PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil V
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DIE KRÄFTEFELDER DER MUSIK
    
    
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Das Tor der Harmonie
zur äußeren Musik



Wäh­rend die Har­mo­nie das Feld rei­ner mu­si­ka­lisch-mensch­li­cher Er­kennt­nis ist – ohne räum­li­che und zeit­li­che Aus­deh­nung –, be­deu­tet Har­mo­nik das Tor der Har­mo­nie zur äu­ße­ren Mu­sik: den Über­gang des In-sich-be­grif­fen-Seins zum Vor­gang des Be­grei­fens ei­ner mu­si­ka­li­schen Hand­lung.

Für den mu­si­ka­li­schen Ton­raum ist die in­ni­ge Ver­bin­dung mit der Har­mo­nik sei­ne di­rek­te Ver­knüp­fung mit Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft.
Denn in voll­kom­me­ner In­te­gra­tion be­in­hal­tet die Har­mo­nik al­le Ge­set­ze, nach de­nen der mu­si­ka­li­sche Ton­raum struk­tu­riert wird.

So öff­net die Har­mo­nik auf ei­ner we­sent­lich hö­he­ren Ord­nungs­ebe­ne als die Mo­tiv­tech­nik und selbst auf ei­ner noch hö­he­ren Ord­nungs­ebe­ne als die Se­quenz­tech­nik im Jetzt des ge­gen­wär­ti­gen Mu­sik­er­eig­nis­ses das Tor zur schon er­klun­ge­nen Mu­sik und zur noch fol­gen­den Mu­sik.

Durch die Ge­set­ze der Har­mo­nik wird die ge­sam­te Kom­po­si­tion mit­tels der an­ge­wand­ten Har­mo­nik zu­sam­men­ge­hal­ten.

Die Har­mo­nik ist der Wil­le der Har­mo­nie zur Macht in der Welt der Mu­sik.
Sie ist der prak­ti­sche An­satz zur in­te­grie­ren­den Herr­schaft der Har­mo­nie über das in­ner­lich und äu­ßer­lich tö­nen­de Mu­sik­er­eig­nis.

Die Har­mo­nik ist das­je­ni­ge ge­hei­me höchs­te Kräf­te­feld der Mu­sik, wel­ches die tö­nen­de Viel­falt ei­nes Mu­sik­werks in der ge­ord­ne­ten Far­ben­pracht sei­ner in­ni­gen kom­po­si­to­ri­schen Ver­bin­dun­gen auf­recht­er­hält.

„Nur der Kom­po­nist drang wahr­haft in die Ge­heim­nis­se der Har­mo­nie ein, der durch sie auf das Ge­müt des Men­schen zu wir­ken ver­mag; ihm sind die Za­hlen­pro­por­tio­nen, wel­che dem Gram­ma­ti­ker ohne Ge­ni­us nur to­te, star­re Re­chen­ex­em­pel blei­ben, ma­gi­sche Prä­pa­ra­te, de­nen er ei­ne Zau­ber­welt ent­stei­gen läßt.“
E.T.A. Hoffmann

Die bis­he­ri­ge Mu­sik­theo­rie er­kann­te die­se zen­tra­le Stel­lung der Har­mo­nik nicht und ge­riet des­halb in die Ho­mo­pho­nie und un­ter den läh­men­den Ein­fluß ste­ri­ler Tö­ne – ganz zu schwei­gen da­von, daß die Mu­sik­wis­sen­schaft die Har­mo­nie selbst nicht er­kann­te, je­ne uni­ver­sa­le Grund­la­ge der Mu­sik, jen­seits des Klan­ges, jen­seits von Raum und Zeit, jen­seits der Welt der Tö­ne und doch die Na­tur des Tons und das ge­sam­te Mu­sik­werk von in­nen her voll­kom­men be­stim­mend.


 

                                                                                 

 

 

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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