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Musik
AAR EDITION INTERNATIONAL

 

Die musikalische
Erörterung des
Musikschaffenden

 

 

 

 

Das vollkommene
Streitgespräch zwischen Einheit
und Vielfalt

 



Der Verstand unter
dem allnährenden
Einfluß der reinen
Selbstbewußtheit



Der Verstand
erkennt die Vielfalt
in der Einheit

 

 

 

 


Ver­stan­desmäßige musikalische
Irrtümer durch
mangelnde
Belebung

 


Ver­stan­desmäßige Unkenntnis der
Vielfalt im
Motivraum


Das musikalische Streitgespräch



Wäh­rend die mu­si­ka­li­sche Er­ör­te­rung zwi­schen un­se­rem Ge­fühl und un­se­rem Ver­stand den Pro­zeß der Wahr­heits­fin­dung vor­an­treibt und uns so im Pro­zeß der mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­ge­win­nung sys­te­ma­tisch in die Si­tu­a­tion ei­nes Mu­sik­schaf­fen­den ver­setzt, stellt nun das „Streit­ge­spräch“ den Gip­fel die­ses Ent­wick­lungs­gan­ges dar.

Die­ses „Streit­ge­spräch“ er­gibt sich ganz fol­ge­rich­tig aus dem in der Er­ör­te­rung be­schrit­te­nen mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­weg.

Un­ter ei­nem „Streit­ge­spräch“ er­war­tet der Mensch üb­li­cher­wei­se ei­ne Art ne­ga­ti­ver Er­ör­te­rung.
Hier je­doch wird mit dem Be­griff „Streit­ge­spräch“ nur das al­lei­ni­ge Vor­han­den­sein der Ein­heit in der Har­mo­nie ver­neint – je­ne Nur-Ein­heit, wel­che un­ser Ver­stand ja im Ver­lau­fe sei­nes re­la­ti­ven Er­kennt­nis­pro­zes­ses mei­den woll­te, denn sie er­schien ihm zu ein­fach, nicht viel­fäl­tig ge­nug.

Kaum war un­ser Ver­stand in der Hö­he der Har­mo­nie an­ge­langt und wur­de dort von den Qua­li­tä­ten der rei­nen Selbst­be­wußt­heit durch­flu­tet, da er­kann­te er, daß er sich hier im Fel­de der Har­mo­nie plötz­lich und un­er­war­tet auf ei­ner völ­lig neu­en Ebe­ne höchs­ter mu­si­ka­li­scher Er­kennt­nis be­fand.

Und auf der lich­ten Hö­he sei­nes voll­stän­di­gen Er­kennt­nis­ver­mö­gens be­merk­te un­ser Ver­stand jetzt, daß ihm die Ein­heit der Har­mo­nie bei al­ler­nächs­ter Be­trach­tung gänz­lich un­er­war­tet ei­ne un­end­li­che Viel­falt er­öff­ne­te.

Die­sen Reich­tum hät­te der Ver­stand aus dem Zu­stand des re­la­ti­ven Wach­be­wußt­seins her­aus nie­mals ver­mu­tet.

Denn im mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­pro­zeß hat­te – vom Ver­stan­de aus ge­se­hen – die Schlicht­heit ja im­mer nur zu­ge­nom­men, und da­bei nahm die Deut­lich­keit der Viel­falt im­mer mehr ab.

In die­ser An­nah­me im re­la­ti­ven mu­si­ka­li­schen Er­kennt­nis­pro­zeß un­ter­lag un­ser Ver­stand je­doch auf­grund man­geln­der ei­ge­ner in­ne­rer Be­le­bung ei­nem Irr­tum.
Durch ei­ge­ne Träg­heit war er nur mit man­geln­dem Fein­ge­spür aus­ge­rüs­tet und konn­te des­halb in den Räu­men hö­he­rer mu­si­ka­li­scher Ord­nung auch die Viel­falt nicht mit der glei­chen Deut­lich­keit er­ken­nen wie in den Räu­men nie­de­rer mu­si­ka­li­scher Ord­nung.

So er­kann­te bei­spiels­wei­se der Ver­stand im Mo­tiv­raum nicht mehr die viel­fäl­ti­gen Tö­ne, wel­che er im mu­si­ka­li­schen Ton­raum noch so deut­lich er­faßt hat­te: weil näm­lich die to­na­le Viel­falt an den Mo­ti­ven nur so­weit haf­tet, wie bei­spiels­wei­se das Fett ei­nes mit der Hand fort­ge­wor­fe­nen But­ter­balls an­schlie­ßend noch an der Hand haf­tet – wäh­rend der Ball sich je­doch schon ganz wo­an­ders be­fin­det, ob­wohl er die von der Hand be­stimm­ten Bah­nen be­schreibt.


 

                                                                                 
 



© AAR EDITION INTERNATIONAL 1982
 

 

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