Lebensgewohnheiten und Lebenserfahrungen
der Völker
Die
Welten
der Völker
Der unterschiedliche Gebrauch
der inneren
Menschenkräfte
Kulturraum
und Sprache
Auseinanderklaffen
der Erfahrungen
unterschiedlicher Kulturräume
Aufgabe
der Tonalität
Beschreibung unterschiedlicher Lebensatmosphären
Die Völker kennen so manche Lebensgewohnheiten und Lebenserfahrungen anderer Völker nicht und drücken deshalb in ihrer Sprache in ihren Mitteilungen auch nur ihre eigenen Lebensgewohnheiten und Lebenserfahrungen aus.
So kennt der Ureinwohner im australischen Busch nicht die abendlichen Großstadtlichter. Dafür aber erschließt sich ihm die Vielfalt des Gesanges im nächtlichen Dschungel, und so wie der Großstadtmensch in seiner Sprache den Alltag seiner Stadt wie selbstverständlich ausdrückt, so drückt auf ganz natürliche Weise der im Busch Lebende die vielfältige Welt des Dschungels aus.
Auf feineren Ebenen, in einem feineren Lebensbereich, kennen wir in unserem Kulturraum zum Beispiel in Deutschland das Phänomen der Gemütlichkeit, etwa des gemütlichen Beisammenseins am Kamin: es herrscht eine gewisse Stille, nur unterbrochen durch das leise Knacken des Holzes im Feuer, und es entsteht eine geistig-seelische Vertrautheit der Mitglieder am Feuer.
Die Erfahrung eines solchen von der Stille geprägten Gemeinschaftsbewußtseins können wir in unserer Sprache in unserem Kulturbereich begrifflich mitteilen, und wir finden bei den Angehörigen unserer Heimat ein natürliches Verständnis und inneres Einfühlungsvermögen in diese vom Gemüt beherrschte Situation.
Natürlich ist es nicht die äußere Szene des Kaminfeuers, die den uns vertrauten Eindruck des Gemütlichen erfaßt, sondern eine viele Jahrhunderte alte Kultur des Gemeinschaftssinns.
Wir wissen, daß beispielsweise ein Amerikaner dem Begriff „Gemütlichkeit“ fast verständnislos gegenübersteht.
Uns dagegen befremdet die Szene seiner perfekten Cocktailparty.
Rein äußerlich erkennen wir dieses Auseinanderklaffen von Erfahrungen unterschiedlicher Kulturräume schon daran, daß die entsprechenden mit einem jeweiligen Lebensgefühl verknüpften Worte von der einen Sprache unverändert in die andere Sprache übernommen werden.
So benutzt der Amerikaner mit geringem Erfolg in seinem Lande unser Wort „gemütlich“, und wir gebrauchen in unserem Lande mit ebenso geringem Erfolg den amerikanischen Begriff der „Cocktailparty“.
Die Aufgabe der Tonalität liegt in der Beschreibung unterschiedlicher Lebensatmosphären.
Wie sich für uns persönlich die verschiedenen Lebensräume der Menschheit sehr wesentlich und ganz lebendig voneinander unterscheiden, so unterscheiden sich die Tonalitäten voneinander.
Und wie der Mensch in unterschiedlichen Lebensräumen natürlicherweise ganz verschiedene voneinander abweichende Lebenswege beschreitet, so entfaltet sich in unterschiedlichen Tonalitäten das Motiv ganz verschieden und beschreibt diese unterschiedlichen Entfaltungswege in ganz unterschiedlichen Melodien.