PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil IX
Teil IX
DIE ORDNUNGSSYSTEME IN DER MUSIK
    
    
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MUSIK
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Mechanistisches Differenzieren
im Makrokosmos
der Musik

 

 


Die erzwungene
Ehe von
Makrokosmos und
Mikrokosmos
der Musik


Aneinanderreiben der hohen
Obertöne

 

 

 

 

 


Zwölftonmusik
und serielle
Kompositionstechnik

 

 

 

 

 

Tonale Orientierung der
großen Tondichter
der Klassik

Jenseits musikalischer Konstruktionen
am Zeichenbrett

Die Neutöner des 20. Jahrhunderts
im Intervallbereich



Mit der Kon­struk­tion der Ven­til­in­stru­men­te er­starb bei den Neu­tö­nern des 20. Jahr­hun­derts schließ­lich auch das In­te­res­se an die­sen gro­ßen na­tür­li­chen Haupt­in­ter­val­len, und sie wand­ten sich den noch dif­fe­ren­zier­te­ren In­ter­val­len der gro­ßen und der klei­nen Se­kun­de zu – das heißt dem Raum zwi­schen sieb­tem und ach­tem Ober­ton, ach­tem und neun­tem Ober­ton oder zwi­schen neun­tem und zehn­tem Ober­ton be­zie­hungs­wei­se dem Raum zwi­schen zehn­tem und elf­tem Ober­ton.

Hier be­gan­nen sie al­ler­dings, den Mu­sik­lieb­ha­ber zu er­schre­cken; denn hier zeig­te sich selbst dem un­ge­schul­ten Ohr ei­nes Hö­rers die Dis­kre­panz ei­ner „erz­wun­ge­nen Ehe“ von Mak­ro­kos­mos und Mi­kro­kos­mos der Mu­sik, bei wel­cher der Mi­kro­kos­mos durch die man­geln­de Sen­si­bi­li­tät des Mak­ro­kos­mos schril­le Dis­so­nan­zen er­zeugt.

Das Sich­be­drän­gen von eng be­nach­bar­ten Ober­wel­len durch das kon­stan­te Spie­len von zu eng bei­ein­an­der­lie­gen­den Tö­nen mit Ober­wel­len­ge­halt be­wirkt durch das An­ein­an­der­rei­ben der ho­hen Ober­tö­ne ei­ne be­frem­den­de klang­li­che Schär­fe und zer­stört da­durch das Er­fas­sen des in­ne­ren Ge­hal­tes ei­ner Kom­po­si­ti­on; denn die­se schril­len Dis­so­nan­zen len­ken die Auf­merk­sam­keit des Hö­rers, aber auch selbst die­je­ni­ge des Mu­si­kers von der in­ne­ren Lo­gik der Kom­po­si­tion mit Pe­ne­tranz auf das äu­ße­re Ober­wel­len­ge­fecht.

So kämpft je­de Ober­wel­le um den Vor­rang ge­gen­über der Nach­bar­wel­le, was wir als schrill emp­fin­den und als un­an­ge­nehm ver­ur­tei­len.

Und hier sind wir schon mit­ten in der Zwölf­ton­mu­sik und in der se­riel­len Kom­po­si­ti­ons­tech­nik des 20. Jahr­hun­derts – bei der so­ge­nann­ten Avant­gar­de.

Nicht, daß die gro­ßen Klas­si­ker un­fä­hig ge­we­sen wä­ren, auch in Se­kun­den zu schrei­ben oder Dis­so­nan­zen her­vor­zu­brin­gen.

Aber sie kann­ten in dem Ge­misch aus äu­ßer­lich-mu­si­ka­li­schem Mak­ro­kos­mos und in­ner­lich-to­na­lem Mi­kro­kos­mos die na­tür­li­chen Gren­zen, wel­che so­lan­ge be­ste­hen, wie der Mi­kro­kos­mos der Mu­sik vom Mu­si­ker nicht be­herrscht wird.

Die gro­ßen Ton­dich­ter der Klas­sik von Bach bis hin zu Wagner gin­gen des­halb nur bis zu die­ser Gren­ze der Dis­har­mo­nie vor und ge­stal­te­ten so über­wie­gend har­mo­ni­sche Mu­sik.

Die­se Tat­sa­che zeigt, daß sie sich am na­tür­li­chen in­ne­ren Hö­ren ori­en­tier­ten, und daß für sie ein Blatt Pa­pier mit No­ten­li­nien nicht ein Zei­chen­brett mu­si­ka­li­scher Kon­struk­tio­nen war.

Mit voll­stän­di­ger Si­cher­heit ver­zeich­ne­ten die gro­ßen Klas­si­ker, was sie in­ner­lich hör­ten.


 

                                                                                 

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

NATÜRLICHES
MUSIK SCHAFFEN
IX
DIE ORD­NUNGS­SYS­TE­ME IN DER MUSIK
Tonalität
Verschiedenheiten
der Erkenntnis
im Spiegel der Sprache
Anfänge der
Musikgeschichte
Die Neutöner
des 20. Jahrhunderts
im Intervallbereich
Vordringen zum
transzendentalen Spiel
der Musik
Musikalische Einsicht
in die Kultur der Völker
Musikalische Verwand-
schaftsverhältnisse
Der musikalische Weg
zur Selbsterkenntnis
Homophonie
Polyphonie
Der Kontrapunkt
Die dreifache
vollkommene Gestalt
der Harmonie
Die Verwandtschaften
in der Musik
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intelligence                  creativity                     harmony