PETER HÜBNER – NATÜRLICHES MUSIKSCHAFFEN
Teil XII
Teil XII
MUSIK UND SPRACHE
    
    
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MUSIK
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Vergleich

 

 

 

Die Einheit der
kompositorischen Gestaltungskräfte von Musik und
Sprache

 

Die
unvollkommene Gestalt der
heutigen Sprache

 

 

 



Grenzen des
Differenzierungs- vermögens
in der Sprache

 


Gefühlsarmut
des gesprochenen
Wortes

 

 

 

 

 

 




Gefühlsmäßiges Erfassen
der Sprache


Status quo

„Die Tonsprache ist
Anfang und Ende der Wortsprache.“
Richard Wagner


Sprache


Al­les, was sich mit Wor­ten sa­gen läßt, läßt sich sehr viel kür­zer und tref­fen­der über das Mit­tel der Mu­sik mit­tei­len; denn an­ders als die heu­te üb­li­che und ver­ständ­li­che Spra­che be­in­hal­tet die Mu­sik das Po­ten­ti­al der In­te­gra­tion von Raum und Zeit und kann des­halb selbst dem phi­lo­so­phisch un­ge­bil­de­ten Mu­sik­lieb­ha­ber die Welt des Un­end­li­chen er­klä­rend be­schrei­ben.

Die in­ne­ren kom­po­si­to­ri­schen Ge­stal­tungs­kräf­te der Mu­sik ste­hen ge­nau­so­gut der Spra­che zur Ver­fü­gung.
Aber der phy­si­sche Kehl­kopf schafft es heu­te nicht, den Ge­dan­ken werk­ge­recht in das akus­ti­sche Feld hi­nein­zu­tra­gen; denn die Mit­tel der äu­ße­ren sprach­li­chen Ar­ti­ku­la­tion sind sehr viel be­grenz­ter aus­ge­bil­det als die Mit­tel des Mu­si­zie­rens.

Dar­über hin­aus hat die heu­ti­ge Spra­che kei­ne voll­kom­me­ne Ge­stalt, das heißt, kei­ne na­tür­li­che In­te­gra­tion von In­halt und Form.
So liegt auf­grund ar­ti­ku­la­to­ri­scher Ver­ein­fa­chun­gen ihr Schwer­ge­wicht in der Se­man­tik.

Wie weit dies geht, zeigt die Exis­tenz ganz ver­schie­de­ner Wort­klän­ge in den ver­schie­de­nen Spra­chen für ein und die­sel­be Sa­che.
Hier hat die Struk­tur ei­nes Wor­tes zu des­sen In­halt, das heißt zu des­sen Be­deu­tung, fast gar kei­ne Be­zie­hung mehr.

Da wir beim Hö­ren der Spra­che über­wie­gend auf de­ren Be­deu­tung ach­ten und nicht auf ih­re Struk­tur, läßt sich zu­sätz­lich fest­stel­len, daß die pho­ne­ti­sche Struk­tur der Spra­che auf­grund un­se­rer Un­ge­übt­heit im struk­tu­rel­len Hö­ren ei­nen für un­ser mo­men­ta­nes in­tel­lek­tu­el­les Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­hen und so schnell nicht zu meis­tern­den In­for­ma­ti­ons­fluß hat.

Des­halb er­faßt der heu­ti­ge Mensch das ge­spro­che­ne Wort über­wie­gend mit dem Ver­stan­de – und dann auch nur in ei­ner sehr be­grenz­ten, mehr ka­te­go­ri­schen Be­deu­tung – und fast über­haupt nicht vom Ge­fühl her.

Aber je­des von uns Men­schen ge­spro­che­ne Wort ist auch sehr stark mit Ge­fühls­in­hal­ten ver­se­hen, und die­se Ge­fühls­in­hal­te be­tref­fen un­se­re in­ne­ren Wün­sche, un­se­ren in­ne­ren Wil­len und un­se­re ganz per­sön­li­chen Mo­ti­va­ti­onen, die wir Spre­chen­den emo­tio­nal in das Wort hin­ein­le­gen, um dem Ge­spro­che­nen zu ir­gend­ei­ner Zweck­er­fül­lung Nach­druck zu ver­lei­hen.

Je­doch ist im all­ge­mei­nen un­ser Un­ter­schei­dungs­ver­mö­gen auf der Ebe­ne un­se­res Ge­fühls nur ge­ring­fü­gig er­schlos­sen, und sei­ne er­folg­rei­che Ver­wen­dung im Be­reich der Spra­che ist bis­her nur äu­ßerst we­ni­gen Men­schen mög­lich.

So ist man heu­te ge­wohnt, meist nur über Din­ge zu spre­chen, die selbst nicht über ei­ge­ne Ge­fühls­in­hal­te ver­fü­gen – wie zum Bei­spiel tech­ni­sche Ge­rä­te, tech­ni­sche Vor­gän­ge –, über den gan­zen Be­reich des ma­te­riel­len Le­bens.

Aus die­sem Grun­de lohnt sich ein ge­fühls­mä­ßi­ges Er­fas­sen der Um­gangs­spra­che heu­te fast gar nicht, und des­halb hat der Mensch auch nicht ge­lernt, sich vom Ge­fühl her sprach­lich dif­fe­ren­ziert zu ar­ti­ku­lie­ren und mit­zu­tei­len.

„Es gibt Momente, wo ich finde,
daß die Sprache noch gar nichts ist.“
Beethoven




 

                                                                                 

 

  © AAR EDITION INTERNATIONAL 1982  

 

 

NATÜRLICHES
MUSIK SCHAFFEN
XII.
MUSIK UND SPRACHE
Sprache
Überlegenheit
der Musik gegenüber
der heutigen Sprache
Grundlagenforschung
Das Sprachorgan
Die Schmiede der
Gedanken
Herrschaft über
gebundene und freie
Schaffenskraft
Die Dimension
der schöpferischen
Entfaltung
Kontrolle über die Welt des Denkens
Inhalt und Form,
Bedeutung und Struktur
Die Beteiligung
der Sinne
der Wahrnehmung
am Prozeß der Erkenntnisgewinnung
Sprache der Musik
Der Sprachgebrauch
unserer Vorfahren
Rückschlüsse aus
den Überlieferungen
Das Vermächtnis
unserer Ahnen
Die von unseren Ahnen
an uns gestellte Aufgabe
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