PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil V
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DIE KRÄFTEFELDER DER MUSIK
    
    
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MUSIK
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Die Weltenreise
der musikalischen
Motive

 

 


Die geheimnisvolle
unbekannte Sphäre
einer neuen
musikalischen Generation

 

 

 

 

Wesen und Zweck
der Sequenztechnik in der Musik

 


Die ordnende Kraft
in der Melodik

 

 

 


Das Kräftefeld
der musikalischen
Sozialgesetze

 

 

 

Die diskrete
Machtausübung der musikalischen
Sequenz

 

 

 



Die musikalische
Sequenz als
allnährende Motivmutter

Das musikalische
Kräftefeld der
schöpferischen Entfaltung der
Motive

Die kompositorische Kunst der
Sequenztechnik



Der musikalische
Gestaltungswille im Sozialbereich
der Musik

 

 

 

 

Angewandte Sequenztechnik

Die Sequenz in der Musik



Die Se­quenz ist die­je­ni­ge mu­si­ka­li­sche Kraft, wel­che die tan­zen­den Mo­ti­ve lie­be­voll von ei­ner Se­quenz­welt in die nächs­te ge­lei­tet und dann dort so har­mo­nisch zu neu­er schöp­fe­ri­scher Ent­fal­tung an­regt, daß al­le Mo­ti­ve ge­mein­sam und doch viel­fäl­tig aus­ein­an­derund zu­sam­men­stre­bend die neue Welt durch­lau­fen und so mit Hil­fe der Se­quenz wie­der und wie­der in neue mu­si­ka­li­sche Ent­fal­tungs­räu­me ein­tau­chen.

Im­mer beim Über­gang von ei­ner Se­quenz­welt in die nächs­te er­scheint die Se­quenz in der vol­len Schön­heit ih­rer Ge­stalt be­son­ders deut­lich.

Müt­ter­lich lenkt sie da­bei die Mo­ti­ve – sucht sie in der al­ten Welt zu­sam­men, er­mun­tert sie zum Ein­tre­ten in die neue Welt und gibt ih­nen durch die At­trak­tion ih­rer müt­ter­li­chen Schön­heit das Ver­trau­en, furcht­los in das Neu­land der fol­gen­den Se­quenz vor­zu­sto­ßen.

Denn die neue Se­quenz­welt er­scheint im Ver­ständ­nis der „Kin­der“ (der Mo­ti­ve) als die ge­heim­nis­vol­le un­be­kann­te Sphä­re ei­ner neu­en Ge­ne­ra­ti­on.

Die Se­quenz­tech­nik ist die­je­ni­ge Kraft der mu­si­ka­li­schen Lo­gik, wel­che von in­nen her die Mo­tiv­tech­nik be­herrscht.
Nach den in­ne­ren Ge­stal­tungs­re­geln der Se­quenz­tech­nik regt die Se­quenz die Mo­ti­ve an, hält sie zu­sam­men und be­ru­higt sie auch wie­der – wie die Mut­ter ih­re Kin­der um­sorgt.

Die Se­quenz­tech­nik be­wirkt, daß die na­tür­li­che Ord­nung der Mo­ti­ve nicht aus­ein­an­der­fällt – auch wenn die Mo­ti­ve noch so ge­gen­sätz­li­cher Na­tur sind und wenn sie sich im Ver­lauf des mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hens auch noch so sehr wi­der­spre­chen.

In Form von Har­mo­nie­ge­set­zen ent­hält die Se­quenz­tech­nik die­je­ni­gen Prin­zi­pien, wel­che die Be­zie­hung der Mo­ti­ve un­ter­ein­an­der ver­bes­sern.

Die Se­quenz­tech­nik ist der „Be­reich der So­zi­al­ge­set­ze der Mo­ti­ve“, wäh­rend die Mo­tiv­tech­nik die In­di­vi­du­al­ge­set­ze der Mo­ti­ve um­faßt.

Die Se­quenz­tech­nik ist al­so ei­ne na­tür­li­che Über­ord­nung der Mo­tiv­tech­nik – wo­bei die Mo­tiv­tech­nik aus der Se­quenz­tech­nik er­wächst, in die­ser schon la­tent vor­han­den ist und nicht et­wa spä­ter künst­lich auf die Se­quenz­tech­nik auf­ge­setzt wur­de.

Die Se­quenz ist die­je­ni­ge in­ne­re Le­bens­re­gung der Kom­po­si­ti­on, wel­che die Mo­ti­ve so na­tür­lich mit­ein­an­der ver­bin­det, wie un­se­re Hand­flä­che die Fin­ger zu­sam­men­hält.


Und eben­so ge­ring­fü­gig, wie die Hand­flä­che sich be­wegt, auch wenn sie die ein­zel­nen Fin­ger ak­ti­viert, so we­nig ist die Se­quenz be­wegt, auch wenn die ein­zel­nen Mo­ti­ve im Tanz der Mu­sik aus­ein­an­der- oder zu­sam­men­stre­ben.

We­gen die­ser ih­rer dis­kre­ten Hand­lungs­wei­se ist die Se­quenz in der Kom­po­si­tion auch nicht leicht zu iden­ti­fi­zie­ren.

So wirkt die Se­quenz als all­näh­ren­de Mo­tiv­mut­ter zwi­schen der Har­mo­nie und den tan­zen­den Mo­ti­ven und be­zau­bert die Mo­ti­ve mit den Qua­li­tä­ten der Har­mo­nie.

In müt­ter­li­cher Wei­se hält die Se­quenz die Mo­ti­ve zu­sam­men und har­mo­ni­siert de­ren oft aus­ein­an­der­stre­ben­de In­ten­tio­nen.
Sie läßt ih­nen da­bei je­doch ei­nen äu­ßerst gro­ßen Spiel­raum zur in­di­vi­du­el­len schöp­fe­ri­schen Ent­fal­tung.

Auf der Ebe­ne der Se­quenz­tech­nik liegt die Kunst des Kom­po­nie­rens dar­in, daß die freie Ent­fal­tung der Mo­ti­ve im Ver­lau­fe des mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hens von der Se­quenz nur un­ter­stützt und nie ge­hemmt wird, und daß die Mo­ti­ve, von der Schön­heit der Se­quenz be­flü­gelt, im­mer nur die na­tür­li­che in­ne­re Macht der Har­mo­nie le­ben.

Die Meis­ter­schaft der an­ge­wand­ten Se­quenz­tech­nik liegt in der Kunst der kom­po­si­to­ri­schen Ver­schmel­zung der Mo­ti­ve mit der Har­mo­nie.

So ver­kör­pert die an­ge­wand­te Se­quenz­tech­nik ei­nen um­fas­sen­de­ren Ge­stal­tungs­wil­len als die an­ge­wand­te Mo­tiv­tech­nik.

Denn sie wirkt in ei­ner Di­men­si­on hö­he­rer mu­si­ka­li­scher Ord­nung, in der Welt der Se­quenz, wo auf der Ebe­ne der So­zi­al­struk­tur der Kom­po­si­tion die in­di­vi­du­el­len Mo­ti­ve zu­sam­men­ge­hal­ten wer­den.

Auf die­se Wei­se die­nen die Müt­ter (die Se­quen­zen) dem Ur­va­ter der Mu­sik (der Har­mo­nie), da sie des­sen Kin­der (die Mo­ti­ve) in­spi­rie­rend durch die Welt der Mu­sik ge­lei­ten.


 

                                                                                

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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