PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil X
Teil X
WISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN DER MUSIKÄSTHETIK
    
    
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MUSIK
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Der Prozeß
der musikalischen Entfaltung jenseits von Raum und Zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die kulturelle
Rückkopplung
in der Musik


Die kulturelle
Evolution
in der Musik

 

 

 

 


Befreiung von
der musikalischen
Massenmode

 


Die künstlerisch-
kulturelle Rückkopplung
in der Musik




Systematische Verfeinerung
der Kultur

 

 

 

 



 


Das persönliche
Leben
des Tonkünstlers
als Wurzel seiner
musikalischen Leistung

Synthese der künstlerischen und kulturellen Leistung der Musik



Im an­de­ren Fal­le – wenn der Hö­rer be­reits auf der Ebe­ne voll­stän­di­ger Er­fül­lung lebt – wird sich der mu­si­ka­li­sche Ge­dan­ke nur sehr dis­kret von der Har­mo­nie her in die Wel­ten der Se­quen­zen hin­ein auf­fä­chern; nur ganz fein wer­den sich Mo­ti­ve und Me­lo­dien die­ser Kom­po­si­tion in al­le Rich­tun­gen der mensch­li­chen Evo­lu­tion hin ent­fal­ten, denn der mu­si­ka­li­sche Sinn lebt hier los­ge­löst von Raum und Zeit – in der Ur­sub­stanz der Un­be­grenzt­heit des Rau­mes und in der Ur­sub­stanz der Un­end­lich­keit der Zeit.

Ei­ne sol­che Kom­po­si­tion wird kaum die Welt ei­nes in­ners­ten Zwie­ge­sprächs ver­las­sen – je­nes ver­trau­ten Zwie­ge­sprächs, wel­ches auf der Ebe­ne der Ein­heit ge­führt wird: dort, wo sich das in­ners­te Ge­fühl und das in­ners­te Ver­ste­hen des Men­schen nach in­nen zur Un­end­lich­keit hin aus­deh­nen.

„Dem Manne muß die Musik
Feuer aus dem Geist schlagen.“
Beethoven

Ei­ne künst­le­ri­sche Aus­sa­ge, die von der Um­ge­bung wirk­lich ge­braucht wird, kann sich sehr von ei­ner künst­le­ri­schen Aus­sa­ge un­ter­schei­den, nach der die Men­ge laut­hals ruft.

Je­de Mut­ter weiß, daß ihr Kind am liebs­ten im­mer Scho­ko­la­de und Bon­bons ißt.
Und war­um gibt sie ihm nicht an­dau­ernd nur die­se Sü­ßig­kei­ten zu es­sen? Weil sie weiß, daß da­mit die Er­näh­rung des Kin­des äu­ßerst un­voll­stän­dig wä­re, und daß dem Kind nicht al­le not­wen­di­gen Auf­bau­stof­fe zu­ge­führt wür­den.

Eben­so wünscht sich die Mas­se nur die seich­te Un­ter­hal­tungs­mu­sik.

Und bei de­ren Kon­sum ver­küm­mert ihr kri­ti­sches Ver­mö­gen zur geis­ti­gen Nah­rungs­auf­nah­me.

Zu ei­ner sol­chen ver­ant­wor­tungs­lo­sen (und nur ma­te­riell ein­träg­li­chen) Un­ter­stüt­zung der Mas­sen­mo­de gibt sich der wah­re Mu­si­ker nicht her; son­dern lie­be­voll för­dert er auf ganz dis­kre­te Wei­se den Ap­pe­tit des Hö­rers nach den­je­ni­gen viel­fäl­ti­gen Nähr­stof­fen, die die­ser für sein na­tür­li­ches in­ne­res Wachs­tum un­be­dingt braucht.

Der wirk­li­che Mu­si­ker er­faßt die mo­men­ta­ne geis­tig-see­li­sche Be­schaf­fen­heit sei­ner Um­ge­bung und läßt der Um­ge­bung die­je­ni­ge mu­si­ka­li­sche Nah­rung zu­kom­men, wel­che den Hö­rer im Pro­zeß sei­ner na­tür­li­chen mensch­li­chen Ent­fal­tung zu be­schleu­ni­gen ver­mag – und die da­bei gleich­zei­tig noch die ganz all­ge­mei­ne kul­tu­rel­le In­te­gra­tion vor­an­treibt.

Bei die­ser Leis­tung muß der Künst­ler erst ein­mal aus der Kul­tur sei­ner ei­ge­nen Um­ge­bung schöp­fen; aber er wird die­se vor­han­de­ne Kul­tur un­er­müd­lich ver­fei­nern, ver­edeln, ver­schö­nern, ver­voll­komm­nen; ge­ge­be­nen­falls muß er sie aus ei­nem Zu­stand in­di­vi­du­el­ler und so­zia­ler Zer­ris­sen­heit in ei­ne har­mo­ni­sche Welt kul­tu­rel­ler Ein­heit hin­ein­füh­ren.


„Wahrhaftigkeit ist die unerläßliche Bedingung
allen künstlerischen Wesens –
wie nicht minder
allen Wertes eines guten Charakters.“
Wagner


Ei­ne sol­che Leis­tung ver­langt im Le­ben des Ton­künst­lers selbst ganz be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen: er muß in sich selbst die Ein­heit von Ich­be­wußt­sein, Ge­fühl und Ver­stand ver­wirk­li­chen, und er muß in sei­nem Ge­wis­sen ganz fest den Plan fas­sen, die­se ei­ge­ne in­ne­re be­glü­cken­de Ein­heit auch in sei­ner Um­ge­bung zu ver­wirk­li­chen.

So muß er auch ganz per­sön­lich die Sub­stanz der Mu­sik er­ken­nen.
Denn erst auf der Ba­sis die­ser per­sön­li­chen Er­kennt­nis kann er als Mu­si­ker wahr­haf­tig le­bens­för­dernd wir­ken.


 

                                                                                   
 
 

© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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künstlerischen und

kulturellen Leistung
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