Der
Hörer
als Philosoph - als
Wahrheitsliebender
Die philosophische
Tat der
klassischen Musik
Objekterkenntnis in der Musik
Tönende Erkenntnisräume in der Musik
Der Hörer liebt die Wahrheit; deshalb strebt er nach ihr. Und wenn er schließlich die Wahrheit erreicht und erkennt oder auch: wenn sich nun die Wahrheit vor seinem geistigen Auge in immer herrlicheren musikalischen Formen ausbreitet, da zieht der Hörer die Wahrheit immer mehr an sich heran zu sich hin und verbindet sich schließlich mit ihr, ohne daß er selbst dabei irgendeinen Schritt nach außen tun müßte.
Durch die wirklich klassische Musik wird also der Hörer nicht nur als Wahrheitssucher bestätigt, sondern er wird vor allem systematisch in die Lage versetzt und ermutigt, die Wahrheit geradezu herbeizulocken.
Während das wissenschaftliche System der Philosophie sich nur mittelbar als Förderer der Erkenntnisgewinnung bewährt weil es die Objekte der Erkenntnis nur differenzierend umschreibt , stellt die Musik das im Philosophiesystem Beschriebene unmittelbar dar und bringt es mit unserem intuitiven Vermögen der Wirklichkeitserfassung in Verbindung.
Mit Hilfe seiner musikalischen Aussage regt der Tondichter im Hörer nacheinander ganz bestimmte Erkenntnisräume zum Tönen an und regelt die Proportionierung der tönenden Räume so, daß sie harmonisch zueinander und miteinander schwingen.
Diese inneren tönenden Erkenntnisräume hat der Tondichter auch bei sich selbst in Schwingung versetzt, als er das Musikwerk schuf, und er kennt deshalb ihre Wirkung auf die individuelle Persönlichkeit: auf die individuelle Seele.