Diese Autobiographie der musikalischen Erkenntnisgewinnung ist aber auch Wahrzeichen der Generation einer neuen Zeit, welche heute mit wissenschaftlicher Genauigkeit in den Mechanismus der musikalischen Wirklichkeitserkenntnis eindringt, diesen systematisch erforscht und sich die Weisheit unserer großen Meister der Musik authentisch zu eigen machen will. Das erste Erfolgserlebnis des modernen Musikstudierenden liegt dann in der Ausbildung seines kreativen Musikhörens jener Fähigkeit, welche seit jeher die zeitlose, wahrhaftige innere Grundlage der Tonkunst darstellt.
So untersucht das Buch „Natürliches Musikhören“ in authentischer Weise den Ursprung der großen Tonschöpfungen tief im Inneren unserer großen Meister der Musik und beschreibt den Werdegang des Musikhörers bei seinem Eindringen in die Erkenntnisfelder ihrer großen Meisterwerke.
Der Autor, selbst Komponist, beschreibt den Entwicklungsgang der Musikschöpfung tief im Inneren des Musikschaffenden in der gleichen wissenschaftlichen Genauigkeit wie den Werdegang eines Musikliebhabers zum innerlich gebildeten Menschen. In allgemeinverständlicher und geradezu packender Weise betreibt der Autor vor unserem erkennenden Blick Grundlagenforschung über die naturgegebenen Gesetze der musikalischen Erkenntnisgewinnung und über die musikalischen Bildungskräfte, welche die Menschenwürde ans Licht unseres innergeistigen Konzerthimmels emporzuheben vermögen.
Hier gelingt dem Hörer erstmalig in der bekannten Musikgeschichte ein wirklicher intellektueller Einblick in die Erkenntnis- und Bildungsschmiede unserer großen Meister der Tonkunst.
In seinem Buch „Natürliches Musikhören“ macht der Autor den Musikliebhaber mit der wahren Struktur des musikalischen Erkenntnis- und Bildungsprozesses mit dessen innerem formalen Aufbau, mit seiner natürlichen Logik, mit seiner naturgegebenen Sinnhaftigkeit und mit Form und Inhalt der musikalischen Wirklichkeitsbeschreibung bekannt. Man muß dabei in Betracht ziehen, daß die gesamte herkömmliche Musikausbildung auf die in der Musik ausgesprochenen Bildungsinhalte ebensowenig eingeht, wie ein Phonetiker bei altchinesischen Lautuntersuchungen auf deren Sinngebung zielt. Schon von seiner Ausbildung her ist es der Musiker gewohnt, die Töne wie Buchstaben von der Partitur abzulesen und nur auf den Wohlklang sowie auf eine gewisse seelische Stimulanz bei sich und beim Hörer hinzuwirken.
Das Buch „Natürliches Musikhören“ betrifft den Aspekt realer Wirklichkeitserkenntnis durch das Mittel der Musik.
„Was die Musik zum umfassenden Erkennen prädestiniert und ganz im Unterschied zur üblichen Praxis des Philosophierens oder wissenschaftlichen Analysierens in Wort und Schrift “, sagt der Autor, „ist die Tatsache, daß die Musik Gefühl und Verstand gemeinsam zur Erkenntnis anzuregen vermag. Und da Philosophie ja Liebe zur Wahrheit heißt und Liebe ohne den Einsatz des Gefühls nicht denkbar ist, so muß man annehmen, daß die Musik für die Philosophie und darüber hinaus für jede Art umfassender Erkenntnisgewinnung und Bildung ein geeigneteres Mittel darstellt als die übliche Praxis intellektueller Erörterungen in Wort und Schrift.
Mit Hilfe seiner musikalischen Aussage regt der klassische Tondichter im Verstand und Gefühl des Hörers nacheinander ganz bestimmte Erkenntnisräume zum Tönen an und regelt die Proportionierung der tönenden Räume, so daß sie harmonisch zueinander und miteinander schwingen.
Diese inneren tönenden Erkenntnis- und Schaffensräume hat der Tondichter auch bei sich selbst in Schwingung versetzt, als er das Musikwerk schuf, und er kennt deshalb ihre Wirkung auf die individuelle Persönlichkeit: auf die individuelle Seele.
Wie das herkömmliche System wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung oder auch Kreativität, so beschreibt die urklassische Musik in ihren verschiedenen musikalischen Kräftefeldern die Differenziertheit der Formen und Phänomene der Natur der objektiven im musikalischen Tonraum, der individuellen in den Motivräumen, der sozialen in den Sequenzräumen und die integrierte Gesamtheit aller differenzierten Phänomene im unendlichen Raum der Harmonie.
Gleichzeitig jedoch mit der differenzierten Beschreibungsweise von Fakten präsentiert die Musik einen lückenlosen, dynamischen Prozeß, in welchem jene Fakten geschaffen, umgewandelt, immer wieder neugestaltet und schließlich auch wieder zum Vergehen gebracht werden und zwar auf allen Ebenen der musikalischen Beschreibung“, sagt der Autor.
