Die
innere Logik
der Melodie
Die integrierte
Gesamtheit der
Menschenkräfte in
der musikalischen
Darstellung
Die Aufgabe
der Melodie
Der
Impuls
der schöpferischen
Kraft in der
Melodie
In der Melodie zeigt das Motiv durch seine Veränderung, durch seine Verkleidungen, den menschlichen charakterlichen Entwicklungsgang in vielfältiger musikalischer Form.
In der klassischen Komposition symbolisiert die Melodie in logischer Weise den vernünftigen inneren Entwicklungsprozeß des einzelnen Menschen und ist seine lebendige charakterliche Entwicklungsbeschreibung.
Bei der Motiverweiterung, das bedeutet bei der Melodiebildung, entsteht eine derartige Verflechtung der Motivverwandlungen, daß die Teile, das heißt die einzelnen Motivgesichter, also die einzelnen Charaktereigenschaften, in den Hintergrund treten und die integrierte Gesamtheit des umfassenden Charakterbildes in Form der Melodie in den Vordergrund des musikalischen Ereignisses tritt.
Den konventionellen Ansichten entgegen ist Melodie nicht etwas, was von seiner Aufgabenstellung her speziell Angenehmes beschreibt.
Die Melodie beschreibt die Wahrheit der Charakterbildung.
Deshalb ist die Melodie keineswegs „süßlich“, wie man dies in übertriebener Weise bei der Unterhaltungsmusik kennt.
In der klassischen Musik war es niemals Aufgabe der Melodie, einen Menschen in platter Weise einzulullen oder zu berauschen, sondern sie sollte über den Weg ihrer inneren Entfaltung den Hörer unmittelbar zur Erkenntnis umfassenderer menschlicher Werte führen und damit zu eigener größerer innerer Reinheit, zu eigener größerer innerer Schönheit, zu eigener größerer innerer Macht.
Ebenso wie ein Mensch zu verschiedenen Zeiten jeweils eine seiner vielfältigen Eigenschaften in den Vordergrund treten läßt (seine Mitmenschen sagen dazu, daß er sich laufend ändert, ein anderes Gesicht zeigt), genauso tritt das Motiv mit seinen Verwandlungen, die es nacheinander vorführt, als Melodie im musikalischen Prozeß auf.
In der Melodie drängen die inneren menschlichen Eigenschaften durch den Impuls der schöpferischen Kraft nach außen in die Welt des Tonraums und bewirken das veränderte musikalische Erscheinungsbild der handelnden Charaktereigenschaften, wie von Personen, von Menschen, von der Welt.