PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil X
Teil X
WISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN DER MUSIKÄSTHETIK
    
    
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MUSIK
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Der musikalisch-
künstlerische Zweck

 

 

 

 




Allgemein- menschliche Einsicht
des praktizierenden
Musikers


Die Begegnung
des Hörers mit der
Unendlichkeit


Der vollkommene
Musikhörer


Die unendliche
Leistung
in der Tonkunst



Der unendliche
Prozeß der
vollkommenen musikalischen Integration

 

 

Der musikalische
Weg der
menschlichen Selbsterkenntnis


Die kulturelle
Leistung der Musik

Das natürliche Potential
des wirklichen Künstlers



Der mu­si­ka­lisch-künst­le­ri­sche Zweck ent­springt aus dem na­tür­li­chen Po­ten­ti­al des Künst­lers,

  1. eine Wahrheit zu erkennen,
  2. ei­ne Wahr­heit in die dich­te­ri­sche Form des künst­le­ri­schen Aus­drucks zu brin­gen,
  3. ei­ner Wahr­heit in der dich­te­ri­schen Form des künst­le­ri­schen Aus­drucks das At­tri­but der all­ge­mei­nen Ver­ständ­lich­keit zu ver­lei­hen,
  4. ei­ne Wahr­heit nur dann mu­si­ka­lisch aus­zu­spre­chen, wenn ih­re Of­fen­ba­rung von der Na­tur ge­wollt ist, das heißt, wenn sie tief men­schen­ge­wünscht ist.
Der prak­ti­zie­ren­de Mu­si­ker muß al­so nicht nur über tie­fe Er­kennt­nis ver­fü­gen und die­se sei­nen Mit­men­schen zu­gäng­lich ma­chen, son­dern er muß auch sehr ge­nau wis­sen, was sein Nächs­ter wirk­lich braucht – nicht, was die­ser ober­fläch­lich will –, und da­bei muß er zu­nächst wis­sen, wo sein Nächs­ter geis­tig be­hei­ma­tet ist.

Lebt sein Nächs­ter mit Ge­fühl und Ver­stand nicht in der Un­end­lich­keit, so muß der Künst­ler ihm erst ein­mal ei­nen Ge­schmack von die­ser Wirk­lich­keit ge­ben und ihn zum si­che­ren Er­lan­gen un­be­grenz­ter Be­wußt­heit in­spi­rie­ren.

Ist der Mu­sik­hö­rer be­reits im Un­end­li­chen ge­grün­det, so muß der Künst­ler ihm die Viel­falt ei­nes Le­bens in Un­be­grenzt­heit ver­herr­li­chen.

Im ers­ten Fal­le – das heißt, wenn der Künst­ler ver­pflich­tet ist, den be­grenzt den­ken­den Hö­rer zum Un­be­grenz­ten zu in­spi­rie­ren – muß die her­vor­ge­brach­te Kom­po­si­tion ei­nen dau­ern­den Fluß vom Be­grenz­ten zum Un­be­grenz­ten dar­stel­len.

In ei­ner sol­chen Kom­po­si­tion wer­den sich die Mo­ti­ve lau­fend zu Me­lo­dien ent­fal­ten und da­bei von der un­end­li­chen Me­lo­die­füh­rung sys­te­ma­tisch in die un­be­grenz­te le­ben­di­ge Stil­le hin­ein­ge­lei­tet.

Auf ih­rem Le­bens­weg wer­den sich die Me­lo­dien des­halb zu Se­quen­zen um­wan­deln, und die Se­quen­zen wer­den schließ­lich die un­end­lich viel­fäl­ti­ge Ge­stalt der Har­mo­nie selbst an­neh­men.

So wird sich der kon­kre­te mu­si­ka­li­sche Ton­raum, wie wir ihn mit dem in­ne­ren Ge­hör er­fas­sen, in ei­ner sol­chen Kom­po­si­tion flie­ßend ver­fei­nern, und da­bei wird er schritt­wei­se um­ge­wan­delt in das Er­schei­nungs­bild un­se­res mensch­li­chen Ge­wis­sens.

Von hier aus erst ver­mag die Kom­po­si­tion im Mu­sik­lieb­ha­ber die Welt der Stil­le zu be­le­ben, und der Hö­rer er­kennt sei­ne ei­ge­ne in­ners­te Viel­falt, sei­ne in­ners­te viel­fäl­ti­ge Ge­stalt: er er­kennt die Har­mo­nie selbst.


 

                                                                                

 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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des wirklichen Künstlers
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