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Musik
AAR EDITION INTERNATIONAL

 

Der Gegenstand
des Wissens in den
musikalischen Erkenntnisfeldern






 

 

 

 

Musikräume
und Musikwelten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Einblick in die
musikalischen Erkenntnisfelder

 

 

 

 

 

 

 


Die unlebendige
musikalische Komposition




 

Die erfolglose
Suche nach
musikalischen Kräftefeldern

TEIL   I
Das System der
Erkenntnisfelder in der Musik



In­ner­halb der mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ge­win­nung kann der Ge­gen­stand des Wis­sens sehr un­ter­schied­lich aus­se­hen:

  1. ein­mal kann der Ge­gen­stand des Wis­sens den Ton be­zie­hungs­wei­se die to­na­le Struk­tur des mu­si­ka­li­schen Ton­raums be­tref­fen;

  2. zum an­de­ren kann der Ge­gen­stand des Wis­sens in­ner­halb des mu­si­ka­li­schen Ton­raums ver­steckt lie­gen – in den nächst­fei­ne­ren mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­fel­dern: auf der Mo­tiv­ebe­ne;

  3. zum drit­ten kann der Ge­gen­stand des Wis­sens wie­der­um auf der nächst­hö­he­ren mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ebe­ne lie­gen: in den mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­fel­dern der Se­quen­zen;
au­ßer­dem kann der Ge­gen­stand des Wis­sens auch im ab­so­lu­ten mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­feld der Har­mo­nie lie­gen.

Man soll­te an­neh­men,
  1. daß in­ner­halb des mu­si­ka­li­schen Ton­raums im­mer auch au­to­ma­tisch ei­ne Mo­tiv­welt vor­han­den ist;
  2. daß in­ner­halb des Mo­tiv­rau­mes auch im­mer au­to­ma­tisch ei­ne Se­quenz­welt vor­han­den ist und
  3. daß in­ner­halb ei­nes Se­quenz­rau­mes auch im­mer die Welt der Har­mo­nie vor­han­den ist.
In be­zug auf die Räu­me selbst kann man die­se An­nah­me wohl als gül­tig an­se­hen – nicht je­doch in be­zug auf ihr in­ne­res Le­ben.

So wie es bei­spiels­wei­se mög­lich ist, daß ein Kör­per ohne Le­ben vor­han­den ist (wie im Fal­le ei­nes Stein­bil­des), so ist es auch durch­aus mög­lich, daß im mu­si­ka­li­schen Ton­raum Tö­ne vor­han­den sind, ohne daß die­sen Mo­ti­ve in­ne­woh­nen.

Und in ana­lo­ger Wei­se ist es durch­aus mög­lich, daß in­ner­halb ei­nes ver­meint­li­chen Mo­tiv­rau­mes gar kei­ne Se­quenz vor­han­den ist, und daß dar­über hin­aus in­ner­halb der Se­quenz­räu­me die Wir­kung der all­be­le­ben­den Har­mo­nie fehlt.

Da­bei muß man je­doch in Be­tracht zie­hen, daß es nicht ge­ra­de ein­fach ist, in­ner­halb des mu­si­ka­li­schen Ton­raums auch die Mo­tiv­welt zu er­ken­nen; denn die­se Er­kennt­nis be­darf der in die Tie­fe des mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hens ein­drin­gen­den lo­gi­schen Fol­ge­rung – und der dar­auf fol­gen­den mu­si­ka­li­schen Ein­sicht.

Und man muß be­den­ken, daß es noch schwie­ri­ger ist, in­ner­halb des Mo­tiv­rau­mes die Se­quenz zu ent­de­cken, wel­che ja nur auf­grund noch hö­he­rer lo­gi­scher Schlüs­se aus­fin­dig ge­macht wer­den kann.

Und es ge­schah bis­her lei­der äu­ßerst sel­ten – und ge­hört in den Be­reich der höchs­ten mu­si­ka­li­schen Of­fen­ba­run­gen –, daß je­mand im Se­quenz­raum die Har­mo­nie als sol­che ent­deck­te; denn die­se ist nur un­ter Ein­satz der höchs­ten mu­si­ka­li­schen Lo­gik und auf der Ebe­ne rei­ner Selbst­er­kennt­nis zu er­fas­sen.

Es mag auch sein, daß in dem ei­nen oder an­de­ren Mu­sik­werk die in­ne­ren mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­kräf­te schon bei der Ent­ste­hung des Stü­ckes gar nicht wirk­sam wa­ren, in­dem die Kom­po­si­tion – der Be­deu­tung die­ses Wor­tes ge­mäß – rein aus den äu­ße­ren Ele­men­ten des mu­si­ka­li­schen Ton­raums, wie zum Bei­spiel aus kon­ven­tio­nel­len Me­lo­dien, zu­sam­men­ge­setzt wur­de, wo­bei an die­se Tei­le mit­tels des im her­kömm­li­chen Kom­po­si­ti­ons­un­ter­richt ge­won­ne­nen Wis­sens ei­ne „Kom­po­si­ti­on“ an­ge­hängt wur­de.

In ei­nem sol­chen Fall sind die in­ne­ren mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­fel­der in die­sem Mu­sik­stück na­tür­lich nicht zu lo­ka­li­sie­ren; sie kön­nen durch ver­sier­te auf äu­ße­ren Er­folg ab­ge­rich­te­te In­ter­pre­ten al­len­falls si­mu­liert wer­den.

Der ge­bil­de­te Hö­rer er­kennt die­sen Man­gel am Feh­len der in­te­grier­ten um­fas­sen­den mu­si­ka­li­schen Lo­gik im Mu­sik­werk; denn die­ses Feh­len der Wahr­heit drückt sich in al­len Tei­len der Kom­po­si­tion aus, weil sie leb­los an­ein­an­der­hän­gen wie Äste, Blät­ter und Wur­zeln ei­nes künst­lich zu­sam­men­ge­setz­ten Bau­mes.


 

                                                                                
 


© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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DER GEGENSTAND DER MUSIKALISCHEN WISSENSGEWINNUNG
P E T E R   H Ü B N E R  –  N A T Ü R L I C H E S   M U S I K  H Ö R E N
NATÜRLICHES
MUSIK HÖREN
VORWORT
I.
DER GEGENSTAND
DER MUSIKALISCHEN WISSENSGEWINNUNG
Das System
der Erkenntnisfelder
in der Musik
Funktion
der Erkenntnisfelder
in der Musik
Unmittelbare
Erkenntnis des
musikalischen Sinns
Struktur
der Erkenntnisfelder
in der Musik
Die Erkenntnisfelder
der musikalischen Darstellung
Muster
vollkommener Erziehung
in der Musik

 

 

 

TEIL   I
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