Dieses Buch „Natürliches Musikhören“ eröffnet aufgrund seiner Einführung in das geheime Wissen unserer großen Tonschöpfer für das Feld der Musik, aber auch für deren Ansehen im Bereich der wissenschaftlichen Fachwelt, völlig neue Perspektiven. Es führt den denkenden Menschen und ganz besonders den Musikliebhaber von jeder vagen musikalischen Gefühlsmanipulation, von jeder „Interpretation“ weg und hin zur objektiven Welt der musikalischen Sinngebung der eigentlichen Wirklichkeit der Musik.
So untersucht der Komponist auch das System der konventionellen Musikausbildung und liefert Inspirationen für eine sinnvolle Vertiefung.
„Die Geschichte zeigt“, bekennt der Autor, „daß kaum eine Musikausbildungsstätte in der Welt mit Recht von sich behaupten kann, daß ihr je die Ausbildung eines großen Musikschöpfers gelungen sei; denn die wenigen großen Tonkünstler der letzten Jahrhunderte waren mit einer Musikausbildungsstätte entweder gar nicht assoziiert oder ihre Leistung war von den Kriterien der Ausbildungsstätten nicht erfaßbar.
Dennoch lehnen sich die auf künstlerische Leistung hinarbeitenden Musikausbildungsstätten der ganzen Welt in ihren Studienplänen an die Leistungen der großen klassischen Tonschöpfer an und bemühen sich, ihre Musikstudierenden durch Richtlinien an diese Leistungen zu binden, um ihnen so wenigstens eine Orientierung für ihre eigene musikalische Tat zu vermitteln.
Diese Anlehnung der Studienprogramme unserer Musikausbildungsstätten an die Leistung der großen klassischen Tonschöpfer geschieht jedoch von außen und erfaßt deshalb auch nur deren äußeres Produkt nicht jedoch deren innere Leistung. Das Lehrprogramm der Musikausbildungsstätten bezieht sich nur auf die äußere Komposition und nicht systematisch-logisch auf den ihr zugrundeliegenden musikalischen Bildungszweck.
Ein persönliches Bildungsanliegen des Tonschöpfers gegenüber seinen Hörer wird deshalb auch nicht erkannt, und das pädagogische Ziel, welches den großen klassischen Musikschöpfer bewegt, findet keine Beachtung. Der musikalische Wert der allgemeinen Menschenbildung sowie überhaupt die Inspiration zur Wahrheitserkenntnis im Bereich ihrer Menschenwürde gerät aus dem Blickfeld der Musiklehrer sowie der Musikschüler, und das Musikstudieren wird zum System einer auf oberflächliche Anerkennung hinzielenden, äußeren Machtergreifung über die Welt der Töne degradiert.“
Dieses Buch „Natürliches Musikhören“ eröffnet auch der konventionellen Musikausbildung völlig neue Horizonte ohne daß es hier zu irgendeiner Konfrontation mit den herkömmlichen musikalischen Ausbildungssystemen käme; denn das konventionelle Musikausbildungssystem erweist sich auch innerhalb der in diesem Buch gemachten Aussagen nicht als falsch, sondern nur als äußerst begrenzt und als erweiterungsfähig: als erweiterungsbedürftig.
In seinem Buch „Natürliches Musikhören“ betrachtet der Autor gerade denjenigen Musikanteil, dessentwegen diese Königin der Künste unsterblich ist. Es ist ein Werk für wirkliche Musikliebhaber, für wahre Musikkenner, für wahrhaftige, rechtschaffene Musiklehrer und besonders: für den Bildungsfachmann, der die Menschenwürde im Auge hat.
Die darin beschriebenen Sachverhalte erheben das kreative Vermögen unserer großen klassischen Tonkünstler aus dem geheimnisumwitterten Feld ihres genialen Schaffens in das Feld systematischer wissenschaftlicher Untersuchung.
Dabei spürt der Leser in der Musik den Schatz einer universalen Sprache verborgen, denn in allgemeinverständlicher Weise wird ihm aufgezeigt, wie es die klassische Musik verstand und versteht, unser Menschenleben auf der Höhe kosmischer Evolution zu beschreiben, und wie sie es dabei mit geradezu wissenschaftlicher Genauigkeit schafft, uns zur Ehre des Schöpfers zu humanitärer Erkenntnis und: zur Menschenwürde zu inspirieren.
Manch einer von uns mag sich bislang kaum klar darüber gewesen sein, warum er denn eigentlich so gerne Musik hört, und er mag sich vielleicht sogar gewundert haben, daß er sich diesen Ohrenschmaus immer wieder verschafft.
In diesem Buch wird ihm klar, daß es seine Liebe zur Wahrheit, seine Liebe zum Leben, seine Liebe zur Wirklichkeitserkenntnis und seine Liebe zur Menschlichkeit ist, die ihn immer wieder zur „ernsten“ Musik greifen ließ und derentwegen er sich bislang wenn auch mehr unbewußt dem großen Zauber der Musik ergab.
„Natürliches Musikhören“ eine authentische Dokumentation des geheimen Vermächtnisses unserer großen Tonschöpfer: ein musikwissenschaftliches Dokument ein Rechenschaftsbericht für den begabten Musiker, eine große Herausforderung für den Musiklehrer und: in unserer von unzähligen individuellen, sozialen und ökologischen Krisen geschüttelten Zeit sicherlich eine Inspiration für den ganzen Bereich der humanitär versagenden Bildung.
Aar Edition