PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil VI
Teil VI
SINN DER MUSIKÜBERLIEFERUNG
    
    
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MUSIK
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„ ... etwas zu komponieren,
was die Menschheit aufrichtet und fördert
etwas von dauerhaftem Wert.“
Brahms


Höchste musikalische Erkenntnis



Die voll­stän­di­ge Er­fül­lung im Be­reich der Mu­sik liegt im spon­ta­nen gleich­zei­ti­gen Er­ken­nen al­ler mu­si­ka­li­schen Ord­nungs­schich­ten in de­ren voll­stän­di­ger In­te­gra­tion und ba­siert da­mit in der rei­nen Er­kennt­nis der Wahr­heit selbst – jen­seits des mu­si­ka­li­schen Ge­wan­des.

Die mu­si­ka­li­schen Be­rei­che ver­schie­de­ner kom­po­si­to­ri­scher Fein­heits­gra­de un­ter­schei­den sich struk­tu­rell von­ein­an­der durch ihr Maß an In­for­ma­ti­ons­dich­te, und hier drückt sich die Be­deu­tung des „Dich­tens“ un­mit­tel­bar aus, das be­deu­tet: des Im­mer-dich­ter-Rü­ckens, des Ver­fei­nerns, un­ter Bei­be­hal­tung al­ler As­pek­te.

Die voll­kom­me­ne Ge­stal­tung der fei­ne­ren Wel­ten der Mu­sik er­for­dert ho­he dich­te­ri­sche Fä­hig­keit beim Ton­künst­ler.

In der un­end­li­chen Dich­te der Har­mo­nie ist die ge­sam­te Kom­po­si­tion wie in Sa­men­form vor­han­den und wächst nur für den kur­zen Au­gen­blick des Hö­rens als die ge­schaf­fe­ne Kom­po­si­tion hin­aus in die hör­ba­re Welt der Mu­sik.

„Alle Musik ist eigentlich innere Musik
und muß wieder
zur inneren Musik werden.“
Gerhard Hauptmann

Die be­leb­te Stil­le der Har­mo­nie tief im Her­zen des Ton­künst­lers ist auch das Herz je­der sei­ner Kom­po­si­tio­nen.
Sie ist der Ur­sprung sei­ner Mu­sik und ist das Ziel sei­ner Mu­sik: sie ist der gro­ße Oze­an al­les des­sen, was in un­ter­schied­li­chen Wel­len­for­ma­tio­nen als Kom­po­si­tion bis in die ob­jek­ti­ve Sphä­re des mu­si­ka­li­schen Ton­raums im Geis­te des Ton­schöp­fers hin­ein­schwingt.

Die Mu­sik ist mit ih­ren kom­po­si­to­ri­schen Mit­teln prä­des­ti­niert, in­ner­mensch­li­che Evo­lu­tion ex­akt und all­ge­mein ver­ständ­lich zu be­schrei­ben.

Des­halb fühlt sich der Hö­rer vom Kom­po­nis­ten ein­fach als Mensch ver­stan­den.

Er sieht sich durch die mu­si­ka­li­sche Aus­sa­ge in vie­len sei­ner in­ne­ren Er­wä­gun­gen be­stä­tigt und fin­det im Ton­künst­ler ei­nen Freund, wel­cher sei­ne ganz per­sön­li­chen Über­le­gun­gen teilt.

So ha­ben die gro­ßen Kom­po­nis­ten den­je­ni­gen Men­schen wei­ter­ge­hol­fen, die sich in ih­ren tie­fen Ein­sich­ten von der ge­dan­ken­lo­sen Mas­se nicht ver­stan­den sa­hen und die un­ter dem Druck der Mas­se an der Rich­tig­keit ih­rer ei­ge­nen Wahr­hei­ten ge­zwei­felt hät­ten, wenn nicht ein als groß Er­kann­ter ih­nen über die Spra­che der Mu­sik die glei­che Er­kennt­nis kund­ge­tan hät­te und sie in ih­rem her­aus­ra­gen­den, viel­leicht so­gar von der Um­ge­bung als un­be­quem emp­fun­de­nen, für sie selbst je­doch er­fül­len­den und als wahr er­kann­ten Wis­sen be­stärkt hät­te.

Hier of­fen­bart sich dem Hö­rer im klas­si­schen Ton­künst­ler ein Ge­fähr­te, der selbst dem Druck der Mas­sen­mei­nung stand­hielt und der sei­ne Lie­be zur Wahr­heit für ge­ra­de ihn über­lie­fer­te, für die­sen ei­nen Hö­rer.


 

                                                                                 

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

NATÜRLICHES
MUSIK SCHAFFEN
VI.
SINN DER
MUSIKÜBERLIEFERUNG
Höchste musikalische
Erkenntnis
Sicherung des
individuellen

Lebensweges
Der tiefere
musikalische Sinn
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