PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil IX
Teil IX
DIE ORDNUNGSSYSTEME IN DER MUSIK
    
    
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MUSIK
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Das Ordnungssystem der Töne


Tonalitäten
der Völker


Die Lebensatmosphäre der Melodie

 

 


Der Ursprung
der Tonalität

 

Die künstlerische
Gestaltung
der Tonalität

 

Empfindungen, geistige Eindrücke und Stimmungen durch Tonalitäten

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Grenzen
des Erkennens
derTonalität

 

 


Schulung
des geistigen
Differenzierungs- vermögens

Tonalität



To­na­li­tät ist das Ord­nungs­sys­tem der Tö­ne, ist die­je­ni­ge cha­rak­te­ris­ti­sche Ord­nung der Tö­ne, in der ein Mo­tiv sich zur Me­lo­die hin ent­fal­tet. Da­bei gibt es To­na­li­täts­ord­nun­gen ganz un­ter­schied­li­cher Grö­ße.

Die Mu­sik­ge­schich­te der Völ­ker kennt ganz ver­schie­de­ne To­na­li­tä­ten, wel­che man heu­te noch irr­tüm­lich als Ton­lei­tern hin­stellt, sie aber den­noch mit „To­na­li­tät“ be­zeich­net.

To­na­li­tät ist ur­sprüng­lich die Ver­kör­pe­rung ei­nes Prin­zips in­ner­to­na­ler Ge­stal­tung des mu­si­ka­li­schen Ton­raums.
In­dem sich das Mo­tiv in ganz un­ter­schied­lich struk­tu­rier­ten mu­si­ka­li­schen Ge­stal­tungs­räu­men zu ganz ver­schie­de­nen Me­lo­dien ent­fal­tet, be­hält je­de Me­lo­die die von ihr zu­grun­de­ge­leg­te To­na­li­tät als ih­ren ur­ei­ge­nen Le­bens­raum, und die­se ver­leiht der Me­lo­die bei ih­rer schöp­fe­ri­schen Ent­fal­tung in­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit.

Der Ur­sprung der To­na­li­tät liegt in der Me­lo­dik, so wie der Ur­sprung der Me­lo­dik in der To­na­li­tät liegt, und die Wir­kung der To­na­li­tät strahlt in die Welt des mu­si­ka­li­schen Ton­raums und schafft des­sen „At­mos­phä­re“.

Die To­na­li­tät of­fen­bart sich in der künst­le­risch be­herrsch­ten Ober­wel­len­me­cha­nik des Tons – im le­ben­di­gen si­che­ren Ge­brauch je­ner na­tür­li­chen phy­si­ka­li­schen in­ne­ren Struk­tur des Tons, wel­che durch das heutzeit­ge­mä­ße fal­sche Par­ti­tur­le­sen völ­lig in Ver­ges­sen­heit ge­riet.

Das Ober­wel­len­spek­trum läßt sich auf ganz un­ter­schied­li­che Wei­se er­zeu­gen und erhö­ren und ruft je nach der Ord­nung der ge­hör­ten Ober­tö­ne, je nach ih­rer To­na­li­tät, auch ganz ver­schie­de­ne Emp­fin­dun­gen und geis­ti­ge Ein­drü­cke, ganz un­ter­schied­li­che Stim­mun­gen bei uns Hö­rern her­vor.

Da ein Ober­wel­len­spek­trum sei­ner na­tür­li­chen An­la­ge ge­mäß ei­ne un­end­li­che Viel­zahl ver­schie­de­ner Ein­zel­tö­ne ent­hält, die als ein­zel­ne Ober­wel­len auf­leuch­ten, so er­gibt sich aus de­ren un­ter­schied­li­chen Kom­bi­na­tio­nen ei­ne un­end­li­che Viel­falt mu­si­ka­li­scher Ton­raum­ord­nun­gen – ei­ne un­end­li­che Viel­falt von To­na­li­tä­ten.

Das be­wuß­te Wahr­neh­men der Ober­wel­len in un­se­rem in­ne­ren Ge­hör ist von der Fein­heit un­se­rer Ge­hörs­emp­fin­dung ab­hän­gig, und je wei­ter die Ober­wel­len vom Grund­ton ent­fernt sind, um so fei­ner sind sie in ih­rer ei­ge­nen Struk­tur – um so lei­ser klin­gen sie und um so schwe­rer sind sie des­halb hör­bar; auch um so dich­ter lie­gen sie bei­ein­an­der und um so schwie­ri­ger sind sie des­halb von­ein­an­der zu un­ter­schei­den.

So kommt der in­ner­lich Hö­ren­de ir­gend­wo an ei­ne Gren­ze, an wel­cher er zwei be­nach­bar­te Ober­wel­len in ih­ren Ton­hö­hen nicht mehr von­ein­an­der un­ter­schei­den kann und wo sein geis­ti­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen, sein in­tel­lek­tu­el­les Un­ter­schei­dungs­ver­mö­gen – an­ge­wandt auf den Ton – nicht mehr wei­ter leis­tungs­fä­hig ist und wo er al­le noch fei­ner dif­fe­ren­zier­ten Ober­wel­len al­len­falls als ein Ge­räusch­er­eig­nis wahr­nimmt.

Wird das geis­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen sys­te­ma­tisch ge­schult, so dringt der Mu­si­ker be­zie­hungs­wei­se der Hö­rer in sei­nem in­ne­ren Ohr im­mer tie­fer in die na­tur­ge­ge­be­ne Welt der mu­si­ka­li­schen Ton­räu­me ein – und er hört und er­kennt ge­mäß sei­nem ver­fei­ner­ten Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen auf der Ebe­ne sei­nes Ge­fühls in den tie­fen Wel­ten der Mu­sik die ver­schie­de­nen To­na­li­tä­ten: je­ne viel­fäl­ti­gen „Pla­ne­ten­bah­nen des mu­si­ka­li­schen Ton­raums“.


 

 

                                                                                 

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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