PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil IX
Teil IX
DIE ORDNUNGSSYSTEME IN DER MUSIK
    
    
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MUSIK
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Verlust
des Mikrokosmos
der Musik

 


Schaffung des
Makrokosmos
der Musik

 



Tonale Entwicklung
der letzten
Jahrtausende

 

 

 



Die Oktave

 

 

 

Quintparallelen

 

 

 

 

Von der Quarte
bis zur kleinen Terz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Intervalldominanzen zwischen Klassik
und Romantik

Anfänge der Musikgeschichte



In den An­fän­gen un­se­rer be­kann­ten Mu­sik­ge­schich­te wur­de ein­stim­mig ge­sun­gen und ge­spielt.
Dann ging mit dem Ver­lust des geis­ti­gen Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gens in­ner­halb des Tons der Mi­kro­kos­mos der Mu­sik ver­lo­ren.
Was üb­rig­blieb, war der un­dif­fe­ren­zier­te, in­dif­fe­ren­te Ton.

So­dann ver­such­te man, auf die­sen ei­nen Ton im Mak­ro­kos­mos der Mu­sik die Tö­ne des Ober­wel­len­spek­trums als wei­te­re, äu­ße­re Be­gleit­tö­ne nach­ein­an­der auf­zu­bau­en, und die­ser künst­li­che Auf­bau be­ein­fluß­te als der un­be­wuß­te äu­ße­re Er­satz für den in­ne­ren Ver­lust des Tons die ge­sam­te mu­sik­ge­schicht­li­che Ent­wick­lung, so­weit wir sie ken­nen.

His­to­risch über­bli­cken wir des­halb in den letz­ten Jahr­tau­sen­den fol­gen­de to­na­le Ent­wick­lung: Mit dem An­wach­sen ei­nes äu­ße­ren Dif­fer­en­zie­rungs­be­dürf­nisses im Mak­ro­kos­mos der Mu­sik streb­te man von der Ein­stim­mig­keit aus­ge­hend die Mehr­stim­mig­keit an.

Des­halb er­wei­ter­te man die „Ein­tö­nig­keit“ erst ein­mal zur „Zwei­tö­nig­keit“, und bei die­sem an­geb­li­chen Fort­schritt bau­te man in ei­ner lan­gen Ent­wick­lung – in Er­man­ge­lung der in­ne­ren Struk­tur­ge­stal­tung des na­tur­ge­ge­be­nen Ober­wel­len­spek­trums – als Er­satz äu­ße­re Mehr­stim­mig­keit auf.

So sang und mu­si­zier­te man zu­nächst zwei­stim­mig in der Ok­ta­ve. Die Ok­ta­ve ist der Ab­stand vom Grund­ton zum ers­ten Ober­ton.
Hier läßt sich beim Sin­gen und Spie­len in den Ok­ta­ven auf ein dif­fe­ren­zie­ren­des Hör­ver­mö­gen zwi­schen dem Grund­ton und dem ers­ten Ober­ton schlie­ßen. Nach Pythagoras steht die Ok­ta­ve im Ver­hält­nis 1:2.

Spä­ter – ver­bun­den mit gro­ßen Auf­re­gungen in der Mu­sik­fach­welt – sang und spiel­te man ganz „zeit­ge­mäß“ mo­dern in Quint­pa­ral­le­len. Die Quin­te ist der Ab­stand vom ers­ten zum zwei­ten Ober­ton.

Hier läßt sich beim Sin­gen und Spie­len in Quin­ten auf ein dif­fe­ren­zie­ren­des Hör­ver­mö­gen zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Ober­ton schlie­ßen. Die Quin­te steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 2:3.

So­dann sang und spiel­te man ganz „zeit­ge­mäß mo­dern“ im Ab­stand der Quar­te, dem Ab­stand zwi­schen zwei­tem und drit­tem Ober­ton.

Hier läßt sich bei den in Quar­ten Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem zwei­ten und drit­ten Ober­ton schlie­ßen. Die Quar­te steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 3:4.

Viel spä­ter – und ver­bun­den mit gro­ßen Re­vol­ten in der Mu­sik­fach­welt – mu­si­zier­te man im Ab­stand der gro­ßen Terz, dem Ab­stand vom drit­ten zum vier­ten Ober­ton.

Hier läßt sich bei den in Ter­zen Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem drit­ten und vier­ten Ober­ton schlie­ßen. Die gro­ße Terz steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 4:5.

Da­nach mu­si­zier­te man im Ab­stand der klei­nen Terz, dem Ab­stand des vier­ten und fünf­ten be­zie­hungs­wei­se des fünf­ten und sechs­ten Ober­tons.

Hier läßt sich bei den in klei­nen Ter­zen Sin­gen­den und Spie­len­den auf ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen zwi­schen dem vier­ten und fünf­ten Ober­ton (und dem 6. Ober­ton) schlie­ßen. Die klei­ne Terz steht nach Pythagoras im Ver­hält­nis 5:6 be­zie­hungs­wei­se 6:7.

Et­wa zu Bachs Zei­ten wur­den die Ter­zen fest eta­bliert, und bis in die Spät­zeit der Ro­man­tik wa­ren sie die be­vor­zug­ten In­ter­val­le.

Nur der Tat­sa­che, daß Ok­ta­ve, Quin­te und Quar­te als do­mi­nie­ren­de In­ter­val­le in der Na­tur­ton­rei­he der Blech­blas­in­stru­men­te auf die­sen so leicht und na­tür­lich zu spie­len sind, ist es zu ver­dan­ken, daß uns auch die­se gro­ßen In­ter­val­le über die Beet­ho­ven­sche Mu­sik bis hin zur Mu­sik Wagners so le­ben­dig er­hal­ten blie­ben.


 

                                                                                

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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MUSIK SCHAFFEN
IX
DIE ORD­NUNGS­SYS­TE­ME IN DER MUSIK
Tonalität
Verschiedenheiten
der Erkenntnis
im Spiegel der Sprache
Anfänge der
Musikgeschichte
Die Neutöner
des 20. Jahrhunderts
im Intervallbereich
Vordringen zum
transzendentalen Spiel
der Musik
Musikalische Einsicht
in die Kultur der Völker
Musikalische Verwand-
schaftsverhältnisse
Der musikalische Weg
zur Selbsterkenntnis
Homophonie
Polyphonie
Der Kontrapunkt
Die dreifache
vollkommene Gestalt
der Harmonie
Die Verwandtschaften
in der Musik
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