Der
musikalische
Erkenntnisprozeß
bei Beethoven und
Brahms
Der musikalische
Sieg über eine
pessimistische Leidensverherr-
lichung
Mozarts musikalischer
Weg zur
Unsterblichkeits-
erkenntnis
Der Tanz durch die Schicksalskräfte
bei Mozart
Kampf und
Freundschaft mit
den Schicksalskräften
bei Beethoven
und Brahms
Dabei bereitet der Tondichter in dauernder praktischer Auseinandersetzung mit den Kräften des Schicksals seinen Hörer ganz allmählich und völlig diskret darauf vor, sich selbst von den Kräften des Schicksals immer mehr persönliche Unabhängigkeit zu wünschen. Schließlich führt der Musikschöpfer seinen Hörer in die Welt der Freien, in die Gefilde derjenigen Großen, welche über dem Schicksal stehen.
Und so wird aus einem Hadernden, welcher sich in der Routine seines Alltagslebens mit den Umwelteinflüssen herumschlägt, ein Mensch, der erkannt und auch in sich selbst erfahren hat, daß es für ihn persönlich möglich ist, die Kräfte seines Schicksals zu meistern.
Ein besonders erfolgreicher Komponist in diesem gerade geschilderten musikalischen Erkenntnisprozeß der menschlichen Überwindung der Schicksalsmächte ist Beethoven und in seinem Erbe: Brahms.
Diese beiden großen Tondichter hatten in ihrer Zeit die aus der religiösen Verherrlichung des Leidens entsprungene Massenbewegung der individuellen Kapitulation gegenüber den sozialen und ökologischen Umwelteinflüssen klar erkannt und hatten hier beispielhaft musikalische Wege aufgezeigt, über solche selbstvernichtende, pessimistische Lebenshaltung den entschlossenen Sieg davonzutragen.
Ihre Sinfonien sind leuchtende Zeugen dieser hohen ausgetragenen menschlichen Verantwortung.
Während Mozart beispielsweise in seinem Wirken beim Hörer die Liebe zum Leben bis in die persönliche Erfahrung der Unsterblichkeit ausdehnt, erreichen Beethoven und Brahms dieses gleiche hohe Ziel mit der individuellen Überwindung des Schicksals und weisen damit einen Weg, der zu ihrer Zeit und bis in die heutige Zeit hinein als der Weg des entschlossen Handelnden angesehen wird als der kriegerische Weg zur persönlichen Freiheitserkenntnis.
Während sich Mozart mit seinem Hörer auf leichten Sohlen durch die Reihen der Schicksalskräfte hindurchtanzt und so schließlich die Grenzen des Schicksals überschreitet, lehren Beethoven und Brahms den Hörer, das Schicksal zu bekämpfen, es aber schließlich als vollgültige kooperierende Macht anzuerkennen und zum Freunde zu gewinnen.
Und diese persönliche systematische Bejahung der Schicksalskräfte, jener auf uns Menschen einstürzenden individuellen, sozialen und ökologischen Umwelteinflüsse, sichert dem Hörer dessen ungehinderten Gang durch die Wirrnisse seiner Zeit und lehrt ihn die Überwindung: das Überschreiten des Schicksals lehrt ihn die ganz persönliche Freundschaft mit dem so mächtigen Schicksal.