Machtverhältnisse in der melodischen
Führung
Die Intuition
Die musikalische
Kunst
Die innere
Handlung
der Motive
Oberwellenmotive
Jeder Ton der Melodie bestimmt alle folgenden Töne und alle vergangenen Töne.
Die melodische Führung steht unter der Schirmherrschaft der Sequenz und gestaltet sich aus der Welt der Harmonie heraus, und von hier aus sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht nur überschaubar, sondern sogar beeinflußbar.
Dieses schier unvorstellbare Beherrschen selbst der Vergangenheit geschieht nicht aufgrund irgendeines äußeren Willensaktes, sondern intuitiv und nicht vom Verstand her kontrolliert; es geschieht unschuldig, aus der tiefsten Tiefe des Gefühls heraus ohne analytische Intentionen.
Wenn diese ursprüngliche Fähigkeit der Intuition vom Tondichter nicht auf natürliche Weise beherrscht wird, so gibt es keine musikalische Kunst.
Der Musiker, der einfach die Wahrheit sagen sollte, wird zum Interpreten, zum Umschreiber der Wahrheit, und bleibt in dem Versuch stecken, aus einer ganz anderen geistigen Welt, aus seiner eigenen begrenzten Welt Unbegrenztes beschreiben zu wollen was er aber aufgrund mangelnder eigener Erkenntnisleistung gar nicht vermag.
Von dieser Erkenntnis ausgehend kann man feststellen, daß die innerhalb des Tons handelnden Oberwellenmotive zu den bisher bekannten vermeintlichen Motiven welche aber nur Tonfolgen sind in dem gleichen Verhältnis stehen wie die innere Persönlichkeitsentfaltung eines Menschen gegenüber dessen äußerem Tun.
Wenn diese „innere Handlung“ der Oberwellenmotive im Mikrokosmos der Musik nicht stattfindet, dann entspricht dies in unserem Vergleich der Bewegung eines Roboters, der zwar menschenähnlich aussehen mag, aber trotzdem kein Leben hat.