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Musik
AAR EDITION INTERNATIONAL

 

Der systematisch-
logische Weg durch
die musikalischen
Ordnungen

 

 

 

 


Der erkenntnis-
reiche Weg zum
musikalischen Sinn

 

 

 

 

 

 

 

Musikalische Reise
zu den
Kräftefeldern der
Motive

 

 

Der Hörer erkennt
die Herrscher
über die Gestirne
der Musik

 


Motivspiele

 

 

 



 

Bei den
Individualkräften
der Musik

 



Die musikalische
Reise zu den
Kräftefeldern der
Sequenzen

 


Die soziale
Lebenssphäre
m Innern des
musikalischen Motivraums



Die Kunst der
Schlußfolgerung in der Musik



In der mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ge­win­nung liegt die Kunst der Schluß­fol­ge­rung dar­in, daß der Hö­rer von ei­ner Mu­sik­ebe­ne nie­de­rer Er­kennt­nis­ge­win­nung aus auf ei­ne Mu­sik­ebe­ne hö­he­rer Er­kennt­nis­ge­win­nung schließt – von ei­ner Ebe­ne nie­de­rer mu­si­ka­li­scher Ord­nung auf ei­ne Ebe­ne hö­he­rer mu­si­ka­li­scher Ord­nung.

Die­sen Pro­zeß der mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ge­win­nung nen­nen wir auch den Pro­zeß der mu­si­ka­li­schen Ver­fei­ne­rung – den Pro­zeß des Trans­zen­die­rens mu­si­ka­li­scher Ord­nun­gen; und auf der Ebe­ne un­se­res Geis­tes nen­nen wir ihn auch ganz all­ge­mein den Pro­zeß des Trans­zen­die­rens.

Die Kunst der mu­si­ka­li­schen Schluß­fol­ge­rung führt uns Hö­rer sys­te­ma­tisch in die Tie­fe des mu­si­ka­li­schen Sinns.

Von der Ord­nung der Tö­ne, wel­che im mu­si­ka­li­schen Ton­raum er­klin­gen, schlie­ßen wir auf­grund un­se­res lo­gi­schen Ver­mö­gens im Ver­lau­fe ei­nes sys­te­ma­ti­schen Er­kennt­nis­pro­zes­ses auf die un­hör­ba­ren Mo­ti­ve, wel­che den Tö­nen in­ne­woh­nen.

Wir be­mer­ken im­mer deut­li­cher, daß sich die Tö­ne im mu­si­ka­li­schen Ton­raum auf ganz be­stimm­ten Bah­nen be­we­gen.

Wir er­ken­nen im­mer kla­rer, daß die­se Bah­nen nicht pe­ri­o­disch sind, daß sie aber auch nicht sim­pel ape­ri­o­disch sind, son­dern daß sie sich sinn­voll än­dern, daß sie auf­ein­an­der be­zo­gen sind.

Und wir fol­gern des­halb ver­nünf­ti­ger­wei­se, daß sie von Kräf­ten hö­he­rer Ord­nung re­giert sein müs­sen.

Und in­dem wir mit er­wa­chen­dem Ver­stand die­se Kräf­te hö­he­rer Ord­nung – wel­che von in­nen her den mu­si­ka­li­schen Ton­raum zu re­gie­ren schei­nen – un­ter­su­chen, er­ken­nen wir schließ­lich die Kräf­te­fel­der der Mo­ti­ve, und wir er­ken­nen in den to­na­len Hül­len wie in Kör­pern die Mo­ti­ve.
Wir er­fas­sen sie mit der glei­chen schlich­ten Ein­sicht, wie man im Kör­per ei­nes Le­be­we­sens ein in­ne­woh­nen­des in­di­vi­du­el­les We­sen er­kennt.

Im Ver­lau­fe des mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hens ler­nen wir die Kräf­te der mu­si­ka­li­schen Mo­ti­ve schritt­wei­se ge­nau­er ken­nen, denn wir be­mer­ken, wie die­se die Tö­ne als ih­re Ge­stir­ne am Mu­sik­him­mel be­we­gen.
Und plötz­lich er­ken­nen wir in den Mo­ti­ven die na­tür­li­chen in­di­vi­du­el­len Kräf­te der Le­be­we­sen ab­ge­bil­det – un­se­re ei­ge­nen in­di­vi­du­el­len Men­schen­kräf­te.

Doch dann be­mer­ken wir, daß sich ein mu­si­ka­li­sches Mo­tiv bei des­sen Ent­fal­tung in der Me­lo­die nicht nur mit der Herr­schaft über die­je­ni­gen Tö­ne be­faßt, wel­che es un­mit­tel­bar um­ge­ben – daß es sich al­so nicht nur mit sei­nem ei­ge­nen Kör­per aus­ein­an­der­setzt, son­dern wir ent­de­cken beim Mo­tiv auch ein Spie­len mit den Tö­nen an­de­rer Mo­ti­ve.
Ja, wir be­mer­ken schließ­lich so­gar ein un­mit­tel­ba­res in­di­vi­du­el­les Wech­sel­spiel zwi­schen den Mo­ti­ven selbst.

In die­sem Mo­ment ha­ben wir Hö­rer im Pro­zeß un­se­rer mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ge­win­nung die phy­si­ka­lisch-phy­si­sche Welt des mu­si­ka­li­schen Ton­raums be­reits ver­las­sen.
Un­se­re Auf­merk­sam­keit liegt nun über­wie­gend bei den un­hör­ba­ren, aber den­noch so wirk­sa­men In­di­vi­du­al­kräf­ten der Mo­ti­ve.

Und in­dem wir uns nun im­mer mehr auf das mu­si­ka­li­sche Spiel die­ser Mo­tiv­kräf­te un­ter­ein­an­der kon­zen­trie­ren und in ih­nen das Wech­sel­spiel der In­di­vi­du­en all­ge­mein er­ken­nen – un­ser ei­ge­nes Wech­sel­spiel mit den In­di­vi­du­en un­se­rer Um­ge­bung –, er­ken­nen wir schritt­wei­se schließ­lich uns selbst in im­mer mehr Mo­ti­ven be­schrie­ben, in je­ner mu­si­ka­li­schen Dar­stel­lung in­di­vi­du­el­ler Men­schen­kräf­te.

Schließ­lich er­rei­chen wir ei­nen Punkt, an wel­chem wir nicht mehr sa­gen kön­nen, ob wir uns nun nur mit die­sem oder gar auch mit je­nem Mo­tiv as­so­zi­ie­ren – mit die­sen oder je­nen Kräf­ten un­se­rer in­di­vi­du­el­len Ent­fal­tung. Dann er­bli­cken wir uns, wie wir in der Po­ly­pho­nie auf vie­len We­gen der in­di­vi­du­el­len Ent­fal­tung gleich­zei­tig schrei­ten, und so sto­ßen wir in die mu­si­ka­li­schen Kräf­te­fel­der der Se­quen­zen vor.

So wie ei­ne Mut­ter oder ein Va­ter sich in ih­ren Kin­dern ent­fal­tet se­hen, so er­ken­nen wir uns nun mit un­se­ren ganz per­sön­li­chen Ei­gen­schaf­ten in den vie­len mu­si­ka­li­schen Mo­tiv­ent­fal­tun­gen dar­ge­stellt.


 

                                                                                

 


© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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DIE DREI GROSSEN SCHRITTE DES MUSIKALISCHEN ERKENNTNISPROZESSES
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