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Der tiefere musikalische Sinn
 
Die äu­ße­ren Be­gleit­er­schei­nun­gen der Um­welt­ver­än­de­rung – dar­ge­stellt in der Struk­tur­ver­än­de­rung des mu­si­ka­li­schen Ton­raums – sind dem Le­be­we­sen we­gen sei­ner na­tür­li­chen Dis­tanz zur Um­welt we­ni­ger ver­traut als die Va­ri­a­tio­nen sei­nes ei­ge­nen Cha­rak­ter­bil­des, als das in­ne­re Spiel sei­ner Ei­gen­schaf­ten – dar­ge­stellt in der an­ge­wand­ten Mo­tiv­tech­nik, in der Me­lo­die –, und er­schei­nen ihm da­her ver­ständ­li­cher­wei­se auch nicht so wich­tig.

 
Variation der Musik im Spiel der menschlichen Eigenschaften
 
Des­halb ist dem Hö­rer der ge­spiel­te Ton oder die Ton­fol­ge weit we­ni­ger wich­tig, als der dem Ton be­zie­hungs­wei­se der Ton­fol­ge zu­grun­de­lie­gen­de tie­fe­re mu­si­ka­li­sche Sinn.

 
 
Die­se Er­fah­rung be­zeugt, daß sich der Mensch wäh­rend sei­ner äu­ße­ren Tä­tig­keit des Mu­sik­hö­rens in ei­ner recht dis­kre­ten Wei­se doch ei­gent­lich nur sei­ner ei­ge­nen in­ne­ren Er­fül­lung wid­met und da­bei das An­wach­sen sei­ner ei­ge­nen in­ne­ren Freu­de zum ganz per­sön­li­chen Ziel hat.

 
Die musikalische Erfüllung der menschlichen Wunschwelt
 
Hier ver­deut­licht die klas­si­sche Mu­sik, daß der Mensch in sei­nem Stre­ben nach der Er­fül­lung sei­nes in­di­vi­du­el­len Le­bens gar nicht so sehr auf äu­ße­ren Er­folg aus­ge­rich­tet ist, wie dies in der Rou­ti­ne des All­tags den An­schein ha­ben mag.

 
Materialismus und Idealismus in der Musik
 
Das ma­te­riel­le Stre­ben – in der Mu­sik dar­ge­stellt durch die äu­ße­re Struk­tu­rie­rung des Ton­raums – ist nur der äu­ße­re not­wen­di­ge Auf­wand, mit dem der Mensch die Er­fül­lung sei­ner in­ne­ren Wunsch­welt ab­si­chern will – in der Mu­sik dar­ge­stellt durch die in­ne­re Be­le­bung des mu­si­ka­li­schen Ton­raums: durch die an­ge­wand­te Mo­tiv­tech­nik, durch die an­ge­wand­te Se­quenz­tech­nik und durch die an­ge­wand­te Har­mo­nik.

 
 
Da der Me­cha­nis­mus zum in­ne­ren Be­herr­schen der mensch­li­chen Glücks­ebe­ne aus dem ir­di­schen All­tag der letz­ten Epo­chen ent­schwun­den war, ge­wöhn­te man sich an, nach au­ßen hin vor­zu­ge­ben, die äu­ße­re Wunsch­er­fül­lung und die ma­te­riel­le Le­bens­ge­stal­tung sei­en das Wich­tigs­te für den ein­zel­nen.

 
Der Verlust der musikalischen Herrschaft über die menschliche Glückswelt
 
Und so ge­wan­nen ent­spre­chend die äu­ße­re Ana­ly­se der Kom­po­si­ti­on, die äu­ße­re in­stru­men­tel­le Struk­tu­rie­rung des Tons und die äu­ße­re Mu­sik­auf­füh­rungs­ze­re­mo­nie im­mer mehr öf­fent­li­ches Ge­wicht, bis hin zur ho­hen ma­te­riel­len Ab­si­che­rung ei­nes ver­äu­ßer­lich­ten In­ter­pre­ten­tums.

 
Äußere Sicherung der inneren Wunscherfüllung
 
Aber je­der von uns weiß in sei­nem ei­ge­nen stil­len Käm­mer­lein des Den­kens und Emp­fin­dens, daß ihm per­sön­lich die Ver­wirk­li­chung sei­ner ei­ge­nen in­ne­ren Wunsch­welt über al­les geht.

 
 
Und er ver­steht des­halb auch kei­nen Spaß, wenn er merkt, daß ihn hier in sei­ner hei­ligs­ten in­ne­ren Le­bens­re­gi­on noch je­mand zu­sätz­lich ein­schrän­ken will.

 
 
Der Kom­po­nist je­doch und mit ihm der wirk­li­che Mu­si­ker ha­ben sich die­sem durch­aus not­wen­di­gen äu­ße­ren Feld des Le­bens nie ge­wid­met; nicht, weil sie die äu­ße­re Tä­tig­keit zum Le­bens­un­ter­halt als un­we­sent­lich an­se­hen könn­ten, son­dern weil sie ih­re Auf­ga­be dar­in er­kann­ten, zu die­sem nach au­ßen ge­rich­te­ten Be­reich der ma­te­riel­len Le­bens­ge­stal­tung auch das na­tür­li­che Ge­gen­ge­wicht im Be­reich der in­ne­ren Le­bens­ge­stal­tung – in der Welt der in­ne­ren Wunsch­er­fül­lung – zu stär­ken.

 
Lebensstil des wahren Musikers
 
Im all­täg­li­chen Be­wußt­sein des Men­schen woll­ten und wol­len die gro­ßen Ton­dich­ter durch ih­re Mu­sik im Men­schen die Er­kennt­nis le­ben­dig er­hal­ten, daß der ei­gent­li­che Sinn un­se­res in­di­vi­du­el­len und so­zi­a­len Le­bens sich nur in der voll­stän­di­gen Er­fül­lung un­se­rer in­ners­ten ganz per­sön­li­chen Wün­sche ver­wirk­licht.

 
Die musikalische Aufgabe
 
In­ner­halb die­ser In­spi­ra­tion ist al­le äu­ße­re ma­te­riel­le Tä­tig­keit nur „not­wen­di­ger Klein­kram“ zur Si­che­rung un­se­rer in­ne­ren Wunsch­er­fül­lung; denn um sich in­ner­lich freu­en zu kön­nen, muß man zu­min­dest auch äu­ßer­lich in­takt sein.

 
Die Notwendigkeit äußerer musikalischer Betätigung






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