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Der Herrscher der Musik
 
Über das Werk­zeug des In­tel­lekts stellt das Ich­be­wußt­sein des Kom­po­nis­ten den Geist in sei­nen Dienst.
Da­bei be­herrscht das Ich­be­wußt­sein aus der Ko­or­di­na­tion von Ge­fühl und Ver­stand her­aus den Geist auf ganz na­tür­li­che Wei­se.

 
Der wahre Musikschöpfer in Funktion
 
Der Geist ist die­je­ni­ge Sub­stanz, das­je­ni­ge Ma­te­ri­al, aus wel­chem je­der in­di­vi­du­el­le Ge­dan­ke ge­fer­tigt wird – auch der mu­si­ka­li­sche Ge­dan­ke.

 
Die Werkstatt des musikalischen Machthabers
 
So wie der Schmied das Ei­sen in der Esse er­hitzt, ihm noch in hei­ßem Zu­stand Form ver­leiht, es dann mit Käl­te här­tet – das be­deu­tet, der Form Fe­stig­keit gibt –, so wärmt das Ich das Ma­te­ri­al des Geis­tes in der Esse des Ge­fühls, ver­leiht ihm dann durch die ko­or­di­nie­ren­de Funk­tion von Ge­fühl und Ver­stand die Form und här­tet, das heißt fe­stigt den Ge­dan­ken durch die küh­len­de Wir­kung des Ver­stan­des.

 
 
Die­ses dau­ern­de Schmie­den und Um­schmie­den ei­nes Ge­dan­kens zu im­mer neu­en For­men un­ter Hin­zu­fü­gung von Wär­me und Käl­te und Wär­me und Käl­te und Wär­me und Käl­te ist der me­cha­ni­sche Pro­zeß des Mu­sik­schaf­fens auf der Ebe­ne des Geis­tes.

 
Schaffen des vollständigen musikalischen Klangbildes
 
Nach die­sem Vor­gang der kre­a­ti­ven Ge­dan­ken­for­mung lie­fert der Geist dem Ich­be­wußt­sein des Kom­po­nis­ten be­reits das voll­stän­di­ge mu­si­ka­li­sche Klang­bild.

 
 
Wie ein Füh­ler tas­tet der Ge­hör­sinn die Form des mu­si­ka­li­schen Ge­dan­kens ab und ent­nimmt die­sem gleich­zei­tig sei­nen Ge­halt an Wär­me oder Käl­te.
An­hand der In­for­ma­tion über die Ge­dan­ken­struk­tur hört so das Ich­be­wußt­sein des Kom­po­nis­ten das voll­stän­di­ge mu­si­ka­li­sche Klang­bild; durch die In­for­ma­tion über die Ge­dan­ken­tem­pe­ra­tur er­mißt es da­bei die Mög­lich­kei­ten wei­te­rer tö­nen­der Viel­falt.

 
Abtasten des musikalischen Gedankens
 
Bei die­sem in­ne­ren auf im­mer grö­ße­re Fül­le ge­rich­te­ten Kon­zert emp­fin­det das Ich­be­wußt­sein ei­ne mäch­ti­ge Freu­de.
Und will es die­se Freu­de noch stei­gern, dann er­höht es die Ko­or­di­na­tion von Ge­fühl und Ver­stand – und so lie­fert der Geist dem Ich über den Ge­hör­sinn ein mu­si­ka­li­sches Bild noch voll­kom­me­ne­rer Ord­nung, noch grö­ße­rer Viel­falt und noch stär­ke­rer Ein­heit: noch um­fas­sen­de­rer Har­mo­nie.

 
Der systematische Aufbau umfassenderer Ordnungen
 
Un­ab­hän­gig da­von, daß das Ich­be­wußt­sein sich an die­sem selbst­ge­schaf­fe­nen in­ne­ren Kon­zert er­freut, wird der Ge­hör­sinn beim Auf­neh­men fei­ne­rer mu­si­ka­lisch-geis­ti­ger In­for­ma­tio­nen durch den Ener­gie­ge­halt die­ser Ge­dan­ken­sub­stanz im­mer mehr ge­stärkt und durch den In­tel­li­genz­ge­halt die­ser Ge­dan­ken­struk­tur im­mer mehr er­frischt, was sei­ne Leis­tungs­fä­hig­keit als In­for­ma­ti­ons­über­mitt­ler be­trächt­lich er­höht und was ihn noch stär­ker mit dem Ich­be­wußt­sein (sei­nem Auf­trag­ge­ber) ver­bin­det.

 
Leistungsbezogene Herrschaft über die Musik
 
Die un­mit­tel­ba­re freie Herr­schaft des Ich­be­wußt­seins über den Geist, die freie Herr­schaft des Ich­be­wußt­seins über den Ge­hör­sinn und die struk­tur­ge­rech­te Ana­ly­se der Wir­kung des Geis­tes be­zie­hungs­wei­se ei­nes von ihm pro­du­zier­ten mu­si­ka­li­schen Ge­dan­kens auf sei­ne Um­ge­bung – auf die Phy­si­o­lo­gie des Mu­si­kers und auf den Hö­rer – ist die Grund­la­ge für je­de Art sinn­vol­ler mu­si­ka­li­scher Be­tä­ti­gung und na­tür­li­che Ba­sis ei­nes au­then­ti­schen In­ter­pre­ten­tums.

 
 
Wo nicht auch der In­ter­pret au­then­tisch schafft, wird ei­ne Wir­kung des Ur­sprüng­li­chen nicht er­reicht, wird die mu­si­ka­li­sche Wahr­heit nicht ver­mit­telt, und das in­ne­re be­glück­te, be­glü­cken­de Er­stau­nen des Hö­rers bleibt aus.

 
 
„... ohne mich Ih­nen im min­des­ten als
ein Meis­ter vor­stel­len zu wol­len,
kann ich Ih­nen ver­si­chern,
daß ich in ei­nem klei­nen, un­be­deu­ten­den* Or­te ge­lebt und
fast al­les, was ich dort als hier ge­wor­den bin,
nur durch mich selbst ge­wor­den bin ...“

Ludwig van Beethoven


*Bonn


 
 
Des­halb be­ginnt die wirk­li­che Mu­sik­aus­bil­dung tief im Le­ben des Künst­lers selbst, und hier liegt auch der Schlüs­sel zu sei­nem men­schen­wür­di­gen Wir­ken in sei­ner Um­ge­bung.

 
Der Urbeginn wirklicher Musikausbildung
 
Das in­te­grier­te Be­herr­schen al­ler die­ser ge­nann­ten Tech­no­lo­gien muß so voll­kom­men er­lernt wer­den, daß es be­wußt und na­tür­lich ge­schieht.

 
 
„Na­tür­lich“ be­deu­tet hier „künst­le­risch“, „ge­konnt“ (im Un­ter­schied zu „ge­wollt“), al­so ohne An­stren­gung, völ­lig spie­le­risch

 
„Gekonnt“ – im Unterschied zu „gewollt“
 
„Na­tür­lich schaf­fen“ heißt: ohne ei­ge­ne Hin­der­nis­se zu neu­en Wel­ten vor­sto­ßen und al­te Wel­ten hin­ter sich las­sen, le­ben­dig­viel­fäl­tig und furcht­los even­tu­el­le Hür­den ei­ge­nen in­ne­ren Wi­der­stan­des über­stei­gen.

 






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