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Micro Music Laboratories
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JOUR­NA­LIST: Ich möch­te noch ein­mal auf die al­te Fra­ge zu­rück­kom­men: „Was ist dis­har­mo­ni­sche Mu­sik?“

PETER HÜBNER: Dis­har­mo­ni­sche Mu­sik ist ei­ne Mu­sik, die in ih­ren Ele­men­ten aber auch als Gan­zes vom ein­fa­chen ge­sun­den Men­schen als akus­tisch für das Ohr, für das Ge­hirn, für den Or­ga­nis­mus und letzt­lich auch ganz­heit­lich kör­per­lich spon­tan als un­an­ge­nehm emp­fun­den wird.

Und wie schon frü­her ge­sagt, be­grün­det sich die­ses Phä­no­men der un­an­ge­neh­men Emp­fin­dung dar­auf, daß die bio­lo­gi­schen Sys­te­me und so auch der Mensch selbst har­mo­ni­kal struk­tu­riert sind, daß die bio­lo­gi­schen Pro­zes­se har­mo­ni­kal ver­lau­fen und daß die­se Or­gan­struk­tu­ren ganz au­to­ma­tisch al­les ab­leh­nen, was die­sem ih­rem na­tür­li­chen har­mo­ni­ka­len Ras­ter nicht ent­spricht.

Man kann sich hier ei­ne schein­ba­re Un­emp­find­lich­keit oder Ab­ge­här­tet­heit an­er­zie­hen bzw. an­er­zie­hen las­sen – wie wir dies ja auch von den Schwim­mern, die im Win­ter bei Schnee in den Flüs­sen schwim­men oder aber auch bei den Rau­chern, den Al­ko­ho­li­kern und den Dro­genkonsu-menten vor­fin­den.

Aber so, wie der Or­ga­nis­mus nor­ma­ler­wei­se und na­tür­li­cher­wei­se spon­tan die Ei­ses­käl­te ab­lehnt und ent­spre­chend Ni­ko­tin, Al­ko­hol und Dro­gen, so lehnt er auch die ihm art­frem­de Struk­tur der Dis­har­mo­nie ab.

JOUR­NA­LIST: Sie spra­chen jetzt über Dis­so­nanz und Dis­har­mo­nie ...

PETER HÜBNER: Es ist sehr wich­tig, zwi­schen Dis­so­nanz und Dishar-monie zu un­ter­schei­den. Mit Dis­so­nanz be­zeich­net man kor­rek­ter­wei­se die Ab­kehr von den na­tür­li­chen Laut­stär­ke­ver­hält­nissen der Ober­wel­len, und mit Dis­har­mo­nie be­zeich­net man sinn­vol­ler­wei­se das Miß­ach­ten des Har­mo­ni­ka­len, des na­tür­lich Har­mo­ni­schen auf sei­ten der mo­der­nen Mu­sik­schöp­fer der Avant­gar­de so­wie der mo­der­nen In­ter­pre­ten klas­si­scher Mu­sik.

Bei der Grup­pe der Avant­gar­de fällt die Miß­ach­tung vor al­lem to­nal auf, und der ein­fa­che Hö­rer emp­fin­det ih­re Mu­sik spon­tan als schräg, als da­ne­ben. Und bei den mo­der­nen In­ter­pre­ten der klas­si­schen Mu­sik fällt die Miß­ach­tung des Har­mo­ni­ka­len vor al­lem rhyth­misch auf. Bei­des gilt aber auch mehr oder we­ni­ger für die gan­ze Bran­che der Un­ter­hal­tungs-mu­sik – von der so­ge­nann­ten Volk­smu­sik bis hin zur Rock- und Pop­mu­sik.






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Der Mikrokosmos der Musik                  Fortsetzung 1
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