwarten vom Interpreten, daß er ihr musikalisch-künstlerisches Anliegen erfaßt, und daß er menschlich-dienende Intentionen hat.
Sodann muß der Interpret den Sinn der individuellen Mitteilung des Komponisten an den Hörer kennen.
Erst auf dieser Grundlage kann es dem Interpreten gelingen, den musikalischen Sinn in eine Aussage zu kleiden, welche nicht fixiert und Selbstzweck ist, sondern die nur sein eigenes äußeres praktisches Mittel verkörpert, dem Hörer die spezifische musikalisch verschlüsselte Nachricht des Komponisten authentisch und taufrisch zuzuleiten.
In Wahrheit ist Musik für den klassischen Komponisten nur das dichterische Mittel zur Beschreibung der inneren Gefilde menschlicher Freiheit, um das Begrenzte zum Umbegrenzten zu inspirieren.
Auf der Grundlage einer Machtanalyse zerfällt die Musik in zwei große Bereiche: in eine aktive und eine passive Sphäre, in eine schöpferische und eine geschaffene Sphäre, in das subjektive und in das objektive Feld der Musik.
Dort, wo die Töne beginnen, wo die Welt des musikalischen Tonraums anfängt, dort endet die subjektive Sphäre der Musik und dort beginnt ihr objektiver Bereich, welcher sich dann bis zum akustischen Ereignis hin erstreckt.
In dieses objektive Feld der Musik ist auch die Dimension unseres inneren Hörens mit eingeschlossen.
Denn der Vorgang des inneren Hörens umfaßt sowohl das Denken des Klangereignisses auf der Ebene des Geistes (nämlich den musikalischen Gedanken) als auch das Organ zum Abtasten des Gedankens (den Gehörsinn), aber auch den Abtastmechanismus selber (die Mechanik des Gehörsinns).
Doch ist diese äußere Gedankenwelt räumlich und zeitlich begrenzt, während das, was ihr zugrundeliegt und sie hervorbringt, jenseits von Raum und Zeit seinen Sitz hat und die subjektive, die schöpferische Sphäre der Musik ausmacht.
Ist diese innere subjektive Sphäre beim Musikschaffenden nicht die natürliche Grundlage seines musikalischen Denkens, dann wird sowohl der Musiker selbst als auch sein Hörer von der belebenden verjüngenden Wirkung der Musik, von dem unsterblichen Nektar des kreativen göttlichen Funkens ausgeschlossen, und er erfährt über seinen Gehörsinn nur das Gemachte: die Welt des Objektiven, die Welt des Ohnmächtigen, den vergänglichen Teil der Musik ihren Körper.
Diese klare Einsicht in die subjektive und objektive Sphäre der Musik hebt die Musik und das Musikschaffen schon an der Wurzel heraus aus dem Bereich der Töne und hinein in die Welt des Lebendigen und setzt nun der Musikfachausbildung völlig neue Horizonte.
So fordert sie das systematische Erlernen umfassender, bis in die Tiefe der Persönlichkeit reichender menschlicher Leistungen.
